
Der Digital-Index ist von 63 Punkten in den Jahren 2021/2022 auf 57 Punkten gesunken – Fotos: Initiative D21
Studie
Digitalisierungsgrad der Deutschen geht leicht zurück
Die Initiative D21 mit Sitz in Berlin hat den D21-Digital-Index für die Jahre 2022 und 2023 veröffentlicht. Der Digital-Index liegt in der aktuellen Ausgabe bei 57 von 100 Punkten und ist damit um sechs Punkte im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Dabei gehört die Mehrheit der deutschen Bevölkerung zur digitalen Mitte und kann mit dem digitalen Wandel gut mithalten (55 %). Weitere 30 Prozent zählen zu den digitalen Profis und können souverän mit der Digitalwelt umgehen. Lediglich 15 Prozent nehmen wenig am digitalen Leben teil – die sogenannten digitalen Vermeider:innen. Darunter zählen insbesondere Frauen, ältere Generationen und Menschen mit niedriger formaler Bildung. Diese Gesellschaftsgruppen verzeichnen ein großes Risiko, mit dem digitalen Wandel nicht mithalten zu können und den gesellschaftlichen sowie ökonomischen Anschluss zu verlieren.
Bei näherer Betrachtung der Fähigkeit, sich an den digitalen Wandel anzupassen, wird deutlich, dass 64 Prozent der Deutschen über wichtige Resilienzfaktoren verfügt. Dazu gehört unter anderem die kritische Einschätzung der eigenen Digitalkompetenz und eine positive Grundeinstellung gegenüber dem digitalen Wandel. Ein Viertel der Befragten ist zudem der Meinung, dass in Zukunft noch viel komplexere Fähigkeiten notwendig werden, um am digitalen Leben teilhaben zu können. Trotz dessen betont fast die Hälfte, die Notwendigkeit von analogen Alternativen (44 %), und 20 Prozent sagen, dass zu viel digitalisiert wird.
Spezifische Einschätzungen fallen schwer
Neben der digitalen Teilhabe der Menschen und der Resilienz im digitalen Wandel hat der Digital-Index auch die digitale Wertschöpfung im Beruf untersucht. Der Großteil der Berufstätigen stimmt der Aussage zu, dass bis 20235 aufgrund der Digitalisierung verschwinden können. Aber nur 19 Prozent glauben, dass es sie selbst treffen kann. 61 Prozent sind der Überzeugung, von der Digitalisierung zu profitieren und 58 Prozent bescheinigen ihren Arbeitgeber:innen, genug Maßnahmen für den digitalen Wandel zu ergreifen. Dennoch haben lediglich 16 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten Schulungen und Weiterbildungsangebote absolviert, die von den Arbeitgeber:innen bezahlt wurden. Eine große Herausforderung sehen die Teilnehmenden im Bildungssystem. Die Mehrheit ist der Ansicht, dass Schüler:innen nicht genug digitale Fähigkeiten vermittelt bekommen, um im internationalen Vergleich mithalten zu können (69 %).
Auch beim Thema Nachhaltigkeit sind sich die Befragten unschlüssig und können die Wechselwirkungen zwischen dem digitalen sowie dem grünen Wandel nur schwer einschätzen. Obwohl der Hälfte bei der Nutzung von digitalen Anwendungen Informationen zu den damit verbundenen Umweltauswirkungen fehlt (49 %), sind sich 35 Prozent nicht sich, ob sie bei zwei vergleichbaren Digitalprodukten die nachhaltigere Variante wählen würde, wenn diese teurer wäre. Des Weiteren fällt es den Studienteilnehmer:innen schwer, wirkungsvollen Maßnahmen für einen grünen Wandel zu identifizieren. Zu den genannten Instrumenten gehören zum Beispiel Anreize und Förderprogramme (33 Prozent), Investitionen in Forschung (33 Prozent), Selbstverpflichtungen der Industrie (31 Prozent), Regulierungen (30 Prozent) und internationalen Abkommen (24 %).
Keine Gefahr für Demokratie
Ein weiterer Schwerpunkt der Befragung war der Einfluss der Digitalisierung auf die Demokratie. 56 Prozent bewerten diesen als positiv, nur 20 Prozent sehen die Demokratie durch die Digitalisierung gefährdet. Im Vorjahr waren es noch acht Prozent mehr gewesen. Als größtes Risiko benennen die Befragten die Desinformation im Netz (64 %). Die Mehrheit wurde bereits mit falschen Informationen in der digitalen Welt konfrontiert (61 %) und traut sich zu, unseriöse Nachrichten zu erkennen (60 %). Weitere 50 Prozent sagt, die Richtigkeit von Informationen und deren Quellen beurteilen zu können.
Der D21-Digital-Index steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. Die aktuelle Studie untersucht die digitale Teilhabe der Menschen und ihre Resilienz im digitalen Wandel, die digitale Wertschöpfung, die Wechselwirkungen mit dem grünen Wandel sowie unterschiedliche Auffassungen zum Einfluss der Digitalisierung auf die Demokratie. Dazu wurden Menschen ab 14 Jahren in Deutschland mithilfe von Interviews befragt. Die Durchführung verantwortete das Marktforschungsinstitut Kantar Deutschland mit Sitz in München, das zur international agierenden Kantar Group, London (UK), gehört.
Sophie-Marie Jahn 21.02.2023










