
v.l. Dr. Dimitrios Argirakos und Markus Hündgens führen das Beratungsunternehmen Rico Jones GmbH in Düsseldorf; Rico Jones/Frank Dursthoff
Hälfte der Kommunen kommunikativ nicht auf Krisensituationen vorbereitet
Die politischen Rahmenbedingungen sind dabei ein wichtiger Faktor. Anhaltende Diskussionen, etwa um die Rechtmäßigkeit der Nutzung von Social Media vor dem Hintergrund der DSGVO, würden den Städten den Ausbau ihrer digitalen Kommunikation erschweren, so Rico Jones. Auch eine professionelle Digitalstrategie und die Bereitschaft, von anderen Städten zu lernen, sind entscheidend. Sie erleichtern die öffentliche Kommunikationsarbeit auch außerhalb von Krisenzeiten. "Nur die wenigsten Städte haben erkannt, dass jede Maßnahme immer auch Teil einer E-Government-Entwicklung sein muss. Selbst das digitalisierte Bürgerbüro auf dem Land muss sich in einer kommunalen Kommunikationsstrategie wiederfinden", so Argirakos. Er ergänzt: "Vor dem Hintergrund der uns noch lange begleitenden Corona-Krise muss hier eher heute als morgen gehandelt werden." Die Studie zeigt ferner, dass fast die Hälfte der befragten Kommunen allein aus Personalmangel nicht in der Lage ist, eine Krise adäquat im digitalen Raum zu begleiten. Darüber hinaus belegen die Ergebnisse, dass die kommunale Präsenz auf diversen Social-Media-Kanälen ein wichtiger Baustein ist. Aber: "Ein Facebook-Auftritt des Bürgermeisters, ein Twitter-Kanal des Gesundheitsamts und vielleicht noch ein Instagram-Account des Kulturamts reichen nicht aus - schon gar nicht, wenn sie weder strategisch durchdacht, noch entsprechend koordiniert bespielt werden", sagt Markus Hündgen, ebenfalls Geschäftsführer von Rico Jones. "Fest steht: Ohne ein strategisches Fundament ist eine Ausweitung von digitalen Kommunikationsplattformen schlicht sinnlos, vielleicht sogar schädlich. Vollkommen unterschätzt werden auch Maßnahmen zur Evaluation, also eine Qualitätskontrolle, durch die die Verantwortlichen klar erkennen können, welche Kommunikationsmaßnahmen erfolgreich waren und welche nicht. An dieser Stelle stehen die Kommunen noch weit am Anfang."
Über die Studie:
Die wissenschaftliche Studie "Digitale Städtekommunikation in Deutschland – Warum Kommunen nicht auf Krisen vorbereitet sind" entstand auf der Grundlage einer deutschlandweiten demoskopischen Untersuchung. Hierbei handelte es sich eine bundesweite Umfrage zum Thema digitale Städtekommunikation, die sich nicht nur auf die Nutzung sozialer Netzwerke beschränkt, sondern auch Prozesse, Strukturen und Umweltfaktoren berücksichtigt. Die Studie vereint Elemente aus Politik- und Kommunikationswissenschaften, aus der Organisationssoziologie und den Wirtschaftswissenschaften. Hervorgegangen ist die Untersuchung aus einer Abschlussarbeit an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Für die Durchführung wurde ein Fragebogen mit 54 Fragen entwickelt, der an alle deutschen Städte mit mehr als 20.000 Einwohnern geschickt wurde. Der Beantwortungszeitraum erstreckte sich vom 15. Oktober bis zum 29. November 2019, wobei es wegen anhaltender Nachfrage zu mehrmaligen Verlängerungen kam. Mehr als 30 Prozent der angeschriebenen Kommunen haben den Fragenbogen vollständig beantwortet. Insgesamt haben 60 Prozent aller Städte in Deutschland mit mehr als 200.000 Einwohnern an der Umfrage teilgenommen.
Über die Rico Jones GmbH:
Rico Jones ist ein Beratungsunternehmen mit dem Schwerpunkt Kommunikation, insbesondere Regierungs- und Krisenkommunikation. Seit 2015 berät Rico Jones als Rahmenvertragspartner das Bundespresseamt. Zu den Referenzprojekten gehören beispielsweise die Neukonzeption und der Aufbau der Newsdesk-Struktur, die Entwicklung der Facebook-Seite der Bundesregierung und des Instagram-Kanals der Bundeskanzlerin, die Vorbereitung und Begleitung des G7- und G20-Gipfels in Deutschland, das YouTube-Interview zwischen Bundeskanzlerin Merkel und dem Influencer LeFloid sowie aktuell die Begleitung der digitalen Krisenkommunikation im Rahmen der Corona-Pandemie. Die aktuelle Studie ist über die Website von Rico Jones erhältlich. Darüber hinaus haben die Berater eine Checkliste entwickelt, die Entscheidungsträgern in Städten und Gemeinden dabei helfen soll, den Stand ihrer Möglichkeiten bei der digitalen Krisenkommunikation realistisch einzuschätzen. Ziel ist es, Lücken bei der Bewältigung der aktuellen Corona-Situation aufzudecken und sich gleichzeitig für künftige Szenarien zu rüsten.
Yvonne Wodzak 29.04.2020









