
Die Studie untersucht den Status quo und Potenziale von Jugendreisen – Foto: Deckblatt "Trendstudie Jugend reist 2022"
Jugendliche erwarten künftig umweltbewussteres Reisen
Die Projektpartner Next Practice GmbH, Bremen, und Center for Innovation & Sustainability in Tourism e. V. (C.I.S.T), Berlin, haben gemeinsam mit dem Praxispartner Reisenetz – Deutscher Fachverband für Jugendreisen e. V., Berlin, die "Trendstudie Jugend reist 2022" veröffentlicht. Diese wurde durch das Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes durchgeführt und im Rahmen der Fördermaßnahme "LIFT Wissen" durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, Berlin, unterstützt.
Die Analyse, bei der 101 Menschen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren befragt wurden, setzte sich mit den Reisebedürfnissen und -vorstellungen sowie dem Reiseverhalten von Jugendlichen auseinander. Zudem betrachtete die Studie die Zukunftswünsche der Befragten und zeigte Entwicklungstrends sowie Handlungsempfehlungen auf. Einen Schwerpunkt bildeten die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Jugendreisen.
- Wie sieht der Kulturraum in Bezug auf Reisen bei Jugendlichen aus?
- Was macht die Pandemie mit den emotionalen Präferenzen von Jugendlichen in Bezug auf Reisen?
- Welche Wunschvorstellungen und Wertemuster existieren heute bei Jugendlichen und leiten unbewusst deren Reiseverhalten?
- Welche Entwicklungstrends und Potentialfelder lassen sich ableiten?
Interkontinentalreisen besonders beliebt
Der Studie zufolge umfasst der Kulturraum einer idealen Reise die Werte Freiraum und Erlebnis als zentrale Komponenten – gefolgt von Gemeinschaft, Erholung, Vertrautheit, Besonnenheit und Freiheit. Negative Assoziationen waren Fremdbestimmung, Vereinsamung, Unsicherheit, Beschränkung, Hektik, Langeweile, Achtlosigkeit. Die Analyse betrachtete dabei die Traumreise abgegrenzt von der Idealreise. Laut der Untersuchung wurde die Traumreise unterschiedlich bewertet, da die Teilnehmenden intuitiv Konsequenzen wie Klimaschäden mit einberechnen. Dennoch wies sich auch die Traumreise durch ein hohes Maß an Freiraum und Erlebnis aus. Im Vergleich zu der Idealreise ist der Wert Achtlosigkeit bei der Traumreise mit 47 Prozent höher (Idealreise: 6 %).
Bei den Traumreisezielen dominierten Destinationen außerhalb von Europa, unter anderem Australien, Japan und die USA. Zu den beliebtesten europäischen Zielen gehörten Italien, Griechenland und Island. Doch nicht nur das Ziel spielte eine bedeutende Rolle, sondern auch die Reiseaktivität wie Work & Travel, Backpacking oder Kanutouren. Insbesondere Erlebnis- und Strandreisen sowie Kurztrips standen ganz oben auf der Liste der Jugendlichen. Weniger beliebt waren Studienreisen und Klassen- beziehungsweise Kursfahrten. Die Befragten bevorzugten es, entweder mit Freunden oder alleine zu reisen. Die Unterkunftsarten Camping und Hotel wurden am ehesten mit positiven Aspekten wie Freiheit in Verbindung verbracht. Bei den Mobilitätsformen schnitten das Fahrrad am besten und der Bus am schlechtesten ab. Auch Bahnreisen sahen die Befragten kritisch, wobei das Interrail-Ticket wiederum positiv eingeschätzt wurde. Das Autofahren galt als entspannteste Reiseart.
Insgesamt beschrieben die Jugendlichen ihre Reiserfahrungen mit den Worten "freundschaftlich", "umweltbewusst" und "aufregend". Die Trendstudie unterteilte die Ergebnisse dabei in drei Präferenzgruppen. Die Kollektiven suchten vermehrt ein Gruppengefühl und Inspiration. Für die Autonomen stand der Freiraum und ein selbstbestimmtes Leben im Vordergrund. In der Gruppe "Abwechslung" ist Spaß haben und Neues kennenlernen besonders wichtig.
Auswirkungen der Pandemie
Durch die Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen sind einige Werte, darunter Gemeinschaft, Erlebnis und Freiraum eingebrochen. Die Mehrheit der Befragten ging davon aus, dass Reisen nach der Pandemie mit mehr Regeln und weniger Freiraum verbunden sein wird. Zu positiven Veränderungen kam es bei dem Umweltbewusstsein der Befragten. Diese erwarteten künftig ein bewussteres und bedachteres Reisen.
Die Jugendlichen gingen davon aus, dass die Werte Besonnenheit, Erholung, Vertrautheit, Erlebnis, Freiheit und Freiraum, die während der Pandemie einen Rückgang verzeichneten, nach der Pandemie wieder ansteigen. Allerdings werden sie das Vor-Corona-Niveau in ferner Zukunft erstmal nicht erreichen. Die Assoziationen Fremdbestimmung, Beschränkung, Langeweile und Hektik, die einen Aufwärtstrend während der Pandemie aufwiesen, werden nach der Pandemie wieder zurückgehen.
Neben Umwelt und Klima bildeten auch soziale Medien, Gaming und Reise-Apps zunehmend wichtige Potenzialfelder bei Jugendreisen. Soziale Medien und Gaming wurden insbesondere mit einem Gemeinschaftsgefühl assoziiert, aber dafür weniger mit Bildung. In diesem Bereich konnten vor allem Reise-Apps punkten, die dafür weniger gemeinschaftlich sind.
Empfehlungen für die Zukunft
Die "Trendstudie Jugend reist 2022" verdeutlichte, dass für Jugendliche vor allem die Reiseerlebnisse im Vordergrund standen. Dabei sollte das Reiseangebot an die jeweilige Alters- und Präferenzgruppe angepasst werden. Digitale Medien und Interrail besitzen für die Zukunft von Jugendreisen ein großes Potenzial. Zu den zentralen Komponenten für die Befragten gehörten die Themen Umwelt, Klima und Sicherheit. Darüber hinaus standen insbesondere Kleingruppenreisen als Treiber für Innovation und boten die Chance der Persönlichkeitsentwicklung und der Konfliktbewältigung.
Zum Abschluss formulierte die Studie Handlungsempfehlungen an Politik und Gesellschaft. Dazu gehörten die Anpassung von Angeboten, um gesellschaftliche Herausforderungen zu adressieren, die Zusammenführung von Mentoren-Netzwerken und Jugendreisen sowie die Unterstützung von "Jugendreisen für Alle", unter anderem mit Reisegutscheinen für Schulklassen. Zudem sollten Begegnungs- und Bildungsräume wie naturnahe Lernorte gefördert werden. Im Rahmen der Europapolitik empfohlen die Studien-Verantwortlichen, das Interrail-Ticket und das Reisen mit Nachtzügen zu fördern.
Sophie-Marie Jahn 12.05.2022










