
Prof. Dr. Ulrich Reinhardt, Wissenschaftlicher Leiter der Stiftung, berichtet von den Studienergebnissen, Foto: yw
Reiseintensität der Deutschen sinkt
Die Unsicherheit hat die Tourismusbranche erreicht. Erstmals seit Jahren sank die Reiseintensität der Deutschen - genau um drei Prozentpunkte auf aktuell 54 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die 32. Deutsche Tourismusanalyse der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg. Der stärkste Rückgang ist bei der Zielgruppe "55plus" zu verzeichnen (−6 Prozentpunkte). Aber entgegen dem Trend erhöhte sich die Reiseintensität bei der mittleren Generation (35-54 Jahre) um zwei Prozentpunkte.
Erklären lässt sich dieser generelle Rückgang insbesondere durch die wachsende Unsicherheit der Bevölkerung im Hinblick auf Urlaub. Diese werde zum einen durch die (gefühlt) wachsende Zahl von Terroranschlägen geschürt, zum anderen zeigten zahlreiche Untersuchungsergebnisse eine grundsätzlich zunehmende Zukunftsangst innerhalb der deutschen Bevölkerung.
Inland
Mit großem Abstand bleibt Deutschland das beliebteste Reiseziel der Bundesbürger. Eindeutiger Gewinner im Zehnjahresvergleich ist Mecklenburg-Vorpommern (Bereich: Haupturlaubsreise): 2015 bei 7,9 Prozentpunkten, 2005 bei 4,3 Prozentpunkten. Die Gründe für die steigende Beliebtheit Mecklenburg-Vorpommerns sind laut Studie hauptsächlich die neuere Infrastruktur, die natürlichen Gegebenheiten, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis sowie ein hoher Stammkundenanteil.
Ausland
Bei den europäischen Reisezielen 2015 lag Spanien ganz vorn, gefolgt von Italien und der Türkei. Aber: In der abgelaufenen Reisesaison verzeichneten die türkischen Urlaubsgebiete erstmals seit Jahren einen Rückgang bei den Besucherzahlen.
Ein weiteres Ergebnis der Studie ist: Die Reisedauer steigt erstmals seit Jahren. Dafür gibt es wohl zwei Gründe: Erstens die überdurchschnittlich hohe Anzahl von Auslandsreisen, denn mit der Reiseentfernung erhöhte sich gleichzeitig auch die Anzahl der Übernachtungen vor Ort. Zweitens scheinen viele Bundesbürger ihren Urlaub nicht noch weiter verkürzen zu wollen. "Lieber sparen sie bei der Anreise oder der Unterkunft und schränken sich bei den Ausgaben im Urlaub ein, als noch weniger Zeit vor Ort zu haben", so die Marktforscher.
Für die 32. Deutsche Tourismusanalyse wurden über 4.000 Personen ab 14 Jahren – in persönlichen Interviews (face-to-face) zum eigenen Reiseverhalten befragt. (Alle Grafiken: BAT-Stiftung für Zukunftsfragen)
Weitere Infos zur Studie in der kommenden Public Marketing-Ausgabe 3/2016 Schwerpunktthema "Tourismusmarketing".
Yvonne Wodzak 17.02.2016









