Fachkräfte-Gewinnung: Unternehmen sorgen sich um die Attraktivität des Standorts Deutschland

Der Fachkräftemangel ist nach wie vor ein großes Thema in Deutschland. Fachkräfte zu gewinnen und zu halten ist eine der zentralen Aufgaben der Standortmarketing-Verantwortlichen. Wie attraktiv ist aber der Standort Deutschland aktuell? In der Wirtschaft gibt es derzeit offenbar Bedenken, dass die Attraktivität des Standorts Deutschland für ausländische Fachkräfte sinkt. Jedes zweite Unternehmen (50 Prozent) rechnet damit, dass es durch Ausschreitungen wie in Chemnitz Probleme geben wird, qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland zu gewinnen. Das geht aus einer Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, Berlin, vor. Befragt wurden 855 Personalverantwortlichen in Unternehmen ab drei Mitarbeitern in Deutschland.
Demnach sieht der Großteil der Befragten die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte ausdrücklich positiv: Sechs von zehn (60 Prozent) halten Zuwanderung für dringend nötig, um Wohlstand und Wirtschaftswachstum in Deutschland zu erhalten. Zudem sehen die meisten Unternehmen darin ein probates Mittel gegen den weitverbreiteten Fachkräftemangel. Fast alle Umfrage-Teilnehmen (90 Prozent) möchten, dass die Zuwanderung von gefragten nicht-akademischen Berufen wie Pflegern oder Handwerkern gezielt gefördert werden sollte. 84 Prozent sehen diesen Bedarf auch bei akademischen Berufen wie IT-Spezialisten oder Ärzten. Mehr als die Hälfte der befragten Personalverantwortlichen (54 Prozent) ist der Meinung: Deutschland muss bei der Gewinnung qualifizierter Fachkräfte aus Drittstaaten außerhalb der EU deutlich erfolgreicher werden.
"Wir brauchen die klügsten Köpfe aus aller Welt, um die Digitalisierung in Deutschland erfolgreich zu gestalten, den Fachkräftemangel zu überwinden und langfristig Wohlstand und Wachstum zu sichern", sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Speziell im IT-Bereich ist der Fachkräftemangel in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Dadurch gehen den Unternehmen in Deutschland laut Bitkom jährlich etwa zehn Milliarden Euro Umsatz verloren. Berg erklärt: "Positiv ist, dass die Bundesregierung den Bedarf erkannt hat und ein Fachkräftezuwanderungsgesetz auf den Weg bringen will. Anders als in den vergangenen Legislaturperioden darf es diesmal nicht bei einer bloßen Absichtserklärung bleiben. Im Interesse des Wirtschaftsstandorts Deutschland können wir es uns nicht leisten, noch mehr Zeit zu verlieren."
Bei der Ausgestaltung des Gesetzes befürwortet die große Mehrheit der Befragten (92 Prozent), dass ausländische Fachkräfte zwingend Deutschkenntnisse nachweisen müssen, um hierzulande arbeiten zu dürfen. Sieben von zehn (72 Prozent) sind dafür, ausländischen Bewerbern den Zugang zur Berufsausbildung zu erleichtern, um der wachsenden Zahl offener Ausbildungsplätze zu begegnen. Jeweils rund jedes zweite Unternehmen fordert eine vereinfachte und beschleunigte Anerkennung ausländischer Abschlüsse (49 Prozent) beziehungsweise eine erleichterte Zuwanderung von Fachkräften aus Drittstaaten außerhalb der EU (47 Prozent).
Methodik: Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 855 Personalverantwortliche in Unternehmen ab 3 Mitarbeitern telefonisch befragt. Die Fragestellung lautete "Inwieweit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu bzw. nicht zu?" (Angaben für "stimme voll und ganz zu" und "stimme eher zu").
(yw) 09.11.2018









