
Der diesjährige Global Cities Report verzeichnet erstmals auch Zuwächse von Städten außerhalb des US-amerikanischen und westeuropäischen Raumes – Foto: pinkrabbit – AdobeStock
Global Cities Report
Deutsche Metropolen verlieren international an Einfluss
New York (USA), London (UK), Paris (Frankfreich) und Tokio (Japan) gehören zu den einflussreichsten Metropolen der Welt. Dagegen fallen die deutschen Städte Berlin, Frankfurt am Main, Düsseldorf und München im Ranking um mehrere Plätze nach hinten. Das zeigt der aktuelle Global Cities Report der internationalen Unternehmensberatung Kearney mit Sitz in Chicago (USA). Seit 2008 untersucht das Unternehmen jährlich den Einfluss und die Zukunftsaussichten von 156 Metropolen auf der ganzen Welt.
Im Zentrum des Global Cities Report stehen die zwei Kategorien Global Cities Index (GCI) und dem Global Cities Outlook (GCO). Erstere analysiert die gegenwärtige Leistung der Städte in den Bereichen Wirtschaftsaktivitäten, Humankapital, Informationsaustausch, Kulturangebot und politisches Engagement. Aktuell sind im GCI nur noch zwei deutsche Metropolen in den Top 30 des Reports vertreten – Berlin (Platz 16) und Frankfurt am Main (Platz 27). Im vergangenen Jahr gehörte auch noch München dazu.
Der GCO untersucht, wie schnell und gut Metropolen bei den Indikatoren Lebensqualität, Ökonomie, Innovation und Governance im Vergleich zu den Top-Performern aufholen. Die deutschen Vertreter:innen gehören zwar noch zu den Top 30. Allerdings haben sie auch in dieser Kategorie an Boden verloren. Am besten hat die bayerische Hauptstadt abgeschnitten, die auf Platz neun landete – gefolgt von Berlin (Platz 21), Düsseldorf (Platz 25) und Frankfurt am Main (Platz 26).
Weltweite Konkurrenz nimmt zu
Obwohl die Rangliste des Global Cities Report unverändert bleibt, stehen die Metropolen laut den Studienautor:innen in einem immer stärkeren Wettbewerb mit anderen aufstrebenden Städten der Welt, die ihren Einwohner:innen einen ganzheitlichen Mehrwert bietet und so auch attraktiv für Fachkräfte und Talente wird. Die Autorenschaft spricht dabei von der "verteilten Geografie der Chancen" und führt dies auf die sozialen, geopolitischen und technologischen Veränderungen zurück. Denn dadurch gewinnen auch Städte an Einfluss, die abseits der US-amerikanischen und westeuropäischen Metropolregionen liegen. Dazu gehören beispielsweise Shanghai (China), Buenos Aires (Argentinien), Istanbul (Türkei) und Mexiko-Stadt (Mexiko), aber auch der Nahe Osten mit den Hauptstädten der Golfstaaten. Zum Beispiel ist Dubai zum dritten Mal infolge unter den Top 25. Auch der europäische Süden konnte sich um einige Ränge nach oben verbessern. Unter anderem ist Madrid (Spanien) um sieben Plätze auf Rang 12 gestiegen.
Etablierte Metropolregionen stehen dabei neuen Herausforderungen gegenüber, wie der Post-Pandemie-Zeit, der Möglichkeit des Remote Work und der Künstlichen Intelligenz (KI), so die Autor:innen. Im Zuge dessen komme es unter anderem zu einer Abwanderung aus den Städten – zum einen in konkurrierende Metropolen mit einem attraktiveren Lebensstil, zum anderen in Vororte und kleinere Kommunen. Dadurch würden sich auch die Kapitalströme in andere Gegenden verlagern, was wiederum dafür sorgt, dass dieser Standort wächst, Menschen anlockt und Innovationen vorantreibt. Der Report prognostiziert, dass diese Entwicklung durch die generative KI – die Fähigkeit, neue Inhalte auf Grundlage von Benutzereingaben zu erstellen – weiter verstärkt wird.
Vier wesentliche Maßnahmen
Zum Abschluss stellen die Autor:innen des Global Cities Reports vier Maßnahmen vor, mit deren Hilfe globale Städte ihre strategischen Vorteile behalten sollen:
- Um Talente kämpfen
Die Metropolen sollten attraktive Angebote und Bedingungen schaffen. Denn Städte mit einer hohen Lebensqualität, vielfältigen Kulturerlebnissen und guten Rahmenbedingungen ziehen Menschen an. Zudem sollten sie ihre Hochschulbildung ausbauen und internationale Studierende ansprechen sowie die eigenen Arbeitskräfte umschulen, um diese gegebenenfalls anderweitig einzusetzen.
- Soziale Infrastruktur optimieren
Zudem sollten Städte kulturelle Institutionen und Dienste stärken sowie soziale Verbindungen ermöglichen. Eine Gemeinschaft mit vielfältigen Vernetzungsmöglichkeiten wird dem Autoren-Team zufolge auf absehbare Zeit Vorteile haben.
- Die "öffentliche digitale Infrastruktur" stärken
Eine Investition in die digitale Infrastruktur fördert nicht nur die digitale Vernetzung, sondern zieht auch Technologien an, treibt Innovationen voran und fördert das Wirtschaftswachstum.
- Nachhaltige Stromversorgung von Rechenzentren ermöglichen
Darüber hinaus sollten Städte auf energieintensivere Rechenzentren setzen, um Verzögerungszeiten zu reduzieren und für weitere Fortschritte in der KI gerüstet zu sein.
Sophie-Marie Jahn 02.11.2023









