
Das Berliner Bündnis Nachhaltige Stadtentwicklung stellt sich gegen die Wohnungsbaupolitik des Berliner Senats – Foto: BBNS
Stadtentwicklung
Berliner Bündnis kontert Kampagne des Senats
Das Berliner Bündnis Nachhaltige Stadtentwicklung (BBNS) kritisiert die Mitte November 2023 gestartete Kampagne "Euer Zuhause. Unser Auftrag" der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Diese soll zeigen, warum der Wohnungsbau notwendig ist, und dafür sensibilisieren, dass die dringendsten Bedürfnisse der Menschen nach Wohnraum gedeckt werden müssen. Die Werbeoffensive rückt vor allem Familien, Alleinerziehende, Auszubildende und Studierende sowie ältere Menschen in den Mittelpunkt.
Als Antwort auf die Werbeoffensive des Senats hat das BBNS einen Gegenkampagne mit dem Slogan "Unsere Lebenswerte Stadt. Euer Auftrag." entwickelt und im Rahmen einer Pressekonferenz am 5. Dezember 2023 vorgestellt. Dabei wurde die Motive der Ursprungskampagne um Sprechblasen mit Kommentaren ergänzt. Zudem wird auf die Website des Bündnisses nachhaltigestadtentwicklung.berlin verwiesen. Des Weiteren wurde der Claim "Euer Zuhause. Unser Auftrag." durchgestrichen und durch den Slogan von BBNS ersetzt.
Darüber hinaus haben die 39 Bündnismitglieder – Bürgerinitiativen aus ganz Berlin, die sich für eine nachhaltige Stadtentwicklung einsetzen – einen offenen Brief an den Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler verfasst. In diesem machen die Verantwortlichen deutlich, dass der Senat nicht im Auftrag der Bürger:innen handelt. Außerdem bezeichnen sie die Art des vorgesehenen Wohnungsbaus als "rücksichtslos" gegen Wohn- und Lebensverhältnisse, die Stadtnatur und Klimaveränderungen sowie gegen die Zukunft der Menschen. "Wir empfinden es als Verhöhnung, wenn Sie meinen, uns erklären zu müssen, dass viele Berlinerinnen und Berliner derzeit nicht die Wohnung mieten können, die sie brauchen und bezahlen können. Wir, unsere Kinder und Angehörigen, Freunde und Kollegen erleben die Berliner Wohnungsmisere täglich hautnah; anders als gut bezahlte Senatoren, Vorstände von Wohnungsunternehmen oder Geschäftsführer von profitablen Werbeagenturen", heißt es in dem Schreiben.
In der Mitteilung heben die Bündnispartner:innen auch die Bedeutung eines öffentlichen, sozialen und ökologisch nachhaltigen Wohnungsbaus hervor. Dies sei eine "wichtige Aufgabe, um für die Zukunft den nicht marktgesteuerten öffentlichen, von breiten Einwohnerschichten bezahlbaren Wohnungsbestand auszubauen". Das dürfe allerdings nicht auf Kosten der Qualität und der Mietenstabilität geschehen. "Viele Familien, Senioren, Studierende und Auszubildende suchen eine gute und mit ihrem Einkommen bezahlbare Wohnung, in der sie auch in Zukunft gut wohnen und leben können. Aber sie brauchen keine verwüstete, überhitzte Stadt, in der wir morgen keine gute Luft mehr atmen können und krank werden und Kinder keine Flächen zum Spielen mehr haben", führen die Verfasser:innen aus.
Auch die Kampagne der Berliner Senatsverwaltung selbst steht in der Kritik, denn das dafür verwendete Geld hätte auch einem nachhaltigen Wohnungsbau zugutekommen können. Das BBNS schreibt dazu: "Statt öffentliche Gelder für eine teure Imagekampagne zu verpulvern, um bei den vermeintlich uneinsichtigen Bürgerinnen und Bürgern Akzeptanz für Ihre verfehlte Wohnungspolitik zu befördern, sollten Sie endlich den Dialog mit uns und allen anderen Bürgerinnen und Bürgern suchen, um durch Partizipation tatsächlich sozial und ökologisch nachhaltige, zukunftsfeste Wege für den Wohnungsneubau und die Bewirtschaftung des kommunalen Berliner Wohnungsbestandes zu beschreiten!"
Sophie-Marie Jahn 07.12.2023









