ANZEIGE

Nachdem der Digital-Index 2022/2023 um sechs Punkte zurückgegangen ist, konnte er in der aktuellen Untersuchung wieder leicht ansteigen – Fotos: Initiative D21 e. V.

Studie

Gespaltene Meinungen der Deutschen bei Digitalisierung

Der Digitalisierungsgrad der deutschen Bevölkerung ist im Vergleich zum Vorjahr um einen Punkt auf 58 von 100 möglichen Punkten gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt der D21-Digital-Index der Berliner Initiative D21 e. V. für die Jahre 2023/2024. Damit liegt der Wert aber weiterhin unter dem Niveau von 2022. Vor knapp zwei Jahren waren es noch 63 Punkte. Insgesamt sinkt laut den Studienverantwortlichen die Fähigkeit, mit dem digitalen Wandel Schritt zu halten, in fast allen Bevölkerungsgruppen. Insbesondere die Aspekte für eine positive Grundeinstellung zum digitalen Wandel nehmen ab, die für die digitale Resilienz essenziell sind. Zudem wird die gesellschaftliche Spaltung bezüglich der Digitalisierung immer deutlicher. So stehen 52 Prozent dem digitalen Wandel eher skeptisch gegenüber, lediglich 47 Prozent nehmen eine aufgeschlossene Haltung ein.

Weitere Unterschiede werden beim Bildungsgrad und dem Einkommen deutlich. Bürger:innen mit einer niedrigeren formalen Bildung und einem geringen Einkommen sind öfter unterdurchschnittlich gut für die digitale Welt ausgestattet und fühlen sich häufiger überfordert. Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin der Initiative D21, formuliert daher einen klaren Auftrag an die Politik: "Dem unumgänglichen digitalen Wandel positiv zu begegnen und sich anzupassen, wird immer mehr zu einer Voraussetzung für die gesellschaftliche Teilhabe. Die Politik sollte dringend ein Zielbild für eine digital resiliente Gesellschaft entwickeln, dieses Zielbild anhand messbarer Kriterien begleiten und mit Maßnahmen steuern, um möglichst alle Menschen fit für die Zukunft zu machen."

In der aktuellen Studienausgabe konnten insbesondere Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) punkten. Jeder Dritte hat bereits KI-Dienste in Anspruch genommen. Allerdings fällt vielen ein kompetenter Umgang noch schwer. Eine KI-Innovation stand dabei klar im Mittelpunkt: ChatGPT. Dem Digital-Index zufolge hat jeder fünfte das Tool in den ersten sechs Monaten nach dem Start verwendet – zum einen zur Erstellung von Texten und zum kreativen Schreiben (47 %), zum anderen als Suchmaschine beziehungsweise zur Informationsbeschaffung (43 %). D21-Präsident Marc Reinhardt betont:"Die Künstliche Intelligenz wird eine entscheidende Rolle spielen, um den Wohlstand unseres Landes zu sichern. Im Angesicht von globaler Konkurrenz, demografischem Wandel und Fachkräftemangel kann sie von großer Bedeutung sein, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Es liegt in der Verantwortung der Entscheider*innen in Politik und Wirtschaft, die Möglichkeiten der KI strategisch zu nutzen und gleichzeitig die damit verbundenen Risiken zu minimieren. Die rasante Entwicklung der generativen KI fordert private und öffentliche Anbieter*innen von Aus- und Weiterbildung heraus: Ganze Berufsbilder werden wegfallen oder sich verändern, neue Berufe werden entstehen. Entscheidend für unseren zukünftigen Wohlstand wird es sein, dass wir diese Entwicklungen entschlossen zu unseren Chancen machen und selbst gestalten."

Digitale Kompetenzen im Beruf immer wichtiger

In der Arbeitswelt ist nur knapp die Hälfte der Beschäftigten der Meinung, dass der eigene Arbeitgeber im digitalen Wandel auf nationaler sowie internationaler Ebene gut aufgestellt ist (54 %). Eine der größten Herausforderungen ist dabei der sogenannte Vogel-Strauß-Effekt: Dabei gehen 76 % der Berufstätigen davon aus, dass die Veränderungen durch die Digitalisierung bis 2035 auch zum Wegfall von Tätigkeiten oder ganzen Berufen führen. Doch nur 23 Prozent glauben, dass dies auch den eigenen Job treffen könnte.

43 Prozent der Berufstätigen sehen die Unternehmen in der Pflicht, ihre Mitarbeitenden durch Weiterbildungen auf die Anforderungen des digitalen Wandels vorzubereiten. Denn mehr als die Hälfte gab an, dass sie digitale Kenntnisse und Fähigkeiten in ihrem Beruf benötigen. Allerdings stagniert der Anteil der Mitarbeitenden, die solche vom Arbeitgeber finanzierten Angebote in Anspruch nehmen, seit Jahren bei etwa 18 Prozent. Um dem Mangel an digitalen Kompetenzen entgegenzuwirken, könnte das Bildungssystem eine zentrale Rolle spielen. Allerdings sinkt das Vertrauen der Bevölkerung auch mit Blick auf das Bildungswesen. Nur etwa ein Drittel der Befragten vertritt die Ansicht, dass Schulen notwendige digitale Kompetenzen vermitteln, um in Zukunft international mithalten zu können (28 %).

Dr. Franziska Brantner, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, kommentiert die Studien-Ergebnisse wie folgt: "Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie trägt maßgeblich dazu bei, dass Deutschland ein starker Wirtschaftsstandort bleibt. Insbesondere in Zeiten von starkem internationalem Wettbewerb ist die Digitalisierung zentral für eine starke Wirtschaft von KMU bis zum globalen Player. Dabei ist eine Offenheit für technologischen Fortschritt wichtig, um Innovationen voranzubringen und zu nutzen, damit in Deutschland Beschäftigungschancen und Wohl-stand erhalten bleiben können."

 

Aktuelle Ausgabe

5-6/2026

Marketplace

Präsentieren Sie Ihr Unternehmen und Ihre Dienstleistungen. Zum Marketplace









Newsletter

Save the Date

Weitere Publikationen

Place Brands
Persönlichkeiten im Stadtmarketing

Social Media

Abonnement hier widerrufen

Weitere Webseiten