
Prof. Larissa Förster steht ab dem 1. Januar 2025 an der Spitze des Weltkulturen Museums – Foto: privat
Frankfurt a. M.
Larissa Förster führt das Weltkulturen Museum
Das Weltkulturen Museum in Frankfurt am Main hat ab Januar 2025 eine neue Direktorin. Prof. Larissa Förster übernimmt die Leitung des Hauses von Eva Raabe, die sich Ende 2023 zur Ruhe gesetzt hat. Zu dieser Entscheidung kam der Magistrat der hessischen Stadt, der damit dem Vorschlag von Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartwig folgt. Im Vorfeld gab es eine öffentliche Ausschreibung, bei der sich Förster gegen die Konkurrenz durchsetzen konnte.
Kulturdezernentin Hartwig sagt: "Das Weltkulturen Museum Frankfurt gewinnt mit Prof. Dr. Larissa Förster eine Direktorin mit wertvollen Erfahrungen im Feld der ethnologischen Provenienzforschung, der Kulturanthropologie und nicht zuletzt der Museumsarbeit. Mit der geplanten Dependance des Museums in der Neuen Mainzer Straße wird sie das Haus in naher Zukunft erweitern können und so mehr Raum für die einzigartige Sammlung erhalten, um diese publikumswirksam und gesellschaftsbezogen zu präsentieren. Ich freue mich sehr über den Neuzugang für unser Museumsufer und auf die Zusammenarbeit."
Die neue Direktorin Förster erklärt: "Ich freue mich, in Frankfurt mit seiner so lebendigen und diversen Stadtgesellschaft und seiner hochinteressanten Museumslandschaft die Zukunft eines so wichtigen Museums mitgestalten zu können. Das Haus kann wichtige Fragen nach den Möglichkeiten und Herausforderungen unseres Zusammenlebens – auf lokaler und globaler Ebene – stellen, nicht nur aus Sicht der Kultur- und Sozialanthropologie, sondern am besten im Gespräch mit anderen Museen und Disziplinen. Die Debatte um die Dekolonisierung von Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen, um Provenienz und Restitution, wird hier einen Ort haben. Dabei schafft die geplante Dependance des Weltkulturen Museums eine noch engere Verzahnung mit dem Stadtraum und der Stadtgesellschaft, was ich als große Chance begreife."
Die 1971 in Erlangen geborene Förster studierte Ethnologie, Politikwissenschaft und Geografie an der Universität zu Köln. Dort promovierte sie auch zu dem Thema postkoloniale Erinnerungskultur im heutigen Namibia. Als Co-Kuratorin wirkte sie unter anderem an zwei Sonderausstellungen am Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln mit, die eine Schnittstelle zwischen Ethnologie und Geschichte beziehungsweise zeitgenössischer Kunst schaffen. Eine Ausstellung trug den Titel "Namibia - Deutschland: eine geteilte Geschichte. Widerstand, Gewalt, Erinnerung". Diese wurde 2005 auch im Deutschen Historischen Museum in Berlin gezeigt. In der Hauptstadt setzte Förster auch ihre universitäre Laufbahn an der Humboldt-Universität zu Berlin am Centre for Anthropological Research on Museums and Heritage fort.
Ab 2017 arbeitete Förster als Sprecherin der AG Museum der Deutschen Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie und setzte dort Impulse in der ethnologischen beziehungsweise postkolonialer Provenienzforschung. Des Weiteren war sie Mitglied in zwei Arbeitsgruppen des Deutschen Museumsbundes, aus denen die Leitfäden "Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten" und "Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten" hervorgingen. Zudem ist sie Mitherausgeberin des Bandes "Museumsethnologie – Eine Einführung: Theorien, Debatten, Praktiken". Zuletzt war sie am Aufbau des Fachbereichs "Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten" an der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste beteiligt, den sie seit 2019 leitet. Außerdem ist Förster Mitinitiatorin und wissenschaftliche Beraterin des Projekts "Confronting Colonial Pasts, Envisioning Creative Futures", in dessen Rahmen 2024 eine Restitution vom Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin an das National Museum of Namibia in Windhoek erfolgte. Zusätzlich lehrt Förster als Honorarprofessorin am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt- Universität zu Berlin.
Sophie-Marie Jahn 15.10.2024









