
Foto: Anja Lüth/PUBLIC MARKETING
bcsd
Deutscher Stadtmarketingtag 2024
Im Mittelpunkt des Deutschen Stadtmarketingtags 2024, der jährlich von der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e.V. (bcsd) durchgeführt wird, stand die Frage, wie sozialer Zusammenhalt gestaltet und in den deutschen Städten sichtbar werden kann. Vom 21. bis 23. April 2024 kamen laut Veranstalter rund 270 Fachleute aus Stadtmarketing, Stadtentwicklung und benachbarten Disziplinen zusammen, um zu erörtern, wie eine Stadt für alle aussehen kann und muss.
Das Programm war vielfältig und ermöglichte einen permanenten Perspektivwechsel auf die Thematik. So zeigte Markus Lewe, Präsident des Deutschen Städtetags, in seinem Vortrag "Die Europäische Stadt als Garant für Freiheit, Vielfalt und Miteinander" auf, dass jede Stadt unterschiedliche Voraussetzungen aufweist und es deshalb kein Modell der Stadt für alle gibt, das für jede Kommune gilt. Dabei hob er die Bedeutung des Stadtmarketings hervor, das als Vermittler zwischen den Zielgruppen und den kommunalen Entscheidern fungiert und gleichzeitig für eine authentische DNA der Stadt sorgt. Und dies könne nur gelingen, wenn "jeder Mensch in einer Stadt das Gefühl haben kann, ich gehör dazu".
Interessante Einblicke in die Arbeit der Polizei – in Bezug auf das Veranstaltungsthema – gab Hamburgs Polizeipräsident Falk Schnabel. Anhand der aktuellen Kriminalstatistiken machte er deutlich, dass es einen gravierenden Unterschied zwischen der tatsächlichen und der gefühlten Kriminalität gibt. Darüber hinaus stellte er verschiedene Beispiele aus der Praxis vor, wie Städte für mehr Sicherheit sorgen und wie Orte geschaffen werden, die dafür sorgen, dass sämtliche Menschen in die Stadtgesellschaft integriert werden.
Besonders beeindruckt hat die Teilnehmenden der Vortrag von Bart Somers. Er ist Oberbürgermeister der Stadt Mechelen in Belgien – eine Stadt, die bis in Jahr 2000 als unsichere Stadt in Belgien galt. Aufgrund von zahlreichen Investitionen, der Teilhabe der Bürger:innen und dem inklusiven Leitgedanken habe es Mechelen in den vergangenen zwanzig Jahren geschafft, zu einer sauberen, sicheren Stadt zu werden, die sämtlichen Menschen Räume zur Entfaltung bietet.
Im Rahmen einer Podiumsdiskussion kamen sowohl die Referierenden als auch die Teilnehmer:innen zu dem Schluss, dass bereits an zahlreichen Stellen Fortschritte in Bezug auf die Stadt für alle erkennbar sind. Dennoch müsse noch viel offensiver vorgegangen werden, um sämtliche Zielgruppen abzuholen und ein vollumfassendes Stadtbild zu erhalten. Die Bundesvorsitzende der bcsd, Bernadette Spinnen, bilanzierte nach zwei intensiven Kongresstagen: "Bei der Transformation der Innenstädte geht es nicht nur um Leerstand und Handelsökonomie, sondern in hohem Maße um Inklusion, Fairness und Haltung. Es gibt Grund für Respekt vor der Herausforderung, aber auch für radikale Hoffnung."
Wir haben die wesentlichsten Erkenntnisse für Sie zusammengefasst:
1. Problematische Zielgruppen dürfen nicht aus der Stadt verdrängt werden. Vielmehr müssen sie integriert werden, um ein ganzheitliches Stadtbild zu zeichnen.
Beispiele wie der Bremer Platz in Münster oder der August-Bebel-Park in Hamburg zeigen, dass auch Schattenseiten zum Bild einer Stadt gehören. An beiden Orten kommen täglich Vertreter:innen der Drogen-Szene zusammen. Die Städte arbeiten mittlerweile kontinuierlich daran, dieser Zielgruppe einen sogenannten Safe Space zu geben – sei es durch eine neu konzipierte Parkanlage oder den Einsatz von Street Workern.
2. Eine Stadt für alle ist nur dann möglich, wenn die Zielgruppen direkt beteiligt werden und ein Mitspracherecht beispielsweise in Bezug auf Veranstaltungen im öffentlichen Raum haben.
Im Mannheim ist im November 2023 die Initiative "City Factory" gestartet, bei dem sämtliche Interessensgruppen dazu beitragen können, wie die Innenstadt als Ort für alle gestaltet werden kann. Zu den Handlungsfeldern gehören die Themen Aufenthaltsqualität, Sicherheit und Sauberkeit, Verkehr, Erlebnisse und Angebotsqualität des Einzelhandels. Ein weiteres Projekt steht unter dem Titel "Gesunde Stadt" und wird aktuell in Münster umgesetzt. Hierbei werden die verschiedensten Menschen beteiligt, die gemeinsam eruieren, wie die Stadt gesünder werden kann.
3. Kein Player - Stadtverwaltung, Ordnungsamt oder Polizei, Stadtmarketing - kann im Alleingang eine Stadt für alle gestalten. Es bedarf der Zusammenarbeit.
Ein Beispiel dafür ist die oben bereits erwähnte Stadt Mechelen, die innerhalb von 20 Jahren den Turnaround schaffte. Möglich machte das eine Strategie, die auf Integration setzt, und das Law-and-Order-Prinzip. Hier arbeiten die verschiedenen kommunalen Player zusammen, um eine möglichst sichere und saubere Stadt zu gestalten, in der sich jeder willkommen fühlen soll.










