In welcher Region geht es "gender-gerecht" zu?

Wo ist die Gleichstellung der Geschlechter relativ weit fortgeschritten, welche Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland haben Nachholbedarf? Auskunft gibt der aktuelle Gender Index, den das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) jetzt veröffentlicht hat.
Für die sechs Schlüsselbereiche Ausbildung, Berufsarbeit, Zeitverwendung, Einkommen, politischen Teilhabe und Gesundheit liefert der Index aktuelle Zahlen und Karten. Antonia Milbert, im BBSR zuständig für den Gender-Index, erklärt: "Der neue Gender-Index zeigt, dass jede Region weit oben stehen kann, wenn sie will. Diese Vergleichbarkeit wird den Wettbewerb um mehr Chancengleichheit verstärken. Wer den Alltag verbessern will, braucht lokale Informationen, leicht zugänglich und systematisch aufbereitet. Genau die liefert der Index."
Grundlage der Forschungsarbeit ist der Europäische Gleichstellungsindex, den das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) im Auftrag der Europäischen Kommission entwickelt hat. Der Gesamtindex setzt sich aus 21 Indikatoren zusammen. Je höher der Indexwert, desto größer ist die Chancengleichheit von Frauen und Männern in einer Region. Für die Berechnung der Indikatoren haben die Wissenschaftlerinnen amtliche Statistiken auf Kreisebene herangezogen und Umfrageergebnisse aus dem Sozioökonomischen Panel (SOEP) ausgewertet. Die für die Regionen verfügbaren Index-Daten beziehen sich auf das Jahr 2012.
In den kreisfreien Großstädten ist der Analyse zufolge die Chancengleichheit von Frauen und Männern am weitesten vorangeschritten. Die Ausbildungs- und Erwerbsmöglichkeiten sind für beide Geschlechter in den großen Städten besser, ebenso die Einkommensmöglichkeiten inklusive der Rentenzahlungen. Vergleichsweise niedrige Werte weisen einige vor allem in ländlichen Regionen gelegene Landkreise auf.
Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland gibt es in der Gesamtschau nur in einzelnen Schlüsselbereichen. So liegen die ostdeutschen Kreise im Bereich "Wissen/Ausbildung" und "Einkommen" deutlich vor den westdeutschen Kreisen. Dies liegt nicht zuletzt an den höheren Vollzeitquoten von Frauen in Ostdeutschland und damit den Männern ähnlicheren Einkommen über alle Lebensphasen hinweg. Dagegen sind Frauen in Westdeutschland stärker in politischen Ämtern, Berufs- und Vereinsorganisationen repräsentiert. Allgemein gibt es in punkto politischen Teilhabe nach wie vor Nachholbedarf, wie die Indexwerte für diesen Bereich belegen.
Der Gender-Index ist unter der Adresse www.gender-index.de abrufbar.
(yw) 13.05.2015









