Öffentliche Verwaltung digitalisiert sich zunehmend
In vielen Städten und Gemeinden müssen die Bürger*innen nach wie vor bei der zuständigen öffentlichen Verwaltung vorstellig werden, um zum Beispiel einen neuen Personalausweis oder ähnliches zu beantragen. Die Corona-Krise hat jedoch dafür gesorgt, dass sich die öffentliche Verwaltung zunehmend digitaler aufstellt. Das empfinden einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom zufolge zumindest viele Menschen in Deutschland (66 Prozent).
Fast die Hälfte der Verwaltungen (47 Prozent) haben seit Ausbruch der Pandemie neue digitale Angebote eingeführt, die bereits von jedem fünften Menschen (22 Prozent) genutzt wurden. Allerdings gaben auch ein Viertel der Befragten an, noch nicht auf diese Services zugegriffen zu haben. Darüber hinaus ergab die Umfrage, dass jeder Zehnte sich neue digitale Angeote gewünscht hätte, von seinem Wohnort hingegen enttäuscht wurde.
"Viele Städte und Gemeinden haben im Zuge der Corona-Krise von null auf digital geschaltet und im Rekordtempo Schriftformerfordernisse gestrichen, digitale Anträge bereitgestellt und die Bürger von der Pflicht befreit, vor Ort zu erscheinen. Das kommt in der Bevölkerung gut an", sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. "Politik, Wirtschaft und Kommunen müssen jetzt über die nächsten Schritte sprechen und die Digitalisierung verstetigen."
Die Studie verdeutlicht zudem, wie groß der Handlungsbedarf an digitalen Verwaltungen ist. Denn die Bundesbürger*innen benötigen im Durchschnitt 148 Minuten, um ihre Angelegenheiten in ihrem Amt zu regeln. Knapp eine Stunde entfällt auf An- und Abreise, 64 Minuten auf das Warten in der Behörde und 25 Minuten auf. Den eigentlichen Zweck des Besuchs. Für die meisten Menschen ist das ein Prozess, der viel zu lange braucht, weshalb 76 Prozent der Ansicht sind, dass digitale Behördengänge eine große Zeitersparnis bedeuten. Außerdem findet etwas mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent), dass die meisten Verwaltungsangelegenheiten problemlos online erledigt werden könnten.
Bürger*innen wollen Digitalisierung der Städte mitgestalten
Neben dem Potenzial des digitalen Behördengangs hat sich die Studie aber auch mit der Entwicklung und Ausgestaltung der Digitalisierung von Städten und Gemeinden beschäftigt. So gab die große Mehrheit (91 Prozent) an, dass sie es gut finden würden, wenn Bürger*innen mehr in diese Prozesse einbezogen werden würden. Dazu gehören unter anderem die Möglichkeiten, via Mängelmelder auf Probleme im öffentlichen Raum hinzuweisen (76 Prozent) und konkrete Online-Vorschläge zur Verbesserung der Lebensqualität am Wohnort (72 Prozent) zu machen. 45 Prozent möchten sich online an Planungs- und Entscheidungsprozessen in Politik und Verwaltung beteiligen. Knapp zwei von fünf (39 Prozent) würden über das Internet ihre Stimme bei Wahlen abgeben. Ähnlich viele (36 Prozent) wollen die Möglichkeit nutzen, in Bürgerhaushalten auf lokaler Ebene Vorschläge zur Verwendung von Steuereinnahmen zu machen. 30 Prozent würden an Online-Petitionen teilnehmen.
Rohleder erläutert: "Eine Demokratie muss gerade in Krisenzeiten handlungsfähig bleiben. Das trifft sich mit dem Wunsch der Bürger, sich mehr zu beteiligen – und der leichteste Weg ist via Internet. Bund und Länder müssen die rechtlichen Grundlagen für volldigitalisierte Bürgerbeteiligung schaffen."











