Sonntag, 25. August 2019

Studien

35. Tourismusanalyse: Mecklenburg-Vorpommern gewinnt, Bayern schwächelt

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34 Prozent der Deutschen verbrachten ihren Haupturlaub im vergangenen Jahr in der Bundesrepublik. Diese 34 Prozent teilen sich nochmals in die Bundesländer auf: Mecklenburg-Vorpommern steht mit acht Prozent auf dem ersten Platz; Foto: Stiftung für Zukunftsfragen

Innerhalb Deutschlands zählen die Küsten im Norden und die Berge im Süden zu den beliebtesten Reisezielen der Bundesbürger. Aus dem Zweikampf zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Bayern geht der Norden nach dem langen und heißen Sommer als Gewinner hervor: Die hohen Temperaturen sorgten in Mecklenburg-Vorpommern für ausgebuchte Hotels und volle Strände. Neben den Familien als Stammpublikum konnten sich besonders viele Jungsenioren und Ruheständler für die Ostseeküste und Seengebiete im Nordosten begeistern. Bayern hingegen sank in der Gunst der Urlauber, sowohl im Vergleich zum Vorjahr als auch im Zehn-Jahres-Vergleich. Das Nachbarland Baden-Württemberg konnte seine Gästezahl hingegen erstmals seit Jahren wieder steigern und gerade im Schwarzwald neue Besucherrekorde verzeichnen. Ebenso wie Bayern musste auch Schleswig-Holstein bei der Haupturlaubsreise Einbußen hinnehmen. Hauptgrund hierfür waren vor allem die Kapazitätsgrenzen der Unterkünfte vor Ort, da durch den Ausnahme-Sommer viele Unterkünfte ausgebucht waren und Reisende auf andere Destinationen auswichen.

Diese Ergebnisse gehen aus der 35. Tourismusanalyse hervor, die die Stiftung für Zukunftsfragen, Hamburg, im Rahmen der Messe Reisen Hamburg vorstellte. Rund 3.000 Bundesbürger ab 14 Jahren wurden in persönlichen Befragungen (face-to-face) nach ihrem Urlaubsverhalten 2018, ihren Reiseabsichten für 2019 sowie ihren Urlaubswünschen befragt.

Deutschland bleibt beliebtestes Reiseziel

Deutschland war auch 2018 das – mit großem Abstand – beliebteste Reiseziel der Deutschen. Mehr als jeder dritte Reisende verbrachte seinen längsten Urlaub des Jahres (mindestens fünf Tage Dauer) zwischen den Küsten im Norden und den Bergen im Süden der Republik. Allerdings verlor der Inlandstourismus insgesamt 0,5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr – im Zehn-Jahres-Vergleich sogar 3,9 Prozentpunkte.

Europäische Feriengebiete waren die Gewinner der Urlaubssaison 2018. Mehr als die Hälfte der Bundesbürger (54,3 %) verbrachte ihren Urlaub in Europa. Bei den Auslandsreisezielen bleibt die Popularität Spaniens ungebrochen. Insbesondere die Balearen, die allein mehr Gäste begrüßen konnten als Griechenland und die Türkei zusammen, erfreuen sich bei den Deutschen einer hohen Beliebtheit. Allerdings sank der Anteil deutscher Urlauber in allen spanischen Feriengebieten im Vergleich zum Vorjahr leicht. Profitieren konnten hiervon in erster Linie Italien und Österreich auf den Plätzen zwei und drei nach Spanien.

Zielgruppe ab 55 Jahren in Fokus rücken

Zugenommen hat die Reiseintensität in jeder Altersgruppe, am stärksten jedoch in der Generation über 55 Jahren (51 % zu 56 %) und ganz speziell innerhalb der Gruppe der 65- bis 74-Jährigen. Verreiste 2017 nur jeder Zweite von ihnen (50 %), waren es 2018 bereits fast zwei von drei (61 %). Professor Dr. Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen, sagt: "Reiseerfahrene, ältere Generationen prägen schon heute das Bild vieler Hotels, Strände und Innenstädte. Sie bilden die Mehrheit der Bundesbürger, haben Zeit, Geld und wollen die Welt kennenlernen. Wer ohne die Senioren plant, plant an der Zukunft vorbei."

Was sollten die Destinationen also tun? "Die Zielgruppe der Senioren muss stärker in den Fokus rücken. Angebote müssen differenzierter gestaltet werden. Denn ein 65-jähriger Tourist hat andere Wünsche als Urlauber mit 80 Jahren", erklärt Reinhardt.

Die Reiseintensität hat am stärksten in der Generation über 55 Jahren (51 % zu 56 %) zugenommen; Foto: Stiftung für Zukunftsfragen

Prognose für 2019: Stagnation auf hohem Niveau

Deutschland verteidigt seinen Titel als beliebtestes Reiseziel: Jeder fünfte Bundesbürger plant bereits jetzt, seinen Haupturlaub im eigenen Land zu verbringen, und jeder dritte Urlauber ist sich sicher, in Europa unterwegs zu sein. Vor allem Urlaubsdestinationen in Spanien, Italien und Griechenland sind dabei gefragt.

Professor Reinhardt resümiert: "Urlaub bleibt auch 2019 die populärste Form des Glücks. Allerdings ziehen erstmals seit Jahren auch wieder einige Wolken am Horizont auf. Der Brexit und der Handelsstreit mit den USA können ebenso den Tourismus negativ beeinflussen wie die Angst vor Terroranschlägen oder einer einsetzenden Rezession. Daher hängt einiges davon ab, wie sich die Welt in den kommenden Monaten entwickelt. Noch deutet vieles auf eine hohe Reiseintensität in 2019 hin. Ob sie aber das Niveau von 2018 erreichen wird, bleibt abzuwarten."



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() 06.02.2019


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