
In ländlichen Regionen wurden im Zeitraum von 2006 bis 2016 mindestens 15.547 Vereine gelöscht. Zum Vergleich: 2017 gab es in ländlichen Regionen hochgerechnet rund 125.000 Vereine; Foto: ZiviZ-Survey 2017
Digitalisierung als Chance gegen Vereinssterben
Innerhalb von zehn Jahren (2006 bis 2016) haben sich in ländlichen Regionen rund 15.500 Vereine aufgelöst – umgerechnet jede neunte Organisation. Das Vereinsleben im ländlichen Raum aufrecht zu erhalten, wird durch den demografischen Wandel und Abwanderung schwieriger. Aktuell verzeichnet knapp jeder vierte Verein in ländlichen Regionen erhebliche Rückgänge bei den Mitgliederzahlenzahlen (-22 %), weil Engagierte fehlen oder die Clubs ihre Ehrenamtlichen nicht langfristig binden können. In den Städten fällt diese Zahl mit rund 14 Prozent geringer aus. Insbesondere in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt sind die Verbände in Gefahr. Gut schneidet hingegen Baden-Württemberg ab.
Diese Ergebnisse gehen aus einer Sonderauswertung des "ZiviZ-Survey 2017" hervor, bei der zivilgesellschaftliche Organisationen in Deutschland befragt wurden. Auftraggeber der Studie ist die Förderinitiative "digital.engagiert" von Amazon und dem Stifterverband, Essen. Die Studie trägt den Titel "Vereinssterben in ländlichen Regionen – Digitalisierung als Chance". Denn die Autoren konstatieren, dass die Nutzung digitaler Technologien dem Vereinssterben auf dem Land entgegenwirken könne: Cloud-Lösungen und Video-Konferenzen beispielsweise ersparen lange Wege zur Vereinsarbeit. Optimierte Arbeitsprozesse durch moderne Kommunikationswege können es erleichtern, neue Engagierte zu gewinnen.
"Digitaler Fortschritt erleichtert es Ehrenamtlichen, sich zu engagieren und Mitstreiter zu gewinnen. Es ist wichtig, dass Vereine die Chancen digitaler Technologien für gute Zwecke nutzen können – gerade auch um junge Menschen besser zu erreichen", sagt Dorothee Bär, Staatsministerin im Bundeskanzleramt und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung. Als Schirmherrin begleitet sie fortan die Förderinitiative "digital.engagiert".
Auf welche Weise sich digitale Ansätze im Ehrenamt nutzen lassen, zeigt die Studie anhand von Fallbeispielen auf: So reagierte die Tafel Ginsheim-Gustavsburg e.V. in Hessen auf sinkende Mitgliederzahlen beispielsweise mit einer Online-Plattform, die Sachspenden vermittelt. Und der LandesSportBund Niedersachsen e.V. hat eine "Digitale Geschäftsstelle" ins Leben gerufen und nutzt Cloud-Lösungen für Aufgaben des Vorstandes. Mit den unterschiedlichen Ansätzen konnten beide Vereine den Verwaltungsaufwand deutlich reduzieren.
Die komplette Studie zum Download finden Sie hier.
Annika Frömel 05.09.2018









