
Es sind verschiedene Bausteine notwendig, um Städte und Kommunen für die Zukunft optimal aufzustellen – Foto: Hurca-AdobeStock
Podcast
Stadtentwicklung als gemeinschaftliche Aufgabe
Wie können Städte resilient und nachhaltig werden, wie kommen wieder mehr Menschen in die Innenstadt und wie sieht die Stadt von Morgen aus? Diesen und weiteren Fragen widmet sich der Podcast „stadt:radar“ der Nationalen Stadtentwicklungspolitik – eine Gemeinschaftsinitiative von Bund, Ländern und Kommunen. Den inhaltlichen Rahmen des Audio-Angebots bildet die Neue Leipzig-Charta, die Ende November 2020 von den in Europa für Stadtentwicklung zuständigen Minister:innen verabschiedet wurde. So beschäftigen sich die Sprecher:innen im Podcast mit der Umsetzung der Charta in die Praxis der Stadtentwicklung und welche Grundprinzipien zu einer guten Stadtpolitik gehören.
Der Podcast wird moderiert von der freien Journalistin Marietta Schwarz. In den einzelnen Episoden spricht sie mit verschiedenen Menschen, die die Entwicklung deutscher Städte vorantreiben, erforschen, beobachten und hinterfragen. Dazu gehören unter anderem Praktiker:innen und Fachleuten Experten aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft, Medien und Zivilgesellschaft. Die Pilotfolge von „stadt:radar“ erschien am Ende November 2020. Die erste offizielle Episode folgte dann Ende Januar 2021. Aller zwei Monate erscheint eine neue Folge. Bislang sind 21 Episoden erschienen mit einer durchschnittlichen Länge von 30 Minuten – zuletzt Ende Mai 2023.
Klimaschutz, Digitalisierung und Co.
Die ersten beiden Podcast-Folgen beschäftigen sich mit strategischen Fragen. Zunächst hat Moderatorin Schwarz gemeinsam mit dem Mikrosoziologen Prof. Dr. Heinz Bude von der Universität Kassel und dem Politikstrategie Dr. Oliver Weigel, Leiter des Referates Stadtentwicklungspolitik im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat in Berlin, über die gerechte Stadt diskutiert und was das eigentlich heißt. Die darauffolgende Episode setzte sich intensiver mit der Neuen Leipzig-Charta auseinander. Der Stadtplaner Prof. Stefan Werrer und Hilmar von Lojewski vom Deutschen Städtetag erläuterten unter anderem, was sich in der Charta verändert hat und welche Themen verstärkt in den Fokus rücken.
"stadt:radar" diskutiert über Herausforderungen für deutsche Innenstädte und gibt Lösungsmöglichkeiten an die Hand – Foto: Christl Reiter
Generell widmet sich der Podcast dem Thema der Transformation in Städten. Welche transformative Kraft insbesondere von Städten ausgeht, erläutern Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin der Internationalen Bauausstellung Thüringen GmbH in Apolda, und der Wuppertaler Oberbürgermeister Uwe Schneidewind. Zwei große Themen des Audio-Angebots sind der Klimaschutz und die Innenstadt. So setzen sich die Gäste in mehreren Episoden mit der Frage auseinander, wie Innenstädte wieder lebendig und attraktiv gestaltet werden können. In verschiedenen Episoden wird der Fokus dabei auf die Leerstände in den Stadtzentren gelegt. Im Zuge dessen sprechen Immobilienfachwirtin Katrin Hitziggrad, Geschäftsführerin der Zukunftsoptimisten UG in Jena und Koordinatorin der LeerGut-Agenten, und Raumplaner Oliver Hasemann, Mitgründer des AAA – Autonome Architektur Atelier und ZwischenZeitZentrale Bremen, über kreative Zwischennutzungs- sowie Umnutzungsmodelle.
Auch dem Thema Klimaschutz in Kommunen wird in dem Podcast eine zentrale Bedeutung zugeordnet. Laut dem Soziologen und Klimaforscher Dr. Fritz Reusswig, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, und Landschaftsarchitektin Prof. Antje Stokmann, Professorin für Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung an der HafenCity Universität Hamburg, tragen Städte maßgeblich zum Klimawandel bei. Daher sei es wichtig nachhaltige und grüne Orte zu schaffen. Dabei bringen sie insbesondere den Begriff Schwammstadt immer wieder ein. In einer weiteren Folge beschäftigen sich Erwin Schwärzer, Leiter der Abteilung Stadtentwicklung, Wohnen im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) in Berlin, sowie Prof. Dr. Detlef Kurth, Vorsitzender des BMI-Expertenbeirats "Memorandum Urbane Resilienz", mit der Frage, wie Städte resilient werden und verweisen unter anderem auf die Auswirkungen des Klimawandels und Extremwetterereignisse, aber auch auf soziale Ungleichheit, Sicherheit und Gesundheitsrisiken.
Überarbeitung der Leipzig-Charta

Die Neue Leipzig-Charta wurde 2020 beim Informellen Ministertreffen Stadtentwicklung verabschiedet – Foto: BMWSB
Die Neue Leipzig-Charta ist die Weiterentwicklung der Leipzig-Charta aus dem Jahr 2007. Sie dient als strategisches Rahmenwerk zur gemeinwohlorientierten, integrierten und nachhaltigen Stadtentwicklung und bildet die Grundlage für eine zukunftsgerichtete Transformation der Städte. Die überarbeitete Charta geht dabei verstärkt auf Herausforderungen ein, die in den vergangenen 16 Jahren an Bedeutung gewonnen haben, wie der Klimawandel, die soziale Zusammenarbeit sowie die Digitalisierung und deren Auswirkung auf europäische Städte.
Im Rahmen der Charta wird Stadtentwicklung als eine gemeinschaftliche Aufgabe betrachtet. Daher sollen Projekte und Programme am besten mit den Bürger:innen zusammen konzipiert und realisiert werden. Insgesamt definiert die Charta fünf handlungsleitende Grundprinzipien:
- Gemeinwohlorientierung
- integrierter Ansatz
- Beteiligung und Koproduktion
- Mehrebenen-Ansatz
- ortsbezogener Ansatz
Diese Grundprinzipien werden zum einen auf inhaltliche Dimensionen (gerecht, grün, produktiv) und zum anderen auf räumliche Ebenen (Quartier, Kommune, funktional zusammenhängende Räume) angewandt. Darüber hinaus definiert die Charta zwei zentrale Handlungsfelder für die städtische Transformation: die aktive und strategische Bodenpolitik sowie die Gestaltung der digitalen Teilhabe. Abschließend geht es dann um das Schaffen von geeigneten Rahmenbedingungen für eine integrierte Stadtentwicklung auf nationaler und europäischer Ebene. Diese teilen sich in zwei Segmente. Auf der einen Seite benötigen Städte laut der Neuen Leipzig-Charta geeignete rechtliche Rahmenbedingungen, Investitionsmöglichkeiten, qualifiziertes Personal, Lenkungs- und Gestaltungshoheit, eine aktive, strategische Bodenpolitik und Flächennutzungsplanung sowie eine aktive Gestaltung des digitalen Wandels. Zudem empfiehlt die Charta geeignete politische Strategie und Fördermöglichkeiten, darunter starke nationale Rahmen- und Förderbedingungen in der Stadtentwicklungspolitik sowie eine kohärente EU-Rechtssetzung und Förderinstrumente.
Sophie-Marie Jahn 14.06.2023










