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Michael Metzler und Katja Teixeira vom bcsd-Vorstand diskutieren mit verschiedenen Akteuren der Stadtplanung, wie die Transformation der Innenstadt gelingen kann – Foto: Peter Wieler

bcsd

Deutsche Stadtmarketingbörse 2024

Die Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland, Berlin, hat erneut zur Deutschen Stadtmarketingbörse eingeladen. Vom 22. bis 24. September 2024 trafen sich etwa 230 Vertreter:innen aus dem Stadtmarketing, der Stadtplanung sowie weitere Entscheidungsträger:innen in Hanau. Im Fokus der Veranstaltungen stand die Zukunft der Innenstädte. Unter dem Titel "Zentral egal – wer braucht die Innenstadt eigentlich noch?" diskutierten die Teilnehmenden über das "neue Geschäftsmodell Innenstadt".

Gleich zu Beginn der Tagung hob der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky hervor: "Die Stadt muss selbst Einfluss auf die Immobilien der Innenstadt nehmen, um ihre Ziele zu erreichen." Zudem betont er, dass "die Rettung der Innenstädte kein kommunaler Wettstreit, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe" sei. Wie wichtig die Innenstadt für die Stadtgesellschaft ist, zeigte auch der nachfolgende Vortrag von Soziologe Dr. Rainald Manthe auf. Denn laut Manthe sind Innenstädte auch wichtige Orte für die Demokratie, indem sie Begegnungen verschiedener Gruppen der Gesellschaft ermöglichen und fördern. Im Anschluss bekamen die Anwesenden einen Einblick in die ökonomische Lage deutscher Innenstädte. Roland Wölfel und Dr. Wolfgang Hänsch von der CIMA Beratung + Management GmbH, stellten unter anderem zentrale Erkenntnisse der Deutschlandstudie 2024 und des Leerstandreports Nordrhein-Westfalen 2024 vor.

Besonders begeistert, waren die Teilnehmenden von den Führungen durch die Hanauer Innenstadt. Die hessische Kommune bildete mit ihrem Stadtentwicklungsprogramm "Hanau AufLADEN" den idealen Tagungsort für die diesjährige Stadtmarketingbörse. Zur Auswahl stand drei Rundgänge mit verschiedenen Schwerpunkten. Zum Beispiel konnten Interessierte etwas zum Vorkaufsrecht der Stadt Hanau für Immobilien erfahren. Anfang des Jahres hatte die Stadt zudem das ehemalig Kaufhof-Gebäude erworben. Bei einer Führung durch die Immobilie konnten Interessierte einen Blick auf die noch leeren Flächen werfen. Ein dritter Rundgang führte zu Pop-up-Stores und Geschäften, die durch "Hanau AufLADEN" entstanden sind. So statteten die Teilnehmenden beispielsweise den Läden "Little Finland" und "Lotte im Glück" einen Besuch ab. Auch das Service-Center der Hanau Marketing GmbH stand auf dem Plan. Dort nutzen zahlreiche Teilnehmer:innen die Chance, um ihren Grimmscheck einzulösen, den Einkaufsgutschein von Hanau. Jeder Teilnehmende hatte zusammen mit der Goodie-Bag einen Gutschein in Höhe von fünf Euro bekommen.

Am letzten Tag ging es dann in die Praxis. Im Rahmen der bereits bekannten Experience Rooms stellten ausgewählte Kommunen und Unternehmen ihre Projekte vor, um Menschen in die Stadt zu locken – von einem Kunstforum in einem Stadtbad und einer Bibliothek im Wohnzimmer-Stil über eine vegane Fleischerei und einer gläsernen Werkstatt bis hin zu einem Social-Media-Studio. Die Bandbreite der Konzepte war vielfältig. Zum Abschluss der Tagung lenkte Dr. Antje-Britta Mörstedt, Professorin für allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der PFH Private Hochschule Göttingen, den Blick auf die Generation Z und appellierte an die Anwesenden, auf Augenhöhe mit der jungen Zielgruppe zu interagieren.

Die Deutsche Stadtmarketingbörse 2024 hat erneut deutlich gemacht, dass Innenstädte mehr als reine Einkaufszentren sein müssen. Vielmehr geht es darum multifunktionale Orte zu schaffen, die für alle Gruppen einer Stadtgesellschaft attraktiv und interessant ist. Dafür braucht es allerdings tragbare, finanzielle Modelle sowie Kooperationen mit den Akteuren vor Ort. Bcsd-Bundesvorsitzende Bernadette Spinnen, fasste es in ihrer Abschlussrede zusammen: "Die Tagung in Hanau hat gezeigt, dass die Zukunft der Innenstädte immer stärker von einem integrierten und kooperativen Zentrenmanagement abhängt." Und sie ergänzte: "Dass es schwer ist, bedeutet nicht, dass es nicht geht."

 

Unsere drei zentralen Erkenntnisse im Überblick:

  1. Es gibt nicht das eine Innenstadt-Modell.

In der Vergangenheit dominierten vor allem Ketten wie Zara, Starbucks und H&M deutsche Innenstädte. Solche Monostrukturen mit überwiegend gewerblichen Funktionen müssen künftig aufgebrochen werden. Innenstädte brauchen mehr Individualität, um sich voneinander abzuheben. Und auch hier gilt: Die Mischung machts. Große Ketten können auch weiterhin in der Stadt vertreten sein, aber es braucht auch kleine, inhabergeführte Geschäfte, die es in anderen Städten nicht gibt. Dabei sollten neben dem Einzelhandel auch verstärkt Freizeitangebote ihren Weg in das Stadtzentrum finden.

  1. Attraktive Innenstädte bieten auch einen touristischen Mehrwert.

Im Fokus der Innenstadt-Debatten stehen oftmals die Interessen und Bedürfnisse der jeweiligen Stadtbevölkerung. Der Tourismusaspekt fällt meist hinten über. Dabei wird die Innenstadt auch oft von Touristinnen und Touristen besucht. Auch hier kann es von Vorteil sein, sich durch individuelle Angebote von den anderen Innenstädten abzuheben. Denn keiner möchte im Urlaub die gleiche Innenstadt sehen, die sie oder er auch in der Heimat findet.

  1. Es braucht gut strukturierte Beteiligungsprozesse.

Partizipation und Teilhabe sind feste Bestandteile von Stadtentwicklungsprozessen. Doch Beteiligung muss gelernt sein. Es braucht eine klare Kommunikation und eine zeitnahe Umsetzung. Wenn die Bevölkerung nach ihren Wünschen gefragt wird, sollten diese auch so schnell wie möglich umgesetzt werden. Andernfalls ist es für das Projekt eher hinderlich. Die Menschen wollen sehen, dass sich etwas verändert und ihre Bedürfnisse ernstgenommen werden.

 

(Fotos: Peter Wieler + Sophie-Marie Jahn/PUBLIC MARKETING)

 

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