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Jeder dritte Bürger zeigt sich offen für Haustürwahlkampf

Ein Großteil der Wähler lehnt Haustürwahlkampf ab. Doch immerhin ein Drittel der Deutschen zeigt sich bereit, mit Politikern ins Gespräch zu kommen. Wähler der SPD sind dabei offener als die anderer Parteien. Zudem haben Wahlkämpfer höhere Erfolgsaussichten bei Menschen über 45 Jahren als bei Jüngeren. Das ergab eine Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov, Köln.

Laut der Studie hatten neun Prozent der Deutschen in den vergangenen Jahren bereits Kontakt zu Haustürwahlkämpfern. In Nordrhein-Westfalen waren es in der Zeit vor der Landtagswahl vier Prozent. Betrachtet man das gesamte Bundesgebiet, so führte die Hälfte der Anfragen an der Haustür auch tatsächlich zu einem Gespräch.

Viele Menschen lehnen politische Gespräche vor der Haustür ab, weil sie sich lieber selbst in Ruhe informieren wollen. Ein Drittel der Befragten gibt an, immer dieselbe Partei zu wählen. Von allen möglichen Vorbehalten wurde Desinteresse am Wahlkampf am seltensten genannt.

Die größten Erfolgschancen auf ein Haustürgespräch haben Politiker nachmittags und abends unter der Woche. Am Wochenende sind hingegen weniger Bürger für eine Unterhaltung zu gewinnen. Um den Wähler von sich zu überzeugen, sollten Gespräche den Angaben der Bürger zufolge nicht länger als 15 Minuten dauern. 78 Prozent der Bürger ist es wichtig, dass sie in dieser Zeit Antworten auf ihre Fragen bekommen. In diesen Gesprächen wollen sie vor allem über Politik, die Partei und das Programm zu sprechen. Eigene Sorgen und Wünsche sind den Wählern etwas weniger wichtig. Darüber hinaus wünschen sie sich, dass Haustürwahlkämpfer ihre Motivation offenlegen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gespräch zustande kommt, ist am höchsten, wenn der Politiker bzw. der Kandidat einer Partei persönlich vorbeikommt. Zwei Drittel dieser Gruppe würde sich vielleicht auch mit einem Parteimitglied unterhalten. Unter den Bürgern, die offen für Haustürwahlkampf sind, könnte sich ein Fünftel vorstellen, mit den Vertretern aller Parteien zu sprechen. Am höchsten ist die Gesprächsbereitschaft jedoch bei Parteien, die man eventuell wählen würde. Das Geschlecht hatte keinen Einfluss auf das Zustandekommen von Gesprächen, das Alter ist für die Hälfte der Wähler egal, wie die Studie herausfand.

Befragte, die bereits Kontakt mit Haustürwahlkämpfern hatten, sind vom positiven Effekt stärker überzeugt als Bürger, bei denen noch kein Wahlkämpfer klingelte. 40 Prozent der Erfahrenen bekamen durch das Gespräch ein positiveres Bild von der Partei. Knapp ein Viertel dieser Gruppe ist der Meinung, dass sie in ihrer Wahlentscheidung beeinflusst wurden. Im Gegensatz dazu glaubt nur ein Fünftel der unerfahrenen Bürger, dass ein solches Haustürgespräch Auswirkungen auf ihr Parteienbild oder ihre Wahlentscheidung hat.

Zusammenfassend stellt Holger Geißler, Sprecher von YouGov, fest "Auch wenn durch die Präsenz in Massenmedien und auf Plakatwänden größere Reichweiten zu erzielen sind, so zeigen die Studienergebnisse durchaus ein positives Potenzial des Haustürwahlkampfs auf. Am besten kommt es an, wenn der Direktkandidat selbst Hausbesuche macht". Allerdings bezweifeln die Studienautoren, ob Häuserwahlkampf einen großen Anteil an Wahlerfolgen hat. Schließlich sei es nicht möglich, Hausbesuche in großer Anzahl durchzuführen. Für die Studie wurden 1.023 Wahlberechtigte in einer Online-Umfrage befragt. Erhebungszeitraum war vom 10. bis zum 15. Mai 2017.

Die Studie kann gegen Angabe der Kontaktdaten kostenfrei heruntergeladen werden.

 

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