Flüchtlingshilfe stärkt den Zusammenhalt der Gesellschaft

Das freiwillige Engagement, Geflüchtete in die Gesellschaft zu integrieren, steigt weiter an. Dabei fällt auf, dass sich zahlreiche Initiativen vor Ort professioneller aufstellen, langfristig zu wirken. Das ergab die qualitative Studie "Koordinationsmodelle und Herausforderungen ehrenamtlicher Flüchtlingshilfe in den Kommunen". Diese Untersuchung hat die Bertelsmann Stiftung, Gütersloh, beim Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) an der Humboldt-Universität in Auftrag gegeben. Dazu wurden zwischen Januar und März 2016 wurden 25 Interviews in 17 Kommunen deutschlandweit geführt.
Die Analyse stellt die hohe Relevanz der Flüchtlingshelfer heraus, die sich zunehmend institutionalisieren. So übernehmen die Freiwilligen oftmals Aufgaben, die normalweise der Staat leisten müsste, zum Beispiel die Versorgung mit Lebensmitteln, Kleidung und Wohnraum. Außerdem gelten sie als Brücke zwischen den Geflüchteten und den Behörden. Sie helfen den Flüchtlingen bei Behördengängen, den ersten Schritten in Schulen und Praktika und organisieren Sprachkurse.
Ehrenamtliche brauchen Unterstützung der Kommunen
Damit die freiwillig Engagierten weiterhin zur Integration beitragen können und gleichzeitig entlastet werden, ist laut Studie die Unterstützung durch hauptamtliche Mitarbeiter in den Kommunen erforderlich. Bettina Windau, Leiterin des Bereiches "Zukunft der Zivilgesellschaft" bei der Bertelsmann Stiftung, erklärt: "Das vielfältige Engagement ist und bleibt zentral für die Integration der geflüchteten Menschen. Damit dies langfristig gelingt, müssen Wege gefunden werden, um vor Ort das Engagement koordinierend zu unterstützen."
Im Rahmen der Erhebung wurden insgesamt drei Formen der Zusammenarbeit zwischen Stadt und Initiativen vor Ort festgehalten.
- einzelne ehrenamtliche Personen als Koordinatoren in den Städten und Stadtteilen: Privatpersonen übernehmen freiwillig die Vermittlung konkreter Hilfsangebote sowie die Beantragung von Fördermitteln.
- Netzwerk-Koordination: Die Aktiven treffen ihre Entscheidungen am runden Tisch, ohne zentralen Ansprechpartner.
- zentrale Koordinationsstelle in der Kommunalverwaltung: Ein hauptamtlicher Ansprechpartner unterstützt die Initiativen zum Beispiel bei Fördermitteln und der Organisation von Fortbildungen.
Freiwilliges Engagement braucht mehr Anerkennung
Die Forscher der Studie raten den Städten und Gemeinden deshalb, weiterhin Koordinationsstellen aufzubauen und die Flüchtlingshilfe zu honorieren. Bettina Windau unterstreicht: "Gerade jetzt nach den Gewalttaten der vergangenen Wochen, an den offenbar auch Flüchtlinge beteiligt waren, sind die engagierten Freiwilligen eine zentrale Stütze. Durch ihre Arbeit wird in den Kommunen eine positive Stimmung gegenüber Geflüchteten erhalten."
(al) 08.08.2016










