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Nach Angaben des Robert Koch-Instituts leben in Deutschland rund 90.800 Menschen mit HIV – Fotos: BZgA/DAS/DAH

Awareness

Gemeinschaftskampagne zum Welt-Aids-Tag 2023

Anlässlich des diesjährigen Welt-Aids-Tags am 1. Dezember 2023 haben die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln, die Deutsche AIDS-Stiftung (DAS), Bonn, und die Deutsche Aidshilfe (DAH), Berlin, eine gemeinsame Kampagne gestartet. Unter dem Titel "Leben mit HIV. Anders als du denkst?" berichten sieben HIV-positive Menschen von ihrem Leben, ihrem Coming-out und ihrem Umgang mit Widerständen. Damit möchte die drei Organisationen ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen und zum Nachdenken anregen, um den eigenen Wissensstand zu hinterfragen und sich Vorurteilen bewusst zu werden.

Dr. Johannes Nießen, Errichtungsbeauftragter des Bundesinstituts für Aufklärung und Prävention in der Medizin (BIPAM) und Kommissarischer Leiter der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), sagt: "HIV-positive Menschen erfahren zu oft Vorurteile, veraltete Vorstellungen vom Leben mit HIV und Berührungsängste. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, jeder Form von Ablehnung entgegenzuwirken, damit Menschen mit HIV ohne Stigmatisierung leben können."

Die Kampagnenmotive zeigen Menschen aus verschiedenen Bereichen unserer Gesellschaft. Zu den Testimonials gehören unter anderem die Drag Queen Barbie Breakout, die ukrainische Sexualtherapeutin und Veranstalterin von Kuschelpartys Kristina und die bayerische Postbotin Hildegard. Stefan Miller vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe, selbst HIV-positiv, sagt: "In dieser Kampagne zeigen sich Menschen mitten im Leben. Sie demonstrieren einen selbstbewussten Umgang mit Abwertung, Benachteiligung und Berührungsängsten – alles leider immer wieder Teil ihres Alltags. Die Botschaft lautet: Diskriminierung muss sich niemand gefallen lassen."

Fehlendes Wissen und Vorurteile

Die Werbeoffensive ist Teil der Aktivitäten zum Welt-Aids-Tag, der seit 1988 immer am 1. Dezember eines jeden Jahres gefeiert wird. Ziel ist es, einen diskriminierungsfreien Umgang und einen Zugang zu medizinischer Versorgung für HIV-positive Menschen zu erreichen. Die BZgA, die DAS und die DAH informierend dazu auch auf der Website welt-aids-tag.de. Denn leider erfahren fast alle HIV-positiven Menschen Diskriminierung, obwohl HIV heutzutage durch Medikamente gut behandelbar ist und die Betroffenen unter Therapie HIV nicht übertragen können und auch nicht an Aids erkranken.

So gaben 90 Prozent der Befragten der Online-Befragung "positive stimmen 2.0" der Deutschen Aidshilfe an, dass sie gut mit ihrer HIV-Infektion leben würden. Demnach fühlen sich drei Viertel gesundheitlich nicht oder nur wenig eingeschränkt. Dennoch berichten 95 Prozent der Befragten, in den vergangenen zwölf Monate diskriminierende Erfahrung aufgrund von HIV gemacht zu haben. Die Hälfte fühlt sich sogar in ihrem Leben durch die Vorurteile beeinträchtigt (52 %). Eine Umfrage der Deutschen Aidshilfe 2022 bekräftigt diese Aussagen. Unter anderem gaben 25 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Sportgeräte oder das Geschirr nicht mit HIV-positiven Menschen teilen. Ein Fünftel hat sogar Angst, dieselbe Toilette zu benutzen. Zudem würde nur die Hälfte eine HIV-positive Person küssen, die ihnen sympathisch ist. Dabei ist HIV in keiner dieser Situationen übertragbar, unter Therapie auch beim Sex nicht.

Dr. Kristel Degener, Vorstandsmitglied der Deutschen AIDS-Stiftung, sagt: "Bei allen Fortschritten dürfen wir nicht vergessen, dass sich auch immer noch Menschen mit HIV in schwierigen Lebenssituationen befinden. Manche Menschen brauchen zum Beispiel aufgrund ihrer langen Krankengeschichte besondere Unterstützung – gesundheitlich und finanziell. Alle Menschen mit HIV haben ein Recht auf ein solidarisches und respektvolles Miteinander. Wir alle können dazu beitragen."

 

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