Social Media: Nur wenige Bürger*innen folgen einzelnen Politiker*innen
Die große Mehrheit der Bürger*innen nutzt die Möglichkeit nicht, sich auf Social-Media-Accounts von Politiker*innen zu informieren. Das zeigt eine repräsentative Befragung von 1.007 Personen ab 18 Jahren in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom in Berlin. Demnach gibt zwar fast ein Drittel (31 Prozent) an, sich über soziale Netzwerke oder Messenger über politische Themen zu informieren. Aber nur 15 Prozent von ihnen folgen einzelnen Politiker*innen in den sozialen Medien oder sind per Messenger direkt mit ihnen verbunden. Zehn Prozent der Befragten folgen einer einzigen Politikerin oder einem einzigen Politiker, nur fünf Prozent folgen mehreren.
"Die Politik hat die Bedeutung digitaler Technologien für Wirtschaft und Gesellschaft zunehmend erkannt. In ihrem eigenen Alltag nutzen Politikerinnen und Politiker die Möglichkeiten sozialer Medien aber immer noch viel zu selten", sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. "Gerade jüngere Menschen lassen sich über soziale Netzwerke oder Messenger besser erreichen als über die klassische Wahlkreissprechstunde. Dabei erwarten sie eine offene, ehrliche und direkte Kommunikation, nicht nur die Weitergabe von durch Agenturen vorbereiteten Sprechblasen."
Ein gut gepflegter und authentischer Accounts lohnt sich auch für Politiker*innen: acht von zehn (83 Prozent) der Befragten, die sich mit einzelnen Politiker*innen vernetzt haben, sagen, dass sie so deren Beweggründe besser verstehen könnten. Zwei Drittel (67 Prozent) wollen auf diesem Weg gezielt Kritik üben. Jeweils rund die Hälfe fühlt sich so besser informiert (54 Prozent) oder hat das Gefühl, "näher dran" zu sein (48 Prozent). 44 Prozent möchten sich austauschen. Ein Viertel (25 Prozent) findet es einfach unterhaltsam – und 16 Prozent hoffen, auf diesem Weg Einblicke ins Privatleben der Politiker*innen zu bekommen.
Diejenigen, die sich zwar über Social Media über Politik informieren, aber keinen Politiker-Accounts folgen, geben als Grund am häufigsten an, dass die Inhalte nicht authentisch seien und von PR-Profis betreut würden (76 Prozent). Zwei Drittel meinen, Politiker*innen würden "sowieso nur lügen" (65 Prozent), die Hälfte interessiert sich einfach nicht dafür (55 Prozent). Allerdings geben ähnlich viele (54 Prozent) auch an, dass sie politische Debatten auf sozialen Netzwerken zunehmend als anstrengend empfinden. 29 Prozent der Befragten erklären, dass die Einzelmeinungen der Politiker*innen nicht so wichtig seien verglichen mit der Parteimeinung. Allerdings ist der Anteil derjenigen, die sich über die sozialen Medien oder Messenger mit offiziellen Parteiaccounts vernetzen, sehr gering: Lediglich zehn Prozent der Personen, die sich über Social Media oder Messenger über Politik informieren, tun dies über Partei-Accounts.
Yvonne Wodzak 21.09.2021










