Parteiprogramme für Europawahl oft unverständlich

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In der Studie der Uni Hohenheim landet das Programm von CDU/CSU den ersten Platz. Am unverständlichsten ist das Programm der FDP, das nur wenig verständlicher als eine politikwissenschaftliche Doktorarbeit ist; Foto: Universität Hohenheim

Damit die Wähler bei der anstehenden Europawahl am 26. Mai 2019 eine begründete Entscheidung treffen können, sollten Parteien ihre Positionen klar kommunizieren – unter anderem mittels der Wahlprogramme. Doch Bandwurmsätze mit bis zu 80 Wörtern oder Wortungetüme wie "Luftschadstoffqualitätsbestimmung" führen dazu, dass die Programme der Parteien zur Europawahl nach wie vor für viele Laien unverständlich sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie (pdf) von Kommunikationswissenschaftlern der Universität Hohenheim in Stuttgart, in der Wahlprogramme auf formale Verständlichkeit und Sprache untersucht wurden.

Mit Hilfe einer Analyse-Software fahnden die Wissenschaftler um Prof. Dr. Frank Brettschneider unter anderem nach überlangen Sätzen, Fachbegriffen, Fremdwörtern und zusammengesetzten Wörtern. Anhand dieser Merkmale bilden sie den "Hohenheimer Verständlichkeitsindex". Er reicht von null (schwer verständlich) bis 20 (leicht verständlich).

Im Durchschnitt ist die Verständlichkeit der Europawahlprogramme mit 8,1 Punkten leicht gesunken (2014: 8,5 Punkte). Auch ist sie niedriger als bei der Bundestagswahl 2017 (9,1 Punkte). Im Vergleich zur ersten Europawahl vor 40 Jahren ist allerdings ein Anstieg zu verzeichnen. Die Programme erreichten damals eine durchschnittliche Verständlichkeit von 7,3 Punkten. "Aber die 8,1 Punkte sind immer noch enttäuschend", urteilt Prof. Dr. Brettschneider. "Denn alle Parteien haben sich in den letzten Jahren Transparenz und Bürgernähe auf ihre Fahne geschrieben. Mit ihren teilweise schwer verdaulichen Wahlprogrammen schließen sie jedoch einen erheblichen Teil der Wähler aus und verpassen damit eine kommunikative Chance."

Union und Die Linke sind am verständlichsten

Insgesamt schneidet das Programm von CDU/CSU mit einem Wert von 10,3 am besten ab. Die Linken (9,5) liegen auf Rang zwei und setzen damit ihren Trend fort: Seit 1999 hat sie ihre Verständlichkeit stetig verbessert. Auf dem dritten Platz liegt die SPD mit 8,2 Punkten. Es folgen die Grünen (7,7) und die AfD (6,6). Am unverständlichsten ist das Programm der FDP (6,2). "Damit ist das Programm der FDP nur wenig verständlicher als eine politikwissenschaftliche Doktorarbeit", stellt Prof. Dr. Brettschneider fest.

Zudem enthalten die Programme der Parteien zahlreiche Fremd- und Fachwörter, beispielsweise "Flexicurity" (Die Linke), "Think-Small-Frist-Prinzip" (FDP) oder "Notice-and-take-down-Verfahren". Vor allem für Leser ohne politisches Fachwissen stellen diese eine große Verständlichkeitshürde dar. Einen ähnlichen Effekt hätten Wortzusammensetzungen oder Nominalisierungen, wie "Folgenbeseitigungsverfügungen" (SPD). Auch zu lange Sätze erschweren das Verständnis. Der längste Satz findet sich im Programm der SPD mit 80 Wörtern.



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() 21.05.2019


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