
Die in Deutschland verfügbaren Kulturangebote sind für Mehrheit der Gesellschaft von zentraler Bedeutung - Foto: Besim Mazhiqi
Gesellschaftliche Relevanz
Kulturangebot hält deutsche Bevölkerung zusammen
Bereits zum zweiten Mal hat die Liz Mohn Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut forsa den Relevanzmonitor Kultur veröffentlicht. Die aktuelle Studie, die die Rolle der Kultur in der deutschen Gesellschaft analysiert, kommt zu dem Ergebnis: 87 Prozent der Bevölkerung sehen Kultur als verbindendes Element und als wesentlich für die Demokratiebildung. Zudem ermöglicht sie Gemeinschaftserlebnisse, fördert die individuelle Meinungsbildung und regt zum kritischen Denken an.
Liz Mohn, Gründerin und Vorsitzende des Vorstands der Liz Mohn Stiftung, betont: "Kultur bringt Menschen zusammen und baut Brücken der Verständigung. Kulturangebote ermöglichen neue Perspektiven auf gesellschaftliche Fragen und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Unser aktueller Relevanzmonitor Kultur bestätigt dies auf eindrucksvolle Weise. Junge Menschen wünschen sich attraktive Kulturangebote, die ihre Lebensrealität stärker einbeziehen."
Weitere Effekte der Kultur, allerdings unterschiedliche Ausprägung
Darüber hinaus sehen rund 60 Prozent der Befragten Kultur als wichtigen Standortfaktor. Die Angebotsvielfalt variiert zwar zwischen Großstädten und ländlichen Gebieten, doch die Studienteilnehmer sind sich einig, dass Kultur die Lebensqualität maßgeblich beeinflusst.
Insbesondere auf junge Menschen haben Kulturinstitutionen einen großen Einfluss. Während zwei Drittel der Gesamtbefragten angeben, durch Kultur Antworten auf gesellschaftliche Fragen zu erhalten, die in den täglichen Nachrichten oft nicht behandelt werden, sehen vor allem die unter 30-Jährigen Kultur als "Inspirationsquelle und kreativen Reflexionsraum".
Die Analyse zeigt jedoch auch, dass das Kulturangebot sowie dessen Wahrnehmung und Bewertung regional unterschiedlich ausgeprägt sind. So geben neun von zehn Menschen in urbanen Zentren an, dass das kulturelle Angebot gut ist, während dies in kleineren Gemeinden nur fünf von zehn Personen finden. Als Hauptgrund für diese Diskrepanz wird das unterschiedliche Angebot genannt.
Stiftung gibt Handlungsempfehlungen
Um die Rolle der Kultur als gesellschaftlicher Faktor weiter zu stärken, hat die Liz Mohn Stiftung folgende Handlungsempfehlungen formuliert:
- Zugang zu Kultur verbessern: Politik und Träger von Kulturinstitutionen sollten niedrigschwellige Angebote und Formate schaffen, die insbesondere junge Menschen und einkommensschwache Gruppen stärker einbeziehen. Gleichzeitig braucht es einen besseren und zielgruppengerechten Zugang zu Informationen über Kulturangebote.
- Kultur als "Demokratie-Labor" nutzen: Kulturinstitutionen könnten noch stärker als Orte der gesellschaftlichen Auseinandersetzung und Wertevermittlung gefördert und bestehende Strukturen erhalten und weiterentwickelt werden.
- Kulturelle Bildung ausbauen: Es empfiehlt sich, Kultur wieder verstärkt als Bestandteil der schulischen und universitären Bildung zu integrieren, um frühzeitig die Bedeutung kultureller Teilhabe zu vermitteln.
- Attraktivere Kulturformate entwickeln: Geförderte Kulturinstitutionen sollten partizipative, alltagsnahe Veranstaltungen und Programme etablieren, die die Lebensrealität der jungen Generation besser widerspiegeln und ihnen so einen leichteren Zugang zu den Angeboten bieten.
- Stadt-Land-Gefälle reduzieren: Kulturangebote in ländlichen Regionen müssen gezielt ausgebaut werden, z.B. durch mobile Kulturformate oder neue Kooperationsformen.
- Bekenntnis zur Kulturförderung: Eine parteiübergreifende Förderung der Kultur ist essenziell für eine langfristige Sicherung der Vielfalt an kulturellen Angeboten und Strukturen. Politische Entscheidungsträger:innen sollten über Legislaturperioden hinweg eine verlässliche und stabile Unterstützung der Kultur gewährleisten, da sie eine zentrale Säule des gesellschaftlichen Zusammenhalts darstellt.










