Studie: Unverständlicher Wahlkampf in Niedersachsen
"Es war der unverständlichste Landtagswahlkampf, den wir je untersucht haben", fasst Prof. Dr. Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim zusammen. "Nur die Programme zur Europawahl 2009 waren noch unverständlicher. Da muss man sich nicht wundern, wenn Politik als bürgerfern, unverständlich und intransparent gilt. Damit die Wähler eine begründete Entscheidung treffen können, sollten Parteien ihre Positionen zur Landespolitik klar und verständlich darstellen. Aber gemessen am Hohenheimer Verständlichkeitsindex, der von 0 (formal sehr unverständlich) bis 20 (formal sehr verständlich) reicht, gelingt dies keiner Partei. Kein einziges Wahlprogramm erreicht einen Wert von über zehn Punkten." Teilweise seien die Wahlprogramme in Niedersachsen ähnlich kompliziert formuliert wie politikwissenschaftliche Doktorarbeiten, die sich an ein Experten-Publikum wenden.
Die Wahlprogramme lagen in ihrer formalen Verständlichkeit sehr dicht beieinander: Die Bandbreite reicht von 6,5 (Grüne) bis 7,7 (Linke). Das verständlichste und das unverständlichste Wahlprogramm trennen lediglich 1,2 Skalenpunkte. Aber: Die Kurzfassungen der Programme und die Flyer seien allesamt deutlich verständlicher als die Langfassungen. SPD und Grüne erreichen dort sogar den Höchstwert: 20 Punkte.
Weit vor liegen die Grünen. Laut Studie ist ihr Wahlprogramm mit 172 Seiten das längste und mit nur 6,5 Punkten auch gleichzeitig das unverständlichste. Es beinhaltet Fachbegriffe wie "Teilleistungsstörungen" und "Pilot-Konditionierungsanlage" tragen nicht eben zur Verständlichkeit bei. Hinzu kommen wenig gebräuchliche Anglizismen wie "Screenwork", "Post Oil City", "Transition Town" und "Gender Pay Gap". Das kürzeste und einfachste Wahlprogramm hingegen sei bei der niedersächsische Linkspartei zu finden. Es ist lediglich 72 Seiten lang und erreicht 7,7 Punkte auf der Hohenheimer Verständlichkeitsskala. "Gleichzeitig ist das Wahlprogramm auch das dogmatischste von allen", sagt Claudia Thoms, die an der Studie mitgearbeitet hat.
Weitere Infos finden Interessierte auf der Website der Universität Hohenheim: www.uni-hohenheim.de.
Yvonne Wodzak 18.01.2013










