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"Mit unserem Ziel, Kultur und Tourismus enger zusammenzubringen, haben wir bei vielen Akteur*innen in der Stadt einen Nerv getroffen", sagt Hamburgs Kultursenator Dr. Carsten Brosda - Foto: ©Hernandez für Behörde für Kultur und Medien

Dr. Carsten Brosda: Vielfältige Kulturlandschaft Hamburgs muss bekannter werden

Die Hamburg Tourismus GmbH hat gemeinsam mit der Kulturbehörde und der Wirtschaftsbehörde die neue Kulturtourismusstrategie für Hamburg vorgestellt. Ziel dieses Fahrplans ist es, die Hansestadt und ihr Kulturangebot von Musicals über Theater und Museen bis hin zur Elbphilharmonie ganzheitlich zu vermarkten. Zudem soll eine dauerhaft tragfähige Partnerschaft zwischen Kultur und Tourismus aufgebaut und so Hamburgs nationale und internationale Bekanntheit gesteigert werden.

 

PUBLIC MARKETING hat mit Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, über das Arbeitspapier und die Zukunft Hamburgs als kulturtouristische Destination gesprochen.

PUBLIC MARKETING: Ende April 2022 fand die Kick-off-Veranstaltung zur Umsetzung der neuen Kulturtourismusstrategie statt. Wie haben die Partner*innen aus Kultur und Tourismus auf das Konzept reagiert?

Carsten Brosda: Mit unserem Ziel, Kultur und Tourismus enger zusammenzubringen, haben wir bei vielen Akteur*innen in der Stadt einen Nerv getroffen. Das Interesse an der Kulturtourismusstrategie ist dementsprechend groß: Zur Kick-off-Veranstaltung kamen rund 180 Partner*innen aus Kultur und Tourismus, um sich über die Kulturtourismusstrategie zu informieren und zusammen in Workshops zu arbeiten. Ein zentrales Ergebnis der Workshops war der Wunsch nach Austauschformaten, um Kultur und Tourismus dauerhaft miteinander ins Gespräch zu bringen und besser zu verzahnen. Das ist auch uns ein wichtiges Anliegen, das wir gern umsetzen.

Das zeigt aber auch, dass die Kulturtourismusstrategie zur rechten Zeit kommt. Entstanden ist sie unter der Leitung der Hamburg Tourismus GmbH, gemeinsam mit der Behörde für Kultur und Medien sowie der Wirtschaftsbehörde und in enger Abstimmung mit einem Sounding Board, das aus Vertreter*innen aus Kultur und Tourismus bestand. Für die Strategie haben wir zunächst eine Bestandsaufnahme gemacht und analysiert, wo der Kulturtourismus in Hamburg jetzt steht und - das ist uns besonders wichtig - welche Potenziale es gibt. Sie enthält auch bereits zahlreiche Vorschläge, wie wir diese Potenziale heben können. Der entscheidende Schritt kommt jetzt, denn nun geht es darum, die Theorie gemeinsam mit Leben zu füllen und die Strategie gemeinsam umzusetzen. Dazu braucht es neben der Hamburg Tourismus und der Behörde für Kultur und Medien als städtischen Akteuren ganz besonders die Kooperation der Hamburger Kultur- und Tourismuspartner*innen.


Im Januar 2022 meldete die Hansestadt Hamburg folgende Besucherzahlen für die Elbphilharmonie: Rund 14,5 Millionen Menschen besuchten die Plaza und 3,3 Millionen nahmen an Konzerten teil - Foto: Thies Rätzke

 

PUBLIC MARKETING: Wer an die kulturellen Angebote in Hamburg denkt, dem fallen vor allem die Elbphilharmonie und die zahlreichen Musicals ein. Die Museen der Hansestadt hingegen sind vergleichsweise wenig bekannt. Warum haben Sie sich erst jetzt für ein kulturtouristisches Themenmarketing entschieden, welches sämtliche Einrichtungen und Angebote in Szene setzen soll?

Brosda: Wir als Kulturbehörde waren immer schon überzeugt, dass Hamburg ein großartiges und vielfältiges Kulturangebot hat. Auch die Besucher*innenzahlen zeigen, dass schon immer viele dieses Angebot wahrnehmen. Aber es stimmt, dass Hamburg bei der kulturtouristischen Positionierung lange die Musicals in den Vordergrund gestellt hat. Doch mit der Eröffnung der Elbphilharmonie vor rund fünf Jahren hat die Stadt eine wichtige Facette hinzugewonnen, die die Wahrnehmung Hamburgs als Kulturstadt verstärkt hat. Und nicht nur national und international wird Hamburg seitdem noch stärker als Kulturstadt wahrgenommen, auch die Hamburger*innen selbst teilen diese Wahrnehmung. Um diesen Effekt zu nutzen, haben wir vor mehr als zwei Jahren mit der Arbeit an der Kulturtourismusstrategie begonnen. Da durch die Pandemie dann ganz schnell andere dringende Themen in den Fokus rückten, konnte sie erst jetzt vorgestellt werden. Weil Kultur und Tourismus Bereiche sind, die besonders stark unter den Folgen der Pandemie leiden, sind starke Impulse für den Neustart aber auch gerade jetzt besonders wichtig. Dass wir die Zusammenarbeit jetzt intensivieren, kann beiden Bereichen in der Zeit nach Corona helfen.


Die Kunsthalle Hamburg umfasst eine Sammlung von mehr als 700 Werken mit den Schwerpunkten auf norddeutsche mittelalterliche Malerei, die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts sowie die deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts - Foto: Ralf Suerbaum

 

PUBLIC MARKETING: Wie wollen Sie diesen "Makel" konkret beseitigen und Hamburg als Destination mit einem bunten Blumenstrauß an kulturellen Angeboten positionieren?

Brosda: Hamburgs vielfältige Kulturlandschaft erfüllt alle Voraussetzungen, um noch mehr kulturinteressierte Reisende anzuziehen. Aber nicht alle Kulturangebote sind gleich bekannt. Daran wollen wir gemeinsam arbeiten.

Der Strategie liegt eine umfangreiche Marktforschung zugrunde. Diese hat ganz deutlich gezeigt, wo Hamburg in der kulturtouristischen Vermarktung Potenziale hat. Wir wollen die bekannten Kulturangebote wie die Elbphilharmonie, das UNESCO-Welterbe Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus genauso wie die Musicals und die maritime Kultur der Stadt zukünftig stärker nutzen, um Reisende für die weniger bekannten Kulturangebote zu begeistern.

Und wir wissen aus Studien auch, dass Tourist*innen, die zu Hause selten Kultureinrichtungen besuchen, auf Reisen gern Kultur erleben und zum Beispiel mal in ein Museum oder eine Galerie gehen. Auch diese Gäste wollen wir in Zukunft gezielter ansprechen und über das Kulturangebot informieren.

In der Kulturtourismusstrategie gibt es zahlreiche Vorschläge, wie wir das erreichen können, von digitalen Angeboten und einer stärkeren Zielgruppenorientierung über eine verbesserte Kommunikation der Kultur- und Tourismusakteur*innen untereinander bis hin zu einem Empfehlungsmarketing. Gemeinsam mit der Kultur und dem Tourismus gilt es jetzt, die Maßnahmen zu priorisieren und dann umzusetzen.


Dr. Carsten Brosda ist seit Februar 2017 Senator der Kulturbehörde und seit November 2020 Präsident des Deutschen Bühnenvereins - Foto: Bertold Fabricius

 

PUBLIC MARKETING: Die Stadt Berlin setzt auf eine ganzheitliche Ticketing-Lösung, um die Kultur- und Tourismusbranche zu unterstützten. Welchen Plan verfolgt Hamburg diesbezüglich? Wird es eine ähnliche Lösung auch für die Hansestadt geben?

Brosda: Eine digitale Kulturplattform zu schaffen war ein wichtiges Ergebnis aus den Workshops zur Kulturtourismusstrategie. Das trifft sich gut, denn eine Art digitaler Kulturguide ist in der Tat einer der zentralen Vorschläge in der Kulturtourismusstrategie. Dabei ist Ticketing ein wichtiger Aspekt. Wir brauchen eine zentrale Website oder Anwendung, auf der ich alle Informationen zu den für mich relevanten Kulturangeboten in meinem Reisezeitraum finde und mit einem Klick Tickets buchen kann. Idealerweise begleitet mich diese digitale Anwendung während der gesamten Customer Journey und macht mir personalisierte Angebote.

Das ist ein sehr komplexes Vorhaben, die Umsetzung prüfen wir gerade. Ich bin zuversichtlich, dass wir das mit Hamburg Tourismus auch realisieren werden.

 

PUBLIC MARKETING: Wo sehen Sie Hamburg in fünf oder zehn Jahren?

In fünf oder zehn Jahren wird Hamburg weiterhin die vielfältige Kulturstadt sein, die sie heute ist. Sie wird noch stärker als eine der Top-Kulturreisedestinationen Europas wahrgenommen, von den Hamburger*innen genauso wie von Gästen aus Deutschland und international.

Hamburgs Kultur wird sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln, zum Beispiel mit der Innovationsoffensive der Museen, dem Bau des Deutschen Hafenmuseums mit dem Museumsschiff "Peking“" oder dem geplanten Welterbezentrum. Perspektivisch werden wir Tourist*innen auch neue Reiseanlässe bieten.

Idealerweise heißen wir zukünftig kulturinteressierte Reisende aus der ganzen Welt willkommen, die vielleicht wegen der Elbphilharmonie oder des UNESCO-Welterbes kommen, aber zum Beispiel auch das Oberhafenquartier oder eine spannende Performance auf Kampnagel entdecken. Vielleicht kommen sie mit einer bestimmten Vorstellung nach Hamburg, erleben dann aber Kultur, die sie nicht erwartet haben und verlassen Hamburg mit dem Gefühl, unbedingt wiederkommen zu müssen, weil man so vieles noch nicht gesehen hat.

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Anja Lüth 24.05.2022

 

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