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Prof. Dr. Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes; Foto: Uli Deck

Besuchszahl in deutschen Museen sinkt, Ausstellungshäuser verzeichnen Anstieg

Die Museen in Deutschland meldeten für das Jahr 2016 insgesamt 111.877.085 Besuche. Im Vergleich zu 2015 ist damit die Besuchszahl um 2.546.107 (-2,2 %) niedriger als im Vorjahr (2015: 114.423.192 Besuche). Insgesamt meldeten die deutschen Museen 8.546 Sonderausstellungen.

Je nach Bundesland und nach Museumsart entwickelte sich die Anzahl an Besuchen unterschiedlich: Die am häufigsten genannten Gründe für den Anstieg der Besuchszahl waren große Sonderausstellungen und die Erweiterung von Öffentlichkeitsarbeit bzw. Museumspädagogik. Das Absinken ihrer Besuchszahl begründeten betroffene Museen mit dem Ausbleiben von Gruppenbesuchen, einem besonders erfolgreichen und nicht zu wiederholenden Ausstellungsprogramm im Vorjahr oder mit gesunkenen Touristenzahlen am Standort.

In den vergangenen Jahren hatte es zudem prominente Neu- und Wiedereröffnungen sowie Jubiläen mit einem entsprechenden Begleitprogramm gegeben. Bei vielen dieser Häuser ist die Besuchszahl in 2016 zurückgegangen bzw. hat sich auf einem Normal-Niveau eingependelt. Gerade bei den Kunstmuseen (-7,4 %) und den Kulturgeschichtlichen Spezialmuseen (-4,3 %) gab es 2016 höhere Einbußen. Ganz im Gegenteil zu den Naturkundemuseen: Hier stiegen die Besuchszahlen im Vergleich zum Vorjahr - und zwar um Plus 4,1 Prozent.

Die Auswertungen der Besuchszahlen der Museen werden in der statistischen Gesamterhebung an den Museen und Ausstellungshäusern der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht. Diese wird jährlich seit 1981 vom Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz in Kooperation mit dem Deutschen Museumsbund veröffentlicht.

Mehr Besuche in Ausstellungshäusern

Das Institut für Museumsforschung hat auch für 2016 zudem wieder Ausstellungshäuser angeschrieben, die zwar keine eigenen Sammlungen besitzen, aber überwiegend nicht-kommerzielle Ausstellungen musealen Charakters zeigen. Von 470 Ausstellungshäusern sandten 357 den Fragebogen zurück (76 %), davon haben 313 insgesamt 6.252.751 Besuche für das Jahr 2016 gemeldet. Das bedeutet einen deutlichen Anstieg, denn 2015 waren es 5.742.933 Besuche. Diese Zahl ist in der Gesamtbesuchszahl der Museen nicht enthalten. Über 88 Prozent aller Sonderausstellungen in den Ausstellungshäusern waren Kunstausstellungen.

Prof. Dr. Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes, sagt zu den Ergebnissent: "Museen, die besucherorientierte Ausstellungen, vielfältige Veranstaltungen und attraktive Programme anbieten, sind beim Publikum beliebt. Sie genießen das Vertrauen der Bevölkerung, weil sie anspruchsvolle, aber für alle zugängliche Kulturerlebnisse ermöglichen. Der deutliche Rückgang der Sonderausstellungen und die damit einher gehenden, leicht sinkenden Besucherzahlen sind allerdings ein Warnsignal. In der aktuellen Phase eines beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwungs müssen auch die Museen substantiell profitieren und von ihren Trägern nachhaltig unterstützt werden. Der Deutsche Museumsbund wird diese Entwicklung im Blick behalten."

Prof. Dr. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, ergänzt: "Museen konkurrieren mit vielen anderen Freizeitangeboten um die Gunst der Besucher. Umso wichtiger ist es, mit einem attraktiven Programm am Puls der Zeit zu sein."

Stand der Digitalisierung an deutschen Museen im Jahr 2016

Das Institut für Museumsforschung fragt in Abständen von mehreren Jahren bei den Museen nach, wie sie ihren Sammlungsbestand dokumentieren und inventarisieren und in welchem Maße die Informationen zu den Objekten bereits in digitalen Formaten vorliegen.

Von 6.712 angeschriebenen Museen für das Jahr 2016 haben 5.088 Einrichtungen geantwortet. 74,5 Prozent von ihnen haben den Fragenkomplex zur Inventarisierung und Dokumentation der Sammlung beantwortet. 2.762 Museen machten Angaben zum Umfang ihres Sammlungsbestands und zu ihrem Umgang mit der Dokumentation bzw. Digitalisierung.

Demnach inventarisieren 40 Prozent der Museen mit elektronischen Datenbanken. Es wurde insgesamt ein Sammlungsbestand von fast 333 Millionen Objekten angegeben. 1.128 Museen haben bereits Daten zu 61,5 Millionen Objekten digital vorliegen. Fast ein Viertel der Museen mit Angaben hatte 2016 bereits um 90 Prozent ihres Bestandes digital erfasst; jedes fünfte Museum hatte höchstens zu 20 Prozent der Sammlung digitale Daten vorliegen.

Provenienzforschung

Als Teil der jährlichen Erhebung stellt das Institut für Museumsforschung wechselnde Zusatzfragen. 2016 wurde zum Beispiel nach den Aktivitäten zur Provenienzforschung im Jahr 2016 gefragt. Jedes zehnte Museum gab an, die Herkunft und die Geschichte seiner Objekte in 2016 aktiv erforscht zu haben. Thematischer Schwerpunkt war bei den meisten Museen die Recherche zu NS-verfolgungsbedingtem Sammlungsgut (60 % von 285 Museen mit Angaben). 2016 haben 17,5 Prozent der Museen mit Angaben Nachforschungen zu Objekten, die zu Zeiten der SBZ/DDR entzogen wurden, angestellt.

Weitere Informationen und Daten zur deutschen Museumslandschaft im Jahr 2016 sind in der Publikation "Statistische Gesamterhebung an den Museen der Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 2016" zu finden. Diese enthält neben den Darstellungen zu den Museumsbesuchen nach Museumsart auch Informationen zu den einzelnen Bundesländern. Die Publikation erscheint in der Reihe "Materialien aus dem Institut für Museumsforschung", Heft 71 (2016) und steht hier zum Download bereit. Eine gedruckte Ausgabe kann kostenlos angefordert werden - beim Institut für Museumsforschung, In der Halde 1, 14195 Berlin, Tel. 030/8301-460, Fax: 030/8301-504.

 

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