
Die Ausstellung zur NSU-Marke läuft von Juni 2023 bis Mai 2024 – Foto: Jürgen Häffner / Deutsches Zweirad- und NSU-Museum Neckarsulm
Kultur x Marke
"Inhaltliche Verantwortung beider Partner ist wichtig"
Sponsoring, Workshops, gemeinsame Ausstellungen – die Liste an Möglichkeiten bei Kooperationen zwischen Museen und Unternehmen ist lang. Das bietet die Chance für Unternehmen, unabhängig von ihrem Wirkungs- und Arbeitsbereich in der Kunst- und Kulturlandschaft aktiv zu werden. So können Banken, Paketdienste oder Schreibgerätehersteller ihre Kulturarbeit stärken. Ebenfalls ganz vorne mit dabei: Automobilkonzerne. Dabei besteht die Zusammenarbeit schon lange nicht mehr nur aus bloßem Sponsoring, auch auf inhaltlicher Ebene arbeiten Unternehmen wie die Bayerischen Motorenwerke (BMW), Volkswagen oder Audi mit Museen zusammen. Erst im Juli 2023 haben das Städel Museum in Frankfurt am Main und die BMW Group ihre Zusammenarbeit verlängert. Ein weiteres Museum, das mit einem Automobilunternehmen kooperiert, ist das Deutsche Zweirad- und NSU-Museum Neckarsulm. Dieses hat im aktuellen Jahr gemeinsam mit dem Audi-Forum in Neckarsulm eine Sonderausstellung auf die Beine gestellt, die sowohl am Audi-Standort als auch im Deutschen Zweirad- und NSU-Museums Neckarsulm zu sehen ist.
Unter dem Titel "Innovation. Wagemut. Transformation – 150 Jahre NSU" sind insgesamt 160 NSU-Exponate anlässlich des 150. Jubiläumsjahres der NSU Motorenwerke AG entstanden, die in Neckarsulm ihren Sitz hatte. Ergänzend dazu entwickelte das Museumsteam und ein Team der Audi Tradition eine Jubiläumsbroschüre mit 12 Fachbeiträgen von NSU-Expertinnen und -Experten. Zudem erscheint im Herbst 2023 ein gemeinsamer Ausstellungskatalog.
Gemeinsame Geschichte

Natalie Scheerle-Walz steht seit 2009 an der Spitze des Deutschen Zweirad- und NSU-Museum Neckarsulms - Foto: Jürgen Häffner / Deutsches Zweirad und NSU-Museum Neckarsulm
Der Anlass für die Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Zweirad- und NSU-Museum Neckarsulm und dem Audi-Forum ist naheliegend: Das heutige Audi-Werk in der Stadt steht auf dem ehemaligen Gelände der NSU-Werke. Damit gibt es eine historische Verbindung zwischen den beiden Partnern, die laut Museumsleiterin Natalie Scheerle-Walz für die Geschichte von Neckarsulm von wesentlicher Bedeutung ist. "In den vergangenen 150 Jahren wurde am Standort Neckarsulm die Entwicklung der Mobilität maßgeblich gestaltet, von Fahrrädern über Motorräder bis hin zum Automobil. Ebenso wie der Standort das Unternehmen geprägt hat, gilt das auch umgekehrt: Audi war und ist ebenso ein Motor für die Entwicklung der Stadt, wie die Stadt dies durch ihren Rückhalt für das Unternehmen erst möglich gemacht hat. Viele Menschen sind in diesen Jahrzehnten wegen des Zweirad- und Automobilbaus nach Neckarsulm gekommen, haben sich hier niedergelassen, Familien gegründet, sich in Ehrenämtern und Vereinen eingebracht und gemeinsam das Leben der Stadt gestaltet", so Scheerle-Walz.
Diese gemeinsame Geschichte und den wechselseitigen Einfluss macht die Sonderausstellung seit Mitte Juni 2023 sichtbar. Noch bis zum 5. Mai 2024 haben Interessierte die Chance, Objekte der Technik- und Mobilitätsgeschichte von Neckarsulm im Audi-Forum und im Deutschen Zweirad und NSU-Museum Neckarsulm zu betrachten.
Synergien nutzen und Wissen austauschen
Von der Zusammenarbeit mit dem Audi-Forum erhofft sich das Deutsche Zweirad- und NSU-Museum Neckarsulm vor allem mehr Aufmerksamkeit. Museumsleiterin Scheerle-Walz erklärt: "Wir versprechen uns über die Kooperation einen erhöhten Werbe- und Öffentlichkeitseffekt." Zur Einordnung: Jährlich empfängt das Deutsche Zweirad- und NSU-Museum Neckarsulm zwischen 15.000 und 20.000 Besucher:innen, die überwiegend männlich und über 50 Jahre alt sind. Aufgrund der Thematik handelt es sich bei den Gästen oft um Motorrad- und Fahrradfahrende sowie Reisegruppen und Schulklassen.

160 Exponate sind in der NSU-Sonderausstellung zu sehen – Foto: Jürgen Häffner / Deutsches Zweirad- und NSU-Museum Neckarsulm
Doch die Partnerschaft bietet noch einen weiteren Vorteil für das Museum. Da das Museumsteam relativ klein ist, konnten die Aufgaben über die gemeinsame Arbeit mit dem Audi-Forum optimal verteilt werden, berichtet Scheerle-Walz. Wichtig war den Verantwortlichen dabei, die Kommunikation miteinander. Scheerle-Walz berichtet: "Es war uns wichtig, dass die inhaltliche Verantwortung bei beiden Partnern auf Augenhöhe und in einem regen Austausch stattfindet. Dafür war es für uns essenziell, dass das Konzept und die Schlüsselaussagen des Projekts im Vorfeld klar definiert wurden, um zukünftige Missverständnisse oder Verstimmungen zu vermeiden." So fanden unter anderem regelmäßig Online-Meetings in Phasen der Ausstellungsvorbereitung statt, in denen sich die beiden Partner abstimmen konnten.
Die Sonderausstellung mit der Audi-Forum wird für das Deutsche Zweirad- und NSU-Museum Neckarsulm nicht die letzte Kooperation gewesen sein. Auch in Zukunft wird die Einrichtung mit Firmen zusammenarbeiten – sowohl im Rahmen von Sponsoring als auch inhaltlich. Scheerle-Walz zählt einige Vorteile solcher Partnerschaft auf, darunter der Wissenstransfer, die gegenseitige Inspiration. "Der Erfahrungsaustausch mit den Museumskolleg*innen und den Kommunikationsabteilungen hat uns in unserer Arbeit weitergebracht. Kontaktpflege ist im Museumsbereich sicher eines der zentralen Themen, das mit viel Herzblut und Leidenschaft in positive Energie umgewandelt werden konnte", so die Museumsleiterin. Auch die Erweiterung des eigenen Horizonts in den Arbeitsabläufen sei ein wichtiger Aspekt. Als Beispiel nennt Scheerle-Walz die Erfahrungen in den Entscheidungsprozessen eines Großkonzerns und den Abläufen in einer städtischen Einrichtung. Zudem entstehen durch die unterschiedlichen Fachkompetenzen Synergien, die die Partner nutzen können.
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