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Hochschul-Bildungs-Report 2020: Fast 40 Prozent der Unternehmen rechnen mit dem Wegfall akademischer Berufe

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Die digitale Transformation beeinflusst fast alle Lebensbereiche. Auch die akademische Berufswelt steht vor erheblichen Veränderungen. Hochschulen bereiten die Studierenden jedoch nicht ausreichend genug auf die neuen Anforderungen vor. Dies sind die zentralen Ergebnisse des "Hochschul-Bildungs-Reports 2020", dessen aktuelle Ausgabe mit dem Schwerpunkt "Hochschulbildung für die Arbeitswelt 4.0" heute (6.6.) in Berlin vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und McKinsey & Company vorgestellt wurde.

Unternehmen fragen nach: Digitalen Kompetenzen, Praxiserfahrung und Fremdsprachen

"Die Digitalisierung verändert nun auch technikferne und damit zunehmend akademische Berufe", erläutert McKinsey-Seniorpartner Jürgen Schröder die Ergebnisse. Der Report basiert unter anderem auf einer repräsentativen Umfrage unter 300 Unternehmen in Deutschland. Danach gehen 75 Prozent von ihnen davon aus, dass Verwaltungstätigkeiten automatisiert werden. 39 Prozent rechnen mit dem Wegfall akademischer Berufe und deren Ersatz durch Maschinen. Schröder erwartet allerdings weniger den Wegfall ganzer akademischer Berufe, sondern mehr die Veränderung der Berufsbilder durch digitale Unterstützung. Schröder sagt: "Akademiker benötigen mehr und tiefergehende digitale Kompetenzen als bisher, beispielsweise in der Auswertung von Statistiken oder in der digitalen Analyse und Beurteilung großer Datenmengen." Die Unternehmen fordern zunehmend den Nachweis solcher Kompetenzen in den Lebensläufen, wie die Befragung zeigt. Wichtig sind laut Studie zudem Praxiserfahrung und Fremdsprachen; weniger relevant werden hingegen der reine Notenschnitt oder der Ruf einer Hochschule.

Hochschulen bereiten Akademiker nicht ausreichend auf Arbeitswelt 4.0 vor

Volker Meyer-Guckel, der stellvertretende Generalsekretär des Stifterverbands, weist auf die Defizite der Hochschulen hin: "Unsere Hochschulen bereiten Akademiker nicht ausreichend auf die Arbeitswelt 4.0 vor." Fallen in Zukunft vor allem akademische Routinetätigkeiten weg, dann werde mehr selbstständiges und kollaboratives Arbeiten verlangt. Deshalb sollten Hochschulen ihren Studierenden mehr Wahlmöglichkeiten und Raum für individuelle Schwerpunkte bieten. Wichtig für ein solches individuelles Studium sei die begleitende Einführung eines Kompetenzcoachings, das Studierende bei der Wahl von Modulen berät. Schon heute gebe es erste Schritte in diese Richtung, beispielsweise das "Studium Individuale" der Leuphana Universität in Lüneburg oder auch das Modell der Technischen Universität Hamburg-Harburg mit der erweiterten Studieneingangsphase. Individuelleres und praxisorientiertes Lernen werde außerdem durch mehr Flexibilität bei der Wahl der Lernorte möglich: Hochschulen sollten Meyer-Guckel zufolge deshalb künftig stärker mit anderen Hochschulen, Berufsschulen, privaten Bildungsanbietern und Unternehmen kooperieren.

An die neuen Anforderungen der Arbeitswelt 4.0 müsse sich auch die Didaktik an den Hochschulen anpassen, so Meyer-Guckel: "Wir müssen weg vom konsumierenden, hin zu einem aktiven, kreierenden und auch forschenden Lernen." Als Beispiele nennt er dafür interaktive Lernformate wie das "Blended Learning", das verschiedene Medien und Methoden wie Präsenzunterricht und E-Learning kombiniert. Zudem sollten Hochschulen auf dem Weiterbildungsmarkt eine viel stärkere Rolle als bisher spielen, empfiehlt Meyer-Guckel. Aus Sicht von Arbeitnehmern seien Abschlüsse von Hochschulen - anders als Zertifikate aus innerbetrieblichen Weiterbildungen - auch über den aktuellen Job hinaus attraktiv.

Insgesamt untersucht der Hochschul-Bildungs-Index, den Stifterverband und McKinsey seit 2013 jährlich erheben, sechs Handlungsfelder: chancengerechte Bildung, beruflich-akademische Bildung, quartäre Bildung, internationale Bildung, Lehrer-Bildung und MINT-Bildung. Unterm Strich habe sich der Index im vergangenen Jahr zwar positiv entwickelt, aber nicht schnell genug, so die Verantwortlichen. Positive News gibt es bezüglich des Akademikerbedarfs. Die Untersuchung zeigt: Nach aktuellem Stand wird der für Deutschland notwendige Bedarf an Akademikern langfristig gedeckt werden können. Eine weitere positive Entwicklung gibt es bei der internationalen Bildung: Mittlerweile stammt jeder vierte Studienanfänger an ostdeutschen Universitäten aus dem Ausland. Die Hochschulen haben sich zum Beisiel durch mehr englischsprachige Studiengänge und eine ausgeprägte Willkommenskultur attraktiv für ausländische Studierende gemacht.

Den Hochschul-Bildungs-Report zum Download und das gesamte zu Grunde liegende Datenmaterial stehen unter www.hochschulbildungsreport2020.de



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(yw) 06.06.2016




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