Ruf nach digitalen Angeboten in der Innenstadt wird lauter
Immer wieder müssen sich Städte und der lokale Handel die Frage stellen, was sie tun können, um auch in Zukunft wieder mehr Menschen in die Geschäfte und die Stadtzentren zu locken. Und diese Frage wird dringlicher, denn der E-Commerce wird immer stärker und verzeichnet immer höhere Umsätze. Der Digitalverband Bitkom, Berlin, hat sich mit der Problematik auseinandergesetzt und unter 1.055 Internetnutzer*innen eine Studie zu digitalen Angeboten in den Innenstädten durchgeführt.
Demnach würden 71 Prozent der Befragten gerne WLAN beim Shoppen nutzen. Das gilt für alle Altersgruppen – sowohl für die 16- bis 29-Jährigen (75 %) also auch die 50- bis 64-Jährigen (68 %). Auch Apps würden die Studienteilnehmer*innen gerne für einen Angebotsvergleich verwenden. Fast zwei Drittel (64 %) fänden eine Anwendung für das Smartphone gut, die anzeigt, welches Geschäft gerade den besten Preis anbietet. Die Echtzeit-Information nach der Verfügbarkeit von Produkten bevorzugen ebenfalls 64 Prozent.
"Die Innenstädte müssen neu gedacht werden – diese Erkenntnis gilt nicht erst seit dem Lockdown. Digitale Technologien können bei der Neu- und Wiederbelebung des niedergelassenen Einzelhandels helfen", sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. "Kostenloses WLAN für die Kunden sollte zum Standard gehören. Das gleiche gilt für einen eigenen Webshop, gerade auch für kleine und mittlere Geschäfte. Mit Click & Collect können sie Kunden aus dem Web in den Laden ziehen, wenn online bestellte Waren persönlich abgeholt werden. Die entsprechenden Technologien sind inzwischen ausgereift und für wenig Geld am Markt verfügbar. Ein Quick Win gerade für kleinere Läden."
Dass der stationäre Einzelhandel nach wie vor relevant für die Verbraucher*innen sind, hat die Studie ebenfalls ergeben. Demnach vermissen zwei Drittel der Internetnutzer*innen in der Corona-Pandemie ein Online-Angebot ihrer Lieblingsgeschäfte vor Ort. Darüber hinaus äußerten 79 Prozent der Befragten die Sorge, dass Einzelhändler*innen in ihrer Region das Jahr wirtschaftlich nicht verkraften werden. Hier sieht Rohleder allerdings ein Problem: "Die Menschen in Deutschland wollen ihre Lieblingsläden gern unterstützen. Das gelingt oft nicht, da viele stationäre Händler weiterhin kein Online-Angebot für ihre Kunden vorhalten."
Der Bitkom sagt allerdings, dass es bei Neuausrichtung der Innenstädte nicht darum gehen sollte, Online-Handel und stationären Einzelhandel gegeneinander auszuspielen. Vielmehr müssen diese beiden Bereiche zukünftig miteinander verschmelzen. Der Hauptgeschäftsführer Rohleder sagt: "Wer jetzt fordert, etwa Weihnachtsgeschenke auf keinen Fall online zu kaufen, schadet auch kleinen Unternehmen."
Der Digitalverband hat nun ein Positionspapier aufgelegt, indem die Einführung von Digitalgutscheinen, gefordert wird, die Gewerbetreibende in Innenstädten für die Einführung digitaler Services nutzen können. Aus Sicht des Bitkom seien Unterstützungen von bis zu 10.000 Euro pro Unternehmen, abhängig von seiner Größe, sinnvoll.










