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(v.l.) Reinhard Meyer, Präsident des Deutschen Tourismusverbands, Ingmar Behrens, Generalsekretär des German Council of Shopping Places, bcsd-Bundesvorsitzende Bernadette Spinnen, Kieler Marketingchef Uwe Wanger und bcsd-Geschäftsführer Jürgen Block auf dem Deutschen Stadtmarketingtag 2025 – Foto: Peter Wieler

bcsd

Rückblick: Deutscher Stadtmarketingtag 2025

Unter dem Motto "Eine Stadt, die verbindet – Stadtmarketing für Gemeinschaft und Engagement" kamen auf Einladung des Bundesvereinigung für City- und Stadtmarketing e.V. (bcsd) und der Kiel-Marketing GmbH vom 6. bis 8. April 2025 Stadtmarketingverantwortliche, Expertinnen und Experten sowie weitere Akteure in der Landeshauptstadt Kiel zusammen. Im Mittelpunkt stand der Austausch darüber, wie das Stadtmarketing den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und die Bürgerbeteiligung fördern kann.

Nach dem traditionellen Exkursionstag startete am Montag, den 7. April, die Haupttagung. Nach der Eröffnungsrede der bcsd-Bundesvorsitzenden Bernadette Spinnen begrüßte der Kieler Stadtmarketingchef Uwe Wanger die knapp 230 Teilnehmenden. Der Vormittag stand ganz im Zeichen politischer Perspektiven. Zunächst betonte Claus Ruhe Madsen, Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein, wie wichtig die Wahrnehmung einer Stadt ist – sei es im Tourismus, bei der Unternehmensansiedlung, im Recruiting oder für die Identifikation mit der Kommune. Im Anschluss daran appellierte Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg, angesichts der multiplen Krisen an die Teilnehmenden mit mehr Zuversicht und Mut in die Zukunft zu blicken.

Am Nachmittag rückte Jan Holze, Vorstand der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt, das Thema Ehrenamt in den Fokus (PUBLIC MARKETING hat im Vorfeld mit Holze gesprochen). Er machte deutlich, wie wichtig das Ehrenamt für den sozialen Zusammenhalt und die Lebensqualität in einer Stadt sind und warum Kommunen das Ehrenamt gezielt unterstützen sollten. Den Abschluss des Tages bildeten zwei Formate zum Thema Stakeholder-Management. Thorsten Kausch, geschäftsführender Gesellschafter der Stadtmanufaktur GmbH, zeigte in seinem Vortrag auf, dass sich die Stakeholder-Landschaft in den vergangenen Jahren gewandelt hat – neue sind dazugekommen, andere haben an Relevanz verloren. Umso wichtiger sei es, nicht nur an traditionellen Partnerschaften festzuhalten, sondern offen für neue Akteure zu sein. In der daran anschließenden Diskussion mit Thorsten Kausch, Bernadette Spinnen, Jan Holze und Gerold Leppa, stellvertretender Bundesvorsitzender der bcsd, hatten die Teilnehmer:innen die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu teilen, Herausforderungen zu benennen und Best-Practice-Beispiele einzubringen.

Der zweite Tag startete mit einem Rückblick von Uwe Wanger auf die Entwicklung der Kiel-Marketing GmbH und der Stadt in den vergangenen Jahren. Danach ging es in die Praxis: In kurzen Sessions stellten Offenbach am Main, Reutlingen und Öhringen vor, wie sie die lokale Bevölkerung aktivieren und in ihre Projekte einbinden. Aufgrund des krankheitsbedingten Ausfalls von Dennis Hoenig-Ohnsorg sprang kurzfristig der freiberufliche Historiker Clemens Tangerding ein. Er berichtete von seinem Projekt "Das Dritte Reich und wir", in dessen Rahmen er in zehn Gemeinden gemeinsam mit der lokalen Community die NS-Zeit aufgearbeitet hat.

Insgesamt lieferte der Deutsche Stadtmarketingtag 2025 Impulse dafür, wie Stadtmarketing gezielt zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts und zur Förderung der Bürgerbeteiligung beitragen kann. In ihrer Abschlussrede unterstrich bcsd-Bundesvorsitzende Bernadette Spinnen die zentrale Rolle des Stadtmarketings dabei, Orte zu schaffen, mit denen sich Menschen wieder stärker verbunden fühlen.

 

Drei zentrale Erkenntnisse der Tagung:

1. Ein neues Mindset muss her

Die Diskussionen auf dem Deutschen Stadtmarketingtag machten deutlich, dass ein Umdenken notwendig ist. Multiple Krisen und Herausforderung führen zunehmend zu Unzufriedenheit und Pessimismus. Es braucht einen konstruktiven Zukunftsblick. Das Stadtmarketing kann durch Geschichten, sichtbare Fortschritte und das Setzen von Impulsen eine aktive Rolle spielen, ein Gefühl des Aufbruchs zu vermitteln.
 

2. Engagement aus der Bevölkerung ist wichtiger denn je – und verdient Wertschätzung

Die Bürger:innen sind das Rückgrat lebendiger Kommunen. Städte und Stadtmarketingorganisationen sollten daher das Engagement aus der Bevölkerung aktiv fördern, attraktiv gestalten und entsprechend würdigen. Denn in der Regel engagieren sich die Bürger:innen in ihrer Freizeit. Herausforderungen wie die Überlastung sollten daher ernstgenommen werden. Eine klare Aufgabenverteilung, flexible Strukturen und projektbezogene Beteiligung können helfen.
 

3. Offenheit für neue Partnerschaften

Das Stadtmarketing sollte offen dafür sein, neue Stakeholder zu identifizieren und einzubinden. Es reicht nicht mehr, nur mit den bekannten Gesichtern zu sprechen. Die Stadtgesellschaft ist vielfältig – und jede Gruppe hat eigene Zugänge, Themen und Bedürfnisse. Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Erfolgreiches Stakeholdermanagement erfordert maßgeschneiderte Formate und individuelle Kommunikationsangebote. Persönlicher Kontakt ist dabei entscheidend. Denn Vertrauen entsteht im direkten Austausch und durch gegenseitige Anerkennung.

 

Fotos: Peter Wieler

 

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