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DIW: In Westdeutschland bleibt die Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen größer als im Osten

Das deutsche Steuer- und Transfersystem dämpft die Effekte des geschlechtsabhängigen Lohnunterschiedes. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor. Diese hat den so genannten Gender Pay Gap in Deutschland erstmals unter Berücksichtigung von Steuern untersucht.

Die Untersuchung fokussiert sich auf den Teil der Lohnunterschiede, der nicht auf beobachtbare Faktoren wie Berufserfahrung oder Arbeitszeit zurückgeführt werden kann. Häufig werde hinter diesem unerklärten Rest der Lohnunterschiede Geschlechterdiskriminierung vermutet, so das DIW. Diese zwischen Männer- und Frauengehältern klaffende Lücke ist den DIW-Forschern zufolge brutto erheblich größer als netto. Im Durchschnitt sei sie vor Steuern etwa doppelt so groß wie nach Steuern. Das deutsche Steuer- und Transfersystem reduziere insbesondere durch die progressive Einkommensteuer die Einkommensungleichheit, schaffe es aber nicht, den Gender Pay Gap komplett aufzuheben.

In Westdeutschland fällt die ausgleichende Wirkung geringer aus als in Ostdeutschland. Den Grund sehen die DIW-Experten Johannes Geyer und Patricia Gallego Granados unter anderem im Ehegattensplitting. "Insgesamt steht Deutschland im internationalen Vergleich sehr schlecht da. Unter den OECD-Ländern weist Deutschland den drittgrößten Gender Pay Gap auf. Nur in Japan und Korea ist der geschlechtsspezifische Einkommensunterschied noch größer", so die Studienautoren.

Die Studie zeigt: Trotz aller Initiativen zur Beseitigung des Gender Pay Gap verdienen Männer in Deutschland weiterhin merklich mehr als Frauen. Die geschlechtsspezifische Einkommenslücke  sei seit dem Jahr 2000 lediglich um zwei Prozentpunkte geschrumpft, so das DIW. Besonders deutlich wird diese Diskrepanz bei den westdeutschen Bruttomonatseinkommen. Laut der Untersuchung verdienen die Männer in Westdeutschland im Mittel (Zentralwert oder Median) rund eineinhalb Mal so viel wie Frauen, ihr Bruttomonatseinkommen ist um rund 62 Prozent höher. Unter anderem liege das daran, dass Frauen sehr viel häufiger in Teilzeit und im Niedriglohnsektor arbeiten. Etwa 52 Prozent aller Frauen arbeiten mit reduzierter Wochenarbeitszeit, aber nur 18 Prozent der Männer.

Mehr als 60 Prozent aller im Niedriglohnsektor beschäftigten Personen sind weiblich. In Ostdeutschland ist die Lücke zwischen Männer- und Fraueneinkommen laut Studie etwas kleiner - unter anderem auch deshalb, weil sich die Arbeitszeiten von Männern und Frauen im Osten weniger stark unterscheiden. Auch in den neuen Bundesländern liege das Bruttomonatseinkommen der Männer im Mittel aber um etwa 22 Prozent über dem der Frauen. "Selbst wenn man die unterschiedlich langen Arbeitszeiten berücksichtigt, bleibt der Gender Pay Gap sichtbar: Die Bruttostundenlöhne von Frauen sind in Westdeutschland im Mittel um etwa 29 Prozent, im Osten um etwa sechs Prozent niedriger als die von Männern", stellen die DIW-Forscher fest.

Aber der größte Unterschied ist in den untersten Einkommensgruppen zu finden: In Westdeutschland erhalten die fünf Prozent Männer mit den geringsten Bruttomonatseinkommen im Durchschnitt 140 Prozent mehr als die fünf Prozent Frauen mit den geringsten Einkommen. Weitere Details unter www.diw.de.


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