
Die Aufenthaltsqualität und die Gestaltung deutscher Stadtzentren beeinflussen, ob eine Innenstadt weiterempfohlen wird – Grafik: IFH Köln
Städte und Gemeinden
Studie "Vitale Innenstädte" mit gemischten Ergebnissen
Zum fünften Mal hat das Institut für Handelsforschung in Köln (IFH Köln) die Studie "Vitale Innenstädte" veröffentlicht. Die aktuelle Analyse widmete sich dem Status quo der deutschen Stadtzentren und untersuchte die Motive für einen Innenstadtbesuch sowie die Einflussfaktoren auf die Weiterempfehlungsbereitschaft der Ortskerne. Zudem erhielten die teilnehmenden Städte und Gemeinden individuelle Informationen zur Bewertung ihres Zentrums, um standortspezifische Maßnahmen zu planen und zu initiieren.
Insgesamt konnten deutsche Innenstädte ihre Attraktivität im Jahr 2022 steigern. Die Befragten bewerten die Stadtzentren im Durchschnitt mit der Schulnote 2,5 (2016: 2,7; 2018: 2,6). Innerhalb der verschiedenen Größenkategorien schneiden insbesondere die Städte Leipzig, Erfurt, Göttingen, Goslar und Warburg am besten ab. Zudem ist die Besucherfrequenz in den Stadtzentren nach der Corona-Pandemie wieder angestiegen. Das Vor-Corona-Niveau von 2019 ist allerdings noch nicht erreicht. Innenstädte werden weiterhin vorrangig zum Einkaufen aufgesucht. Doch zunehmend gewinnen auch andere Besuchsmotive an Bedeutung, unter anderem das gastronomische Angebot.
Die Studienverantwortlichen wollten von den teilnehmenden Passant:innen zudem Verbesserungswünsche erfahren. An erster Stelle steht dabei der Gedanke, dass Innenstädte ein Begegnungsort sein und zum Verweilen einladen sollen (45 %). Weitere Potenziale sehen die Befragten in verbesserten Shopping-, Kunst- und Kultur-, sowie Gastronomie-Angeboten.
Geringe Weiterempfehlungsrate
Am schlechtesten schneiden die Stadtzentren beim Indikator Weiterempfehlung ab. Knapp die Hälfte würde den Innenstadtbesuch nicht weiterempfehlen (53 %). Lediglich 24 Prozent der beteiligten Städte und Gemeinde verzeichnet eine hohe Weiterempfehlungsrate ihrer Innenstadt. Dabei empfehlen ältere Personen den Besuch des Stadtzentrums eher als jüngere. Zu den wichtigsten Einflussfaktoren auf die Weiterempfehlung gehören die Aufenthaltsqualität, das Ambiente, das Flair, die Stadtgestaltung sowie die touristische Attraktivität – gefolgt vom Erlebniswert und dem Einzelhandelsangebot.
Dr. Markus Preißner, wissenschaftlicher Leiter am IFH KÖLN, erklärt: "Die Einflussfaktoren auf die Weiterempfehlung müssen konsequent in den Blick genommen und Maßnahmen aktiv abgeleitet werden. Um unsere Cities lebendig und zukunftsfit zu machen, gilt es, Besuchsanlässe für jegliche Altersklassen und Besuchergruppen – sowohl für die lokale Bevölkerung als auch für auswärtige Besucher:innen – zu schaffen. Erfreulicherweise unterscheiden sich die Erwartungshaltungen der verschiedenen Zielgruppen nicht grundlegend, müssen aber dennoch mit anderen Schwerpunkten ausgestaltet werden."
Die Analyse "Vitale Innenstädte" erscheint alle zwei Jahre. Im Rahmen der aktuellen Untersuchung wurden von Mitte September bis Mitte November 2022 rund 69.000 Passant:innen in 111 deutschen Stadtzentren befragt. Zu den Studienpartnern gehören die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), der Handelsverband Deutschland (HDE), die Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e.V. (bcsd) und der Deutscher Städte- und Gemeindebund (DStGB). Diese haben die Umfrage auf Seiten der Städte und Gemeinde beworben.
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