
Titel der Gemeinschaftsstudie der Uni Hohenheim und ING-DiBa
Flüchtlinge und Terroranschläge sind Top-Themen des Jahres 2015
Die aktuellen Flüchtlingszahlen und wie sich die Zuwanderung etwa auf die Gesellschaft auswirkt ist das Thema in den Medien, das die Menschen 2015 am meisten beschäftigt. Zweitstärkstes Thema 2015: die Anschläge auf Paris und die damit verbundene Angst vor dem islamistischen Terror. Andere große Themen wie Griechenland, der VW-Skandal oder die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft treten dagegen fast völlig in den Hintergrund. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie der Universität Hohenheim und der ING-DiBa AG. Dazu wurden über 1.000 Bürger befragt. Die Frage nach den Top-Medienthemen des Jahres wurde offen gestellt, das heißt ohne Antwortvorgaben.
Im Jahr 2014 nennen gerade mal 8,3 Prozent der Befragten das Thema Flüchtlinge - nun ist es für 62,2 Prozent das Top-Medienthema des Jahres 2015. Prof. Dr. Mast, Professorin für Kommunikationswissenschaft an der Universität Hohenheim, erklärt: "Angesichts der umfangreichen Berichterstattung über die Migrationsbewegungen dieses Jahres ist das Umfrageergebnis nachvollziehbar und nicht sehr überraschend. Eindrucksvoll hingegen sind die Perspektiven der Menschen zum Flüchtlingsthema, also welche Aspekte sie hierzu im Einzelnen ansprechen. Hier gibt es eine große Bandbreite von Perspektiven – von der Skepsis, ob Deutschland das überhaupt schaffen kann, über die Unzufriedenheit mit den politischen Entscheidungsträgern bis hin zum Mitgefühl für die Flüchtlinge."
Skepsis, Sorge und Verunsicherung weit verbreitet
Die meisten Nennungen beim Thema Flüchtlinge sind durch Skepsis, Sorge und Verunsicherung der Bevölkerung gekennzeichnet: Mehr als ein Viertel der befragten Bürger (26,1 %), die dieses Thema ansprechen, fragen sich dabei nicht nur, wie Deutschland das schaffen und die Integration handhaben soll - auch die Frage nach der Integrationsbereitschaft der Flüchtlinge und ihrer Akzeptanz gegenüber der politischen und rechtlichen Ordnung in Deutschland beschäftigt sie.
Ein Fünftel der Befragten (19,7 %), die das Thema Flüchtlinge nennen, signalisiert Mitgefühl und Hilfsbereitschaft, während lediglich 1,4 Prozent es ausdrücklich in Verbindung mit Chancen ansprechen, die sich daraus für Deutschland ergeben können. Jeder siebte dieser Bürger (14,8 %) ist unzufrieden mit der Art und Weise, wie die deutsche Politik bzw. die Regierung mit dem Flüchtlingsthema umgeht. Positive Stimmen gegenüber der deutschen aber auch den Regierungen von anderen Ländern liegen unterhalb der Ein-Prozent-Marke.
13,3 Prozent der Umfrage-Teilnehmer, die das Flüchtlingsthema als beherrschendes Medienthema sehen, beschäftigt ganz konkret die Frage, wer die Personen sind, die nach Deutschland einreisen, und ob sich unter ihnen Terrorkämpfer des Islamischen Staates befinden könnten. Für Prof. Dr. Mast machen diese Fragen deutlich: "Dahinter steht die eindeutige Erwartung an die Politik, für eine vollständige und schnelle Registrierung der Einreisenden zu sorgen und ebenso klar zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen zu unterscheiden." 8,1 Prozent dieser Bürger sagen bereits jetzt, dass Deutschland überlastet ist und die Grenzen geschlossen werden müssen, so ebenfalls ein Ergebnis der Studie.
Die Anschläge von Paris
Das zweite dominante Thema im Jahr 2015 ist laut Studie die Bedrohung durch den islamistischen Terror im Nachgang zu den Pariser Anschlägen (44,7 %). Auch im Vorjahr beherrschten Angstthemen das Ranking der Befragung: von internationalen Krisen, über die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten bis hin zum islamistischen Terror in Syrien und im Irak. In diesem Jahr landete die Bedrohung durch Kriege und Konflikte ganz allgemein mit gerade einmal 6,9 Prozent auf dem dritten Platz.
Im Vergleich zu den Themen Flüchtlinge und Terror spielen laut Studie Entwicklungen wie die Pegida-Demonstrationen und fremdenfeindliche Proteste in Deutschland nur eine geringe Rolle (Platz 4; 4,0 %). Mit 3,3 Prozent auf Platz fünf landete die Unzufriedenheit mit dem politischen System und den anderen Akteuren in unserer Gesellschaft.
Andere Krisen treten in den Hintergrund
Die zwei großen Top-Themen – Flüchtlinge und Terroranschläge – drängen andere Ereignisse des Jahres 2015 fast völlig in den Hintergrund, auch wenn über sie umfangreich berichtet worden war. Jeweils unter drei Prozent der Befragten der Studie haben zum Beispiel die Griechenlandkrise (2,8 %), die Skandale um die Vergabe der Fußball-WM (1,2 %) oder die Manipulation von Abgaswerten durch VW (0,6 %) angesprochen.
Über die Gemeinschaftsstudie:
Insgesamt wurden 1.029 Bürger für die repräsentative Bevölkerungsstudie befragt.Der Erhebungszeitraum ging von 16. bis 19. November 2015, die Datenerhebung fand durch forsa (Berlin) statt. Die Ergebnisse entstammen einer Gemeinschaftsstudie des Fachgebietes für Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim, Stuttgart, und der ING-DiBa AG, Frankfurt. Die Studie erhebt seit 2011 jährlich, welche Themen in den Medien die Bürger im betreffenden Jahr am meisten beschäftigt haben. Die Frage nach den Top-Themen wird jeweils am Jahresende in einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage gestellt. Diese Erhebung ist Teil der Langzeituntersuchung "Wirtschaftskommunikation – Innovationen und Trends".
Yvonne Wodzak 11.12.2015









