Donnerstag, 16. August 2018

Studien

So beeinflusst der digitale Wandel den deutschen Tourismus

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Die deutsche Tourismusindustrie ist zunehmend globalen Trends und Herausforderungen ausgesetzt. Worauf sich der Tourismus in Deutschland bis zum Jahr 2030 einstellen muss, zeigt die Studie "Tourism in Germany 2030" von dem US-amerikanischen Marktforschungsunternehmen Phocuswright im Auftrag des Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes.
Die Ergebnisse belegen: Der digitale Wandel im globalen Tourismus wird relevante Einflüsse auf das touristische Geschäft in Deutschland haben. "Es ist absehbar, dass Teile der touristischen Wertschöpfungskette neu zu definieren sind", sagt Prof. Dr. Heinz-Dieter Quack, Leiter des Komptenzzentrums Tourismus. "Es ist wichtig, dass wir diese Änderungen aufnehmen und bestmöglich agieren."

Die Ergebnisse im Überblick

Laut Studie wurden in Deutschland im vergangenen Jahr touristische Buchungen im Wert von 58,8 Milliarden Euro generiert (weltweit: rund 1,3 Trilliarden Euro). Mit einem Online-Anteil von42 Prozent liegt Deutschland unter dem Durchschnitt von 51 Prozent in Europa. Die Grenzen zwischen beiden Segmenten verschwimmen jedoch und seien häufig primär eine Definitionsfrage, heißt es in der Phocuswright-Studie. Weitere Kernaussagen sind:

1. Deutschland ist einzigartig. Andere Märkte auch. Deutschland hat bis heute einen fast einzigartigen hohen Anteil an stationären Buchungen. Doch der digitale Wandel hält langfristig an.
2. Deutschland hat keine ausgeprägte Start-up-Kultur. Bei der Kapitalisierung touristischer Start-ups kommt Deutschland seit 2005 nur auf einen Anteil von vier Prozent. Kurzfristig dürfte dieser noch kleiner ausfallen. In anderen Ländern werden deutlich mehr Investitionen eingeworben.
3. Deutschland ist ein Reiseweltmeister und ein herausragender Quellmarkt. Auslandsreisen sind ein wichtiger Bestandteil des deutschen Reisemarktes und ein Katalysator für die globale Tourismuswirtschaft.
4. Das Veranstaltergeschäft ist im Umbruch. In keinem anderen Land werden so viele Pauschalreisen gebucht wie in Deutschland. Reiseveranstalter werden auch künftig eine wichtige Rolle spielen, sich den Markt jedoch zunehmend mit individuell zusammengestellten Angeboten teilen. Daran ändert auch die neue EU-Pauschalreiserichtlinie nichts.
5. Mobile Commerce ist eine echte Chance. Noch steht die überdurchschnittlich hohe Smartphone-Dichte in Deutschland nicht im Einklang mit dem eher geringen Anteil an mobil gebuchten Reisen. Die hohe Akzeptanz von Smartphones wird jedoch völlig neue Arten des Reiseverkaufs erlauben, möglicherweise auch neue Urlaubsformen.
6. Deutschland ist bereit für Sharing Economy. Der enorme Erfolg von Airbnb und anderen Plattformen der Sharing Economy ist insbesondere für den Übernachtungsmarkt kein Neuland. Deutschland hatte schon immer einen hohen Anteil von, im globalen Maßstab, alternativen Übernachtungszahlen und kann in Zukunft von dieser Kompetenz profitieren.
7. Technik ist die Basis künftigen Erfolges. Technische Innovationen sind seit vielen Jahrzehnten das Erfolgsrezept im Reisevertrieb. Insbesondere die vielen Formen künstlicher Intelligenz werden neue Reiseerlebnisse und Urlaubsformen ermöglichen. Innovation bleibt essentiell für künftigen Erfolg im Reisemarkt.

Ausflüge und Attraktionen sind der größte Wachstumsmarkt

Ausflüge und Attraktionen sind laut Studie das zurzeit am schnellsten wachsende Tourismussegment im Weltmarkt. Ihre Vermarktung erfolge im globalen Maßstab zunehmend über neue digitale Kanäle und nicht etwa, wie bislang etabliert, über Tourist-Informationen und Reiseveranstalter. "Ausflüge und Attraktionen stehen schon heute für mehr als neun Prozent der touristischen Buchungen weltweit. Ihre zentrale Bedeutung ist von allen Branchensegmenten erkannt", sagt der stellvertretende Leiter des Komptenzzentrums Dirk Rogl, der als Phocuswright-Analyst auch einer der Co-Autoren dieser Studie ist. In Kombination mit der Digitalisierung des Reisevertriebs und der Nutzung mobiler Endgeräte können sich völlig neue Geschäftsmodelle etablieren, so Rogl. Für etablierte Anbieter sei dies Chance und Risiko zugleich.


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() 04.05.2018


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