Zögerliche Umsetzung von Crowdfunding-Kampagnen im Tourismus
In der Tourismus-Branche wird Crowdfunding noch zögerlich genutzt. Wahrgenommene Risiken und fehlende Detailkenntnisse halten Tourismusakteure oft davon ab, eigene Kampagnen in Angriff zu nehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur, die die wahrgenommenen Hemmnisse rund um die Planung und Umsetzung von Crowdfunding-Kampagnen im Tourismus untersucht. Ergänzt wird die Studie mit einer Analyse aller Tourismusprojekte auf der Schweizer Plattform www.100-days.net.
Eigener Kenntnisstand wird überschätzt, Detailwissen fehlt
Knapp 80 Prozent der Befragten halten es demnach für (noch) nicht üblich, dass im Tourismus Crowdfunding-Kampagnen durchgeführt werden. Zwei Drittel der Befragten geben zwar an, zu wissen, was Crowdfunding ist und wie es funktioniert. Zudem sind sich über 70 Prozent der Befragten darüber im Klaren, dass eine Kampagne viel Arbeit bedeutet. Doch bei Detailfragen rund um die Kampagne zeigt sich, dass weitestgehend Unklarheiten zu notwendigen Details bestehen. Nur den wenigsten der Befragten ist vollkommen klar, wie eine Kampagne technisch (auf den gängigen Schweizer Plattformen oder im Rahmen einer eigenen Lösung) umzusetzen wäre. Auch in Bezug auf die nicht-technischen Aspekte einer Kampagne wissen nur wenige, welche Aufgaben in Sachen Online-Marketing, Community-Aufbau oder Medienarbeit notwendig wären, um eine Kampagne erfolgreich zu gestalten.
Diffuse Wahrnehmung der erwarteten Effekte und Vorteile
Für den Grossteil der Befragten steht als grosser Vorteil klar die Finanzierung im Vordergrund. Doch den Wenigsten ist klar, dass Crowdfunding auch genutzt werden kann, um Marketing für ein Produkt oder eine Leistung zu betreiben und die Nachfrage dafür vorab am Markt zu testen. Zudem fällt es schwer, einzuschätzen, ob eine Crowdfunding-Kampagne mögliche Image-Effekte in der öffentlichen Wahrnehmung oder bei potenziellen und aktuellen Kundinnen und Kunden hervorrufen kann. Dementsprechend sind auch die Absichten, eine eigene Crowdfunding-Kampagne durchzuführen, tief: Weniger als 20 Prozent der Befragten können sich vorstellen, in den nächsten zwölf Monaten eine eigene Crowdfunding-Kampagne durchzuführen.
Neben der Befragung wurden 1.330 Crowdfunding-Projekte auf der Plattform 100-days.net ausgewertet. Besonderes Augenmerk galt den Kategorien, die im weiteren Sinne dem Tourismus zugeordnet werden können. "Dass sich Crowdfunding in der Schweiz und auch im Tourismus zwar langsam, aber stetig etabliert, zeigt sich daran, dass die Zielsummen für die Projekte in den letzten Jahren angestiegen sind", so die Projektleiterin Kerstin Wagner. Während die Projektsummen in allen anderen Kategorien moderat über die letzten fünf Jahre zugenommen haben, hat der Tourismus einen regelrechten Sprung hingelegt. "Mit der fortschreitenden Etablierung wagen nun auch Projektinitiatoren den Schritt, die Öffentlichkeit um Unterstützung für grössere Projekte anzufragen", so Wagner.
Rebekka Hans 27.03.2017










