
Im Rahmen einer Podiumsdiskussion wurde eruiert, warum Frei- und Grünflächen so bedeutsam für das Wohlbefinden der Menschen und das Stadtimage sind - Foto: Peter Wieler
bcsd
Deutscher Stadtmarketingtag 2023
Die Freiräume und Grünflächen in den (Innen-)Städten und ihre Relevanz standen im Mittelpunkt des diesjährigen Deutschen Stadtmarketingtags. Die Veranstaltung der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e.V. fand vom 17. bis 19. September 2023 in Mannheim und online statt.
Den Start des dreitägigen Events markierte, wie in den Jahren zuvor, am ersten Tag ein umfangreiches Exkursionsprogramm mit einem anschließenden Get together. So reisten zahlreiche Teilnehmer:innen schon am Sonntag an, um an den Führungen "Modernes und Historisches Mannheim" oder "Stadt.Wand.Kunst" teilzunehmen. Tag zwei und drei bildeten den wesentlichen Teil des Stadtmarketingtags. Am 18. September 2023 begrüßten zunächst Prof. Dr. Diana Pretzell, erste Bürgermeisterin der Stadt Mannheim, und Bernadette Spinnen, Bundesvorsitzendes der bcsd, das Fachpublikum.
Darauf folgten Impulsvorträge von Verhaltensbiologin Dr. Elisabeth Oberzaucher zum Thema "Urban Human – Der Mensch im Zentrum", Landschaftsplaner Andreas Kipar zum Thema "Wir 'brechen' auf … in eine neue Zeit" und Landschaftsarchitektur-Professor Dr. Frank Lohrberg zum Thema "Urbanität durch Freiraum – der Beitrag von Freiräumen zur Identität von Städten". Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurde anhand von Praxisbeispielen vorgestellt, wie Räume in Städten sinnvoll genutzt werden können und welche Herausforderungen es dabei zu meistern gilt.
Wir haben die wesentlichsten Erkenntnisse für Sie zusammengefasst:
1. Gestaltete Dachflächen unterstützen bei der Innenstadtbelebung und Attraktivitätssteigerung.
Léon van Geest hat aufgezeigt, wie die niederländische Stadt Rotterdam ihre Dachflächen nutzt, um den öffentlichen Raum für Menschen nach oben zu erweitern. So wurde beispielsweise im Rahmen der "Open Roof Days" eine temporäre Brücke zwischen zwei Dächern installiert, die auf die Dächer von rund 35 Gebäuden im Stadtzentrum führte und diese der Öffentlichkeit zugänglich machte. Darüber hinaus stellte der Managing Director der Rotterdamse Dakendagen weitere Möglichkeiten vor, wie die Dachflächen belebt werden können – sei es durch Ausstellungen, Konzerte, Kunstwerke oder Urban Gardening.
2. Pop-up-Schwimmbäder in Städten gelten als Neuland, tragen aber zur Verbesserung des Stadtimages bei.
Die Stadt Krefeld feiert in diesem Jahr ihren 650. Geburtstag. Im Zuge dessen hat die Stadtverwaltung diverse Aktionen durchgeführt. Darunter befand sich der sogenannte Pop-up-City-Pool. Dahinter verbarg sich ein Schwimmbecken, welches im Laufe des Sommers an drei verschiedenen Standorten in der Stadt aufgebaut wurde und unter anderem für Schwimm- und Fitnesskurse im Wasser genutzt wurde. Stadtmarketingleiterin Claire Neidhardt erzählte den Teilnehmer:innen, dass sie sich in viele neue Thematiken einarbeiten musste, die bislang nicht auf dem Plan des Stadtmarketings standen. Doch habe sich der Einsatz gelohnt, da das Pop-up-Schwimmbad bei den Krefelder:innen gut ankam und sie sich dieses für die kommende Saison wieder wünschten.
3. Wanderwege und -steige führen auch durch Stadtgebiet, obwohl das auf den ersten Blick abwegig erscheint.
Dass Wandern und Stadtgebiet sehr wohl miteinander funktionieren können, hat Kommunikationsberater Ralph Kindel aufgezeigt. Er stellte die Urbanen Wandersteige in Essen vor, die es Interessierten ermöglichten, ihrem Hobby – dem Wandern – nachzugehen und gleichzeitig die Stadt Essen auf eine neue Art und Weise kennen zu lernen. Außerdem können so die Straßen entlastet und die Aufenthaltsqualität in der Stadt gesteigert werden.
4. Eine nachhaltige Grünflächenplanung trägt dazu bei, dass sich Städte selbst versorgen.
Andernach hat sich in den vergangenen Jahren in gewisserweise zu einer "essbaren" Stadt entwickelt. Was dahinter steckt, hat Citymanager Dustin Heip erläutert. Demnach wurden diverse Flächen innerhalb der Stadt, die bislang nur wenig genutzt wurden oder nicht attraktiv gestaltet waren, zu Beeten umgestaltet. Bepflanzt werden diese mit Gemüse-, Obst- und Beerensorten sowie Spaliergehören und Küchenkräutern. Die Besonderheit: Die Bürger:innen können sich das, was sie gerade benötigen, einfach pflücken. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten habe sich der Einsatz gelohnt, so Heip, denn die Menschen sind nach anfänglichem Zögern begeistert und nutzen die Gärten.
5. Ein Waldgarten sorgt dafür, dass die Bürger:innen einer Stadt vermehrt miteinander zusammenarbeiten.
Dr. Jennifer Schulz, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektleiterin des Verbundprojektes Urbane Waldgärten, stellte in ihrem Vortrag eine Initiative vor, die waldartige Strukturen aufbaut. Ziel ist einerseits, eine naturnahe und langfristige Form des Urban Gardenings zu erproben, und andererseits, das gemeinschaftliche Miteinander beim ökologischen Gärtnern zu fördern. Insgesamt drei Modellflächen gibt es aktuell – zwei in Kassel und eine in Berlin. Sie werden durch Bürger:innen gepflegt und fortlaufend auf ökologische, klimatische und soziale Effekte hin untersucht.









