
Der Deutschlandblick rückt die Themen Vielfalt, Verbundenheit sowie Finanzvertrauen und -kompetenz der deutschen Bevölkerung in den Fokus – Foto: M.Tomczak – fotolia
Umfrage
Vielfalt für Mehrheit der Deutschen eine Bereicherung
Trotz aktueller Herausforderungen wie dem Ukraine-Krieg, der Inflation und steigenden Preisen haben die Deutschen ein durchwachsen-positives Zukunftsbild. Zu diesem Ergebnis kommt die Gesellschaft für innovative Marktforschung mbH (GIM) in Heidelberg im Rahmen des diesjährigen Deutschlandblicks. Demnach fühlt sich die Mehrheit der Befragten durch die zunehmende Vielfalt eher bereichert (48 %). Lediglich 30 Prozent empfinden die steigende Vielfalt als Bedrohung. Insbesondere die jüngste Altersgruppe (53 %) und Personen mit hohem Einkommen (54 %) sehen die weitere Vielfalt als Bereicherung.
Dennoch weist der gesellschaftliche Zusammenhalt vereinzelt Bruchstellen auf – insbesondere mit Blick auf das Alter. Insgesamt fühlt sich knapp die Hälfte der Befragten mit der Gesellschaft in Deutschland verbunden (48 %). Damit liegt der Wert auf einem ähnlichen Niveau wie 2022 (47 %). Unter den 16- bis 29-Jährigen ist die Verbundenheit am geringsten ausgeprägt (36 %). Unterschiede hinsichtlich des Alters werden auch beim Blick in die Zukunft deutlich. So ist nur ein Drittel der Teilnehmenden zuversichtlich gegenüber der Zukunft eingestellt (31 %). Am optimistischsten sind die Befragten zwischen 20 und 39 Jahren sowie 40 und 49 Jahren. Deutlich positiver sehen die Deutschen allerdings die persönliche Zukunft. 63 Prozent blicken optimistisch in die eigene Zukunft. Im vergangenen Jahr waren es noch 57 Prozent. Dabei sind jüngere Personen bis 49 Jahren zuversichtlicher als Personen ab einem Alter von 50 Jahren.
Im Rahmen des Zuversichtsindex hat das GIM die Teilnehmer:innen in drei Gruppen eingeteilt. Zum einen gibt es die Kategorien der "Wenig Zuversichtlichen" (35 %). Diese haben einen wenig optimistischen Blick in die Zukunft, fühlen sich nur geringfügig mit der Gesellschaft verbunden und weisen ein geringes Vertrauen in die Politik auf. Zum anderen gibt es mit den "Zuversichtlichen" eine Gegenbewegung. Etwa 23 Prozent der Befragten gehören zu der zuversichtlichen Gruppe. Sie fühlen sich generell mit der Gesellschaft verbunden, haben Vertrauen in die Politik und blicken eher optimistisch in die Zukunft. Zwischen den beiden Kategorien liegt die "Mitte", die mit 42 Prozent die größte Gruppe darstellt.
Die Mehrheit spart lieber
Neben der Vielfalt und Verbundenheit befragt das GIM die Teilnehmenden auch zur Finanzsituation und -kompetenz. Der Großteil der Befragten fühlt sich nicht leistungsgerecht vergütet. Nur 18 Prozent denken, dass man entsprechend seiner Leistung vergütet wird – unter den Frauen ist der Wert sogar noch niedriger (13 %). Zudem sind lediglich sieben Prozent der Ansicht, dass wirtschaftliche Gewinne in Deutschland gerecht verteilt werden. Allerdings ist nur ein Drittel der Befragten überzeugt, sich mit Geld- und Finanzgelegenheiten gut auszukennen. Am höchsten ist der Anteil unter Männern und Personen im Altern von 40 bis 49 Jahren (41 %).
Dennoch ist die Hälfte der Deutschen mit der eigenen finanziellen Situation generell zufrieden. Der Zufriedenheitswert der Männer (53 %) liegt dabei leicht über dem der Frauen (45 %). Darüber hinaus werden auch regionale Unterschiede deutlich. So sind Personen aus Süddeutschland (Bayern und Baden-Württemberg) am zufriedensten mit der eigenen finanziellen Situation (56 %). Ein Viertel der Befragten gab an, mit der persönlichen Finanzsituation sehr unzufrieden zu sein.
Die Folgen der Inflation und die gestiegenen Preise beeinflussen auch die Konsumeinstellungen. Die überwiegende Mehrheit der Befragten denkt darüber nach, bevor sie Geld ausgibt, und gibt selten mehr Geld aus, als sie sich vorgenommen hat (84 %). Des Weiteren handeln die Teilnehmenden bei Geldangelegenheiten vorsichtig und vorausschauend. Jeder Zweite spart lieber und verzichtet bewusst auf Konsumgüter. 74 Prozent achten darauf, genügend Rücklagen für Notfälle zu bilden. Zudem spart der Großteil lieber, um sich etwas leisten zu können, anstatt in Raten zu bezahlen. Insbesondere für die Gruppe der "Zuversichtlichen" ist es wichtig, genügend Rücklagen zu haben (81 %). Außerdem ist das Thema Sicherheit von großer Bedeutung. So ist für 61 Prozent der Befragten die Sicherheit bei Geldanlagen wichtiger als hohe Rendite.
Das GIM erfasst mit dem Deutschlandblick die Einstellungen der Deutschen hinsichtlich der Vielfalt, der Verbundenheit und dem Finanzvertrauen. Bei der aktuellen Umfrage nahmen im Juni 2023 rund 1.027 Personen ab 16 Jahren aus ganz Deutschland teil. Das Marktforschungs- und Beratungsinstitut greift dabei auf ein Mixed-Methode-Design zurück. Die eine Hälfte besteht aus telefonischen Interviews, die andere aus Online-Interviews im offline rekrutierten Panel "GIMpulse".
Sophie-Marie Jahn 14.08.2023










