Die Analyse "OpinionTRAIN 2022" ermittelte die Kaufbereitschaft für die Neun-Euro-Monatskarte gegliedert nach Alter, Wohnort, Geschlecht und Pkw-Verfügbarkeit – Foto: Studie "OpinionTRAIN 2022" / Rogator AG / exeo Strategic Consulting AG
50 Prozent der Befragten wollen Neun-Euro-Ticket nutzen
Die Studienreihe "OpinionTRAIN" beschäftigte sich im Rahmen der aktuellen Erhebung "OpinionTRAIN 2022" mit den Nachfragepotenzialen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vor der Einführung des Neun-Euro-Tickets im Juni 2022. Schwerpunkt der Untersuchung war die Frage, ob günstige ÖPNV-Monatskarten als Hebel für die Verkehrswende dienen können. Die Herausgeber der Analyse sind der Software-Anbieter Rogator AG, Nürnberg, und das Bonner Beratungsunternehmen exeo Strategic Consulting AG. Für die aktuelle Studie sind Johannes Hercher, Vorstand der Rogator AG, und Prof. Dr. Andreas Krämer, CEO der exeo Strategic Consulting AG, verantwortlich.
"OpinionTRAIN 2022" zufolge verzeichnete der ÖPNV 2021 rund 7,9 Milliarden Fahrgäste – ein Rückgang um nahezu 32 Prozent im Vergleich zu 2019 (zwölf Mrd. Gäste). Die sinkenden Nutzerzahlen verschärfen die Finanzierungskrise des öffentlichen Nahverkehrs. Bereits vor der Pandemie deckten die Fahrgeldeinnahmen nur knapp 75 Prozent der anfallenden Kosten. Durch die Lockerung der Corona-Beschränkungen erholte sich die ÖPNV-Nachfrage leicht. Dennoch erreichen die Werte nicht das Vorkrisenniveau.
22 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in 2022 eine geringere ÖPNV-Nutzung beobachten im Vergleich zu der Zeit vor dem Pandemieausbruch im März 2020. Nur 14 Prozent nahmen eine intensivere Nutzung wahr. Zu dieser Einschätzung kamen ebenfalls Stammkunden des öffentlichen Nahverkehrs, die im Besitz einer Zeitkarte sind oder den ÖPNV mehrmals pro Woche nutzen. Insgesamt verfügten 17 Prozent der Studienteilnehmenden über eine Zeitkarte eines Verkehrsbundes, darunter Jobtickets vom Arbeitgeber und Zeitkarten mit oder ohne Abonnement wie Monatskarten.
Allerdings war knapp die Hälfte der Befragten bereit, eine ÖPNV-Monatskarte zu kaufen. Die Bereitschaft ist besonders hoch in Städten ab 500.000 Einwohner*innen (75 %) und bei Menschen, die keinen PKW besitzen (75 %). Auch die Preise am jeweiligen Wohnort spielten bei der Entscheidung für eine Zeitkarte eine wichtige Rolle. Der Durchschnittspreis einer Monatskarte liegt laut einer Erhebung des Allgemeinen Deutschen Automobil-Club e.V. (ADAC), München, im Jahr 2021 bei mehr als 80 Euro pro Monat. Am günstigsten ist das Ticket in München (57 Euro), am teuersten in Hamburg (113 Euro). Die mittlere Zahlungsbereitschaft der "OpinionTRAIN"-Befragten für eine Monatskarte lag bei rund 20 Euro. Die Bereitschaft stieg, je intensiver der ÖPNV genutzt wurde.
Das Neun-Euro-Ticket bietet daher die Chance, neue Kundengruppen für den öffentlichen Nahverkehr zu er schließen. Zusätzlich ermöglicht die Fahrkarte Reisen über den eigenen Wohnort hinaus. Knapp die Hälfte der Befragten zeichnet sich als potenzielle Nutzer*innen des Neun-Euro-Tickets aus (46 %). Davon waren 30 Prozent Selten- oder Non-User. Nur ein Drittel der potenziellen Verbraucher*innen besitzen eine ÖPNV-Zeitkarte.
Johannes Hercher, Co-Autor der Studie, resümiert: "Der hohe Kundennutzen der Neun-Euro-Monatskarte liegt nicht nur in dem extrem niedrigen Preisniveau, sondern auch in einem Komfortgewinn für die Verbraucher. Gerade Personen, für die nicht nur die Höhe der Ticketpreise, sondern auch die Komplexität der Tarifsystematik eine Nutzungsbarriere darstellen, erhalten mit dem neuen Angebot einen einfachen Zugang zum System ÖPNV."
Die Studienreihe bewertet Trends und den Wertewandel in der Bevölkerung. Die aktuelle Online-Umfrage, die im März und April 2022 durchgeführt wurde, umfasst 1.357 Personen zwischen 18 und 80 Jahren in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Schweden. Vorherige Untersuchungen setzten sich unter anderem mit den Corona-Lockdowns auseinander. Die Rogator AG und die exeo Strategic Consulting AG veröffentlichen neben "OpinionTRAIN" auch die Studienreihen "Pricing Lab" und "MobilitätsTRENDS".
Sophie-Marie Jahn 20.05.2022









