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Museumsforschung

Museen ähnlich vertrauensvoll wie Freunde und Familie

Die zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft sorgt dafür, dass einige Organisationen und Institutionen rund um das öffentliche Leben immer häufiger in Frage gestellt werden. Die Gebühren der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) sowie die mediale Berichterstattung zu gesellschaftlichen und politischen Themen sind beispielsweise Gegenstand zahlreicher Diskussionen. Bei kulturellen Einrichtungen wie Museen scheint das allerdings nicht der Fall zu sein. Das ergibt zumindest die Studie "Das verborgene Kapital: Vertrauen in Museen in Deutschland", die das Institut für Museumsforschung mit Sitz in Berlin im Dezember 2023 durchgeführt hat. Untersucht wurde, wie stark das Vertrauen in diese kulturellen Institutionen ist.

Demnach rangieren die Museen in Deutschland auf dem zweiten Platz im Vertrauensranking mit einem Score von 7,4. Nur Freunde & Familie verzeichnen einen höheren Wert (8,3). Politische Organisationen hingegen schneiden jedoch ähnlich schlecht ab wie Social Media sowie Kirchen & Religionsgemeinschaften. Während die letzten beiden einen Wert von 4,0 erreichen, so schaffen es Parteien auf einen Vertrauenswert von 4,1.

Hoch oben im Kurs stehen vor allem Botanische Gärten, Wissenschafts- & Technikmuseen, Naturkundemuseen, historische & archäologische Museen sowie Schloss- & Burgmuseen. Sie verzeichneten Werte zwischen 7,7 und 7,5. Das Schlusslicht bilden museumsähnliche Einrichtungen und Erlebnisformate wie Science Center, Panoramen & Multimediashows, Vergnügungsparks sowie Messen & Verkaufsausstellungen.

Laut den Studieninitator:innen ist es dabei unerheblich, ob es sich um Besucher:innen oder Nicht-Besucher:innen handelt. Demnach haben auch diejenigen, die noch keine dieser kulturellen Einrichtungen besucht haben, ein abstraktes Vertrauen in Museen. Jedoch ist davon auszugehen, dass der Vertrauenswert zunimmt, je häufiger Museen besucht werden.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sagt: "Diese Studie wird unseren Blick auf Museen verändern: Im Zeitalter zunehmender Polarisierung und drängender gesellschaftlicher Fragen ist das Museum einer der Orte, der Verlässlichkeit bietet. Doch dieses Vertrauen bringt auch Verantwortung mit sich: Museen können und sollten Position beziehen – allerdings in dem Bewusstsein, dass gerade ihre Wahrnehmung als neutrale Instanzen Grundlage für dieses Vertrauen ist. Kultureinrichtungen können die Urteilskraft in unserer Gesellschaft stärken. Genau darauf kommt es in diesen Zeiten an. Wir haben vielfältige Möglichkeiten, Wissen zu vermitteln, und sollten das auch im aufklärerischen Sinne tun."

Patricia Rahemipour, Direktorin des Instituts für Museumsforschung, fügt hinzu: "Unzählige Studien zum Vertrauen der Bevölkerung in die demokratischen Institutionen, die Medien und die Wissenschaft beherrschen derzeit die Schlagzeilen und erinnern uns in diesen krisenhaften Zeiten daran, wie wichtig das gesellschaftliche und Institutionenvertrauen für den Erhalt und Fortbestand unserer Demokratie ist. Umso erstaunlicher ist es, dass das Vertrauen in Museen als den ältesten und dauerhaftesten kulturellen Institutionen unserer Gesellschaft bisher noch nie Gegenstand einer breit angelegten Untersuchung gewesen ist. Dies Lücke wollen wir mit unserer Studie schließen."

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Anja Lüth 30.04.2024

 

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