Hochschulpakt: Baden-Württemberg nutzt steigende Studierendenzahlen am besten
Der Trend zum Hochschulstudium ist in Deutschland ungebrochen. Die Zahl der Studienanfänger stieg von 2005 bis 2013 um 43 Prozent. Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern haben den Großteil der zusätzlichen Studierenden aufgenommen. Besonders die Fachhochschulen und die Ingenieurwissenschaften konnten von der Entwicklung profitieren.
Im Jahr 2005 begannen 350.000 Menschen in Deutschland ein Studium. Acht Jahre später waren es bereits mehr als eine halbe Million. Verglichen mit dem Referenzwert von 2005 strömten von 2006 bis 2013 insgesamt 650.000 zusätzliche Studienanfänger an die Hochschulen. Das Wachstum von 43 Prozent bei den Studienanfängern pro Jahr begünstigte der 2007 geschlossene Hochschulpakt. Mit ihm trafen Bund und Länder Vereinbarungen, um angesichts doppelter Abiturjahrgänge zusätzliche Studienplätze zu schaffen.
NRW, Baden-Württemberg und Bayern am beliebtesten
Die Verteilung dieser zusätzlichen Studienanfänger zeigt eine Untersuchung des CHE Centrum für Hochschulentwicklung mit dem Titel "Und wo studieren die jetzt alle?". Vier von fünf der neu hinzugekommenen Studierenden starteten in einem westdeutschen Flächenland, rund 60 Prozent allein in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Nordrhein-Westfalen hat davon mit rund 145.000 die meisten zusätzlichen Erstsemester aufgenommen, gefolgt von Baden-Württemberg (130.000) und Bayern (110.000). Größter Gewinner dieser Entwicklung ist Baden-Württemberg, das seinen Anteil an den Studienanfänger(inne)n in Deutschland von 13,9 Prozent (2005) auf 15,3 Prozent (2013) steigern konnte.
Westdeutsche Abiturienten zieht es an ostdeutsche Hochschulen
Von den Stadtstaaten hat vor allem Berlin auf Wachstum gesetzt, aber auch Hamburg und Bremen haben ihre Kapazitäten ausgebaut. Wie im Hochschulpakt gefordert, konnten die ostdeutschen Länder ihre Studienanfängerzahlen stabil halten. Der dortige starke Bevölkerungsrückgang von Personen im studierfähigen Alter konnte durch Studierende aus anderen Bundesländern ausgeglichen werden. So hat sich der Anteil westdeutscher Abiturienten an ostdeutschen Hochschulen von 2005 bis 2013 verdoppelt. Hinzu kam ein signifikanter Anstieg ausländischer Studienanfänger in ganz Deutschland. Ihre Zahl ist parallel zur Entwicklung bei den deutschen Erstsemestern gestiegen.
Fachhochschulen mit mehr Studierenden
Die Hochschultypen profitierten unterschiedlich stark vom Studierboom. Beim Ausbau der Studienplätze gehören die Fachhochschulen zu den Gewinnern der Entwicklung. Ihr Anteil an den Studienanfängern eines Jahres stieg von 32 Prozent (2005) auf 40 Prozent (2013). Auch die privaten Fachhochschulen konnten ihre Studierendenzahlen mit einem Zuwachs von mehr als 180 Prozent erheblich steigern.
Auf Fächerebene dominierten die Rechts-, Wirtschafts- oder Sozialwissenschaften. 40 Prozent der zusätzlichen Studienanfänger(innen) entschieden sich für ein Fach aus dieser Fächergruppe. Auf Platz zwei folgten die Ingenieurwissenschaften, die ihren Anteil ausbauen konnten. 2005 wählte jeder fünfte Erstsemester (19 %) ein ingenieurwissenschaftliches Studienfach. Von den zusätzlichen Studienanfängern in den folgenden Jahren war es bereits mehr als jeder vierte (28 %).
Rebekka Hans 30.10.2015










