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Für junge Europäer ist die EU eher Wirtschaftsraum als Wertegemeinschaft

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Für drei von vier jungen Europäern sind nicht gemeinsame Werte, sondern die wirtschaftliche Zusammenarbeit der Kern der Europäischen Union. 76 Prozent der Befragten sehen die EU als wirtschaftliches Bündnis und nur 30 Prozent als Bündnis von Ländern mit gemeinsamen kulturellen Werten. Lediglich 18 Prozent der befragten Jugendlichen schreiben der EU eine gemeinsame kulturelle Basis zu, nur sieben Prozent den Wert "Religion und christliche Kultur". Zu diesem Ergebnis kommt eine europäische Jugendstudie, die das Kölner Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der TUI Stiftung, Hannover, erstellt hat. Für die Untersuchung "Junges Europa 2017 - Jugendstudie der TUI Stiftung" befragte YouGov in sieben EU-Ländern (Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Großbritannien, Polen, Griechenland) 6.000 junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren.

Zu viel Verwaltung, zu wenig Mitgestaltung

Jungen Menschen sind die politischen Handlungsspielräume auf der europäische Ebene zu vage. Die EU wird eher als Verwaltungsapparat, denn als eine Gemeinschaft gesehen, in der gestaltet und verändert werden kann. 37 Prozent kritisieren konkrete politische Ziele und Pläne der EU, 27 Prozent stört die grundsätzliche Organisation und Arbeitsweise der Europäischen Institutionen.

Insgesamt sieht nur gut die Hälfte (52 Prozent) der jungen Europäer die Demokratie als beste Staatsform an. Am wenigsten überzeugt die Demokratie junge Menschen in Frankreich (42 Prozent), Italien (45 Prozent) und Polen (42 Prozent).In Deutschland ist die Zustimmung zur Demokratie als beste Staatsform höher (62 Prozent), Spitzenreiter ist Griechenland mit 66 Prozent.

Die Studie zeigt auch, dass sich viele junge Frauen und Männer schwertun mit dem Einfluss, den ihre Regierungen an die Europäische Union abtreten. So wünscht sich mehr als ein Drittel der jungen Europäer, dass die EU wieder Macht an die nationalen Regierungen zurückgibt (38 Prozent). In Griechenland (60 Prozent) und in Großbritannien (44 Prozent) ist diese Tendenz besonders ausgeprägt. Die jungen Deutschen vertrauen dagegen der EU mehr als die anderen Befragten: Nur 22 Prozent wollen, dass die EU wieder mehr Macht an nationale Regierungen abgibt.

Heterogene ökonomische Perspektiven

Ihre ökonomische Situation und Perspektive beurteilen die befragten Jugendliche sehr unterschiedlich. Während insgesamt 29 Prozent der Jugendlichen ihre aktuelle finanzielle Situation als eher gut einschätzen, beurteilen 32 Prozent diese als eher schlecht. Besonders negativ äußern sich die Befragten aus Spanien, Frankreich und Griechenland. Die Einschätzung aus Deutschland, Polen und Großbritannien fällt dagegen überdurchschnittlich positiv aus.

Ihre Erwartung an eine bessere Zukunft sind aber durchaus bescheiden: Insgesamt glaubt nur ein gutes Viertel (26 Prozent) der jungen Europäer, dass ihre Generation einen Lebensstandard über dem ihrer Eltern erreichen wird. Gut die Hälfte (52 Prozent) ist diesbezüglich pessimistisch eingestellt und erwartet eine Verschlechterung.

Jeder fünfte junge Europäer befürwortet EU-Austritt

In keinem Land findet sich unter den jungen Europäern eine Mehrheit, die für den Austritt des jeweiligen Landes aus der Europäischen Union ist, aber jeder Fünfte befürwortet einen Austritt seines Landes (21 Prozent). Besonders kritisch sind die jungen Menschen in Griechenland (31 Prozent für den Austritt), französische (19 Prozent) und polnische Jugendliche (22 Prozent) bewegen sich im Mittelfeld. In Deutschland und Spanien wird die Mitgliedschaft in der EU dagegen am stärksten befürwortet: Nur zwölf Prozent der Jugendlichen beider Länder würden bei einem Referendum gegen den Verbleib in der EU stimmen.

Real sind EU-Skeptiker aber wirtschaftlich nicht schlechter gestellt als EU-Befürworter, wie deren Angaben zum verfügbaren Einkommen zeigen. Globalisierung, Digitalisierung und offene Grenzen in der EU nehmen sie eher als Bedrohung wahr. 53 Prozent der Befürworter empfinden die Globalisierung als Chance, bei den Skeptikern sind es 28, bei den offenen Grenzen sind es 63 zu 34 Prozent.

Marcus Spittler vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) hat sich die Ergebnisse der Jugendstudie der TUI Stiftung vor dem Hintergrund des wissenschaftlichen Forschungsstandes zum Thema angeschaut. Er sieht bei den Ergebnissen Parallelen zur Gesamtbevölkerung: "Die Studie der TUI Stiftung weist deutlich auf das Dilemma der Europäischen Union hin. Auf der einen Seite sprechen sich junge Europäer mit großer Mehrheit für den Verbleib ihres Landes in der EU aus. Gleichzeitig stimmen sie überwiegend für einen Transfer von Kompetenzen zurück auf die nationale Ebene, fordern jedoch selbst mehr direkte Mitsprachemöglichkeiten auf der europäischen Ebene."

Für eine generelle Jugendschelte taugten diese Zahlen jedoch nicht, warnt Spittler: "Die jungen Erwachsenen unterstützen prinzipiell die europäische Idee, sind aber zunehmend misstrauisch, wenn es um konkrete Maßnahmen und kurzfristige Projekte geht. Man kann sie als kritische Europäer bezeichnen. Kritisch sind sie, weil sie spezifische Politiken und institutionelle Arrangements hinterfragen. Ihre Zufriedenheit mit der EU ist begrenzt, sie basiert auf keinem gemeinsamen Wertegerüst. Dementsprechend fragil bleibt ihre Zustimmung für das europäische Projekt."



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(yw) 05.05.2017




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