Studien-Bilanz: "Mauerfall ist ein Glücksfall"

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Die Berliner Mauer wurde in der Nacht 9. November auf en 10. November 1989 nach über 28 Jahren geöffnet; Foto: York, Fotolia

Die Berliner Mauer wurde in der Nacht 9. November auf en 10. November 1989 nach über 28 Jahren geöffnet; Foto: York, Fotolia

Die Deutschen schätzen den Mauerfall vor 30 Jahren mehrheitlich als positives Ergebnis ein. Das ergab die Studie "Mauerfall", für die Ipsos 2.000 Personen ab 14 Jahren im September 2019 befragt hat. Demnach sehen 29 Prozent der Ostdeutschen und 24 Prozent der Westdeutschen den Mauerfall als "sehr positiv". Kritiker finden sich hingegen seltener: Nur etwa jeder siebte Bundesbürger (Ost: 14 Prozent – West: 15 Prozent) beurteilen den Mauerfall negativ.

Die Hälfte der Menschen unter 34 Jahren, die die Zeit vor dem Mauerfall nicht oder zumindest nicht bewusst miterlebt haben, beurteilt das Ereignis überwiegend positiv. Der Anteil der neutralen Einstufung liegt bei 39 Prozent.

In Ostdeutschland fällen vor allem bessergebildete und einkommensstärkere Menschen ein positiveres Urteil. Personen, die in Haushalten mit einem Nettoeinkommen von unter 1.500 Euro im Monat leben, sehen den Mauerfall deutlich kritischer als der Durchschnitt, 28 Prozent haben eine negative Meinung, gegenüber 27 Prozent, die positiv über den Mauerfall denken.


Die Hauptgründe für die positive Beurteilung sind ein gemeinsames Deutschland und Freiheit. Letzteres wird vor allem von ostdeutschen Mauerfall-Befürwortern (41 Prozent) genannt. Im Westen steht der Einheitsaspekt im Mittelpunkt der Begründungen (52 Prozent).

Die Mauerfallgegner beklagen vor allem die mit der Vereinigung verbundenen hohen Kosten und Steuern (West: 33 Prozent). Jeder Fünfte (20 Prozent) im Westen hadert zudem mit der vermeintlichen Mentalität der Ostdeutschen. Dem schließen sich allerdings auch 15 Prozent der Ostdeutschen selbst an. Zudem werden die Unterschiede zwischen Ost und West hinsichtlich Renten und Einkommen kritisch gesehen. Jeder vierte ostdeutsche Gegner macht das Ereignis auch für die Arbeitslosigkeit in seiner Region verantwortlich.

Ipsos-Projektleiter Hans-Peter Drews sagt zur Studie: "Insgesamt zeigt unsere Umfrage, dass die Meinungen zum Mauerfall zwischen Ost- und Westdeutschen gar nicht so weit auseinanderliegen. Wir messen damit einhergehend auch in unserem Nationalen WohlstandsIndex für Deutschland eine starke Annäherung des subjektiv empfundenen Wohlergehens im Osten an das hohe Niveau des Westens."

Zukunftsforscher Professor Horst Opaschowski bilanziert: "Der Mauerfall ist ein Glücksfall. Ost- wie Westdeutsche genießen die neuen Freiheiten der deutschen Vereinigung – von der Familienzusammenführung über erweiterte Reisemöglichkeiten bis zu neuen Möglichkeiten beruflicher Mobilität."



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(al) 06.11.2019


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