
(v.l.) Stephan Vincent Nölke hat Comevis 2002 gegründet und leitet die Werbeagentur als Geschäftsführer. Björn Wegener ist als Musikwissenschaftler in der Funktion des Consultants und Projektmanagers bei Comevis tätig – Fotos: comevis.com
Branding
Markensound II: Akustischer Grundstein wichtig
Jingles, Audiologos oder Werbestimmen – Sound Branding wird im Marketing-Mix immer wichtiger. Während der privatwirtschaftliche Sektor bereits seit Jahren mit akustischen Markenbildern arbeitet, waren öffentliche Akteurinnen und Akteure lange Zeit zurückhaltend. Mittlerweile hat der Trend aber auch den Public Sector erreicht. Zum Beispiel nutzen das Allgäu, die Messe Leipzig und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) das Audio Branding, um ihre Marken akustisch erlebbar zu machen.
Im Gespräch mit PUBLIC MARKETING haben die Sound-Agenturen Wesound, Comevis, Why Do Birds und Sound Strategy über den Entwicklungsprozess eines Markenklangs berichtet und welche Potenziale dieser für Unternehmen, Institutionen oder Destinationen bietet. Im ersten Teil hat Wesound-CEO Dr. Cornelius Ringe die Individualität eines Sounds als wichtigen Erfolgsfaktor betont. Stephan Vincent Nölke, Gründer und Geschäftsführer von Comevis, und Comevis-Consultant und -Projektmanager Björn Wegener nehmen die einzelnen Schritte bei der Entwicklung eines Markenklangs in den Blick. Die Werbeagentur Comevis war unter anderem bereits für das Bundesfamilienministerium und das Bundesgesundheitsministerium, beide mit Sitz in Berlin, sowie für die Wuppertaler Stadtwerke und die Messe Frankfurt tätig.

PUBLIC MARKETING: Welche Vorteile bietet ein Markensound?
Björn Wegener: Sound gilt in der Wissenschaft als Erinnerungsmedium Nummer 1. Ein Markensound sorgt für Wiedererkennbarkeit und Differenzierung innerhalb der visuellen, aber gerade auch in der non-visuellen Kommunikation wie der Customer Experience. Er trägt im Sinne einer Brand Experience zu einer emotionalen Bindung und zur Imagebildung von Marken und Services bei. Unter Markensound verstehen wir die wirkungsstarke Kombinatorik von Audio und Voice, welche das akustische Pendant zur visuellen Corporate Identity darstellt und die Kommunikation einzigartig und erinnerbar macht. Aber auch abstrakte Kommunikationsziele wie beispielsweise Nachhaltigkeit und Markenwerte können in Klang übersetzt werden.
PUBLIC MARKETING: Was umfasst der ideale Markensound? Wie sollte dieser klingen?
Wegener: Jeder Touchpoint/Use Case hat seine individuelle Anforderung an Klang! Für eine strategisch erfolgreiche akustische Markenprofilierung reicht jedoch heute nicht mehr nur ein Jingle, eine Stimme oder ein Markensong aus. Das exponentielle Wachstum der digitalen Schnittstellen erfordert heute eine Zielgruppen- und Touchpoint-gerechte Kommunikation, wodurch die Faktoren Vielfältigkeit und Flexibilität stets im Zentrum des akustischen Erlebnisses stehen. Die Brand Experience kann beispielsweise eine andere auditive Kommunikation erfordern als die Customer Experience. Mit Blick auf die zukünftigen Entwicklungen arbeiten wir bereits mit A.I.-basierten Analyse- und Management-Tools, für eine konforme Marken- und Service-Kommunikation.

Vor allem das Audiologo überzeugt im öffentlichen Sektor – Grafik: PUBLIC MARKETING
PUBLIC MARKETING: Was sollten Akteurinnen und Akteure bei der Entwicklung eines Markensounds beachten?
Stephan Vincent Nölke: Kein Markensound ohne Sonic Code (DNA). Vor der Entwicklung eines markenkonformen Sounds, braucht es einen akustischen Grundstein, um die Marke erfolgreich, nachhaltig und anwendbar umzusetzen. Mit dem Sonic Code wird ein akustisches Regelwerk geschaffen, auf welches bei jeglichen akustischen Markenanwendungen zurückgegriffen werden kann. Unsere Erfahrung hat zudem gezeigt, dass nur mit einer einheitlichen und langfristigen Aussteuerung das volle akustische Potenzial der akustischen Markenführung ausgeschöpft werden kann. Guidelines und Trainings sollten daher ebenso beachtet werden wie der konsequente Touchpoint-übergreifende Einsatz. Unsere eigens entwickelte "C-Cloud Application Suite" unterstützt Kommunen und öffentliche Einrichtungen mit praktischen Analyse-, Content-Management-Tools und Do-It-Yourself-Lösungen.
PUBLIC MARKETING: Inwiefern trägt ein Sound zur Markenbildung einer Destination, Stadt oder öffentlichen Institution bei?
Nölke: Praktisch jede Kommunikation ist hörbar, gerade in unserer digitalen Welt! Wie andere Unternehmen auch, nutzen städtische, universitäre und kulturelle Einrichtungen digitale Kontaktpunkte, um mit ihren unterschiedlichen Zielgruppen zu kommunizieren. Der Bereich der "klassischen" Telefonie profitiert von einem individuellem Acoustic Service Design ebenso, wie eine professionell inszenierte Kampagne (von Social Media über Radio bis TV) oder innovative Lösungsansätze wie eigens entwickelte Apps oder Voice Bots. Die gute Nachricht, ein einmalig definierter Sonic Code kann in alle bestehenden und zukünftigen Anforderungsprofile integriert werden und sich den primären Kommunikationskanälen situativ anpassen.
Weitere Beiträge in dieser Reihe:
Markensound I: Individualität als Erfolgsfaktor
Sophie-Marie Jahn 29.03.2023









