
Die Übernachtungen in Städten haben die letzten 10 Jahre überproportional zugenommen; Foto: Roland Berger
Durch Boom des Städtetourismus droht Overtourism
Die Zahl der Städtereisen ist rasant gestiegen: Während die Zahl der touristischen Übernachtungen bei Länderreisen in den vergangenen zehn Jahren um 26 Prozent zunahm, wuchs sie in Städten mehr als doppelt so schnell. Für die besuchten Städte ist das einerseits eine gute Einnahmequelle. Andererseits kann eine zu hohe Gästezahl zum sogenannten Overtourism führen: Lärm, verstopfte Straßen, überfüllte Restaurants, genervte Einwohner, Verlust lokaler Identität und Kultur sind die Folgen. Ein bekanntes Beispiel für eine untragbar hohe Zahl an Besuchern ist Venedig.
Die Hintergründe für das Phänomen des Overtourism und mögliche Strategien für einen erfolgreichen Städtetourismus hat die Unternehmensberatung Roland Berger mit Sitz in München und die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV), Wien, in ihrer Studie "European city tourism study 2018: Protecting your city from overtourism" analysiert. Zentrales Ergebnis: Viele Städte konzentrierten sich in der Vergangenheit nur darauf, immer mehr Touristen anzuziehen. Vladimir Preveden, Partner von Roland Berger, sagt: "Dabei haben sie vergessen, eine eigene Tourismusstrategie aufzusetzen, um die Interessen von Gästen und Einheimischen, Stadtentwicklung und Tourismusplanung gleichermaßen zu berücksichtigen."
Gesunder Tourismus in Berlin und München
Die vier untersuchten deutschen Großstädte zeigen ein sehr unterschiedliches Bild: Berlin und München gehören mit einem gesunden Tourismus und einem erfolgreichen Zusammenspiel von Stadtplanung und touristischer Entwicklung zu den sogenannten "Shining Stars". Hamburg schafft es hingegen in die Kategorie "Sustainable Quality". Die Hansestadt bietet zwar ein hochwertiges Angebot an Kultur, Hotels, Restaurants und gut ausgebauter Infrastruktur, die Zahl der Touristen hält sich laut Studie aber in Grenzen.
In Frankfurt am Main steigt die Zahl der Übernachtungen seit Jahren überproportional im Vergleich zur Einwohnerzahl, während gleichzeitig die Wertschöpfung eher auf einem geringen Niveau verharrt. Dies sei unter anderem durch den starken Fokus auf das Business Segment zu erklären, so die Studienautoren.
Um einen unkontrollierten Tourismusfluss zu vermeiden, sollten Städte frühzeitig eine ganzheitliche Tourismusstrategie erarbeiten. "Diese Strategie sollte in erster Linie der langfristigen Stadtentwicklungsplanung angepasst sein", sagt Preveden. "Nur dann können diese beiden sich gegenseitig befruchten." Im Fokus sollten etwa die Verbesserung der Infrastruktur und Lebensqualität stehen, aber auch Umweltbelange und Smart-City-Angebote. Um die Innenstädte zu entlasten, sollten weniger frequentierte Stadtviertel wiederbelebt und mit neuen, attraktiven Angeboten aufgewertet werden.
Annika Frömel 14.12.2018









