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Junge Menschen stehen unter Druck. Trotzdem verlieren sie ihren Zukunftsglauben nicht – Foto: Xavier Lorenzo-AdobeStock

Jugend in Deutschland

Junge Menschen sind hoffnungsvoll, aber mental angespannt

Trotz multipler Krisen und Kriege bleiben junge Menschen hoffnungsvoll. Zu diesem Ergebnis kommt die Trendstudie "Jugend in Deutschland" von Simon Schnetzer, Dr. Kilian Hampel und Prof. Dr. Klaus Hurrelmann. Demnach blicken 65 Prozent der 14- bis 29-Jährigen zufrieden auf ihre persönliche Zukunft. Zudem zeichnet sich die Generation durch Verantwortungsbewusstsein, Leistungsbereitschaft und den Wunsch nach aktiver Mitgestaltung aus. Studienleiter Schnetzer fasst die Ergebnisse zusammen: "Die junge Generation zeigt sich solidarisch gegenüber den Älteren, ist leistungsbereit und orientiert sich an traditionellen Tugenden."

Das zeigt sich unter anderem am Beispiel der Rentendebatte: Die Mehrheit der jungen Befragten ist bereit, steigende Rentenkosten zu tragen, um die Versorgung der Älteren zu gewährleisten. Das ist vor allem vor dem Hintergrund bemerkenswert, dass derzeit 20 Prozent der jungen Menschen selbst verschuldet sind – ein neuer Rekordwert – und nur elf Prozent an eine sichere Rente glauben. "Diese solidarische Haltung unterstreicht den Wunsch nach einem fairen Generationenvertrag. Doch dafür braucht es Bildung für den Umgang mit Geld und Altersvorsorge sowie politische Antworten auf die Frage: 'Wie sichern wir die Zukunft dieser Generation?' – und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt", sagt Hampel.

Die Trendstudie räumt außerdem mit dem Vorurteil der "faulen Jugend" auf: 81 Prozent der jungen Befragten arbeiten in Vollzeit und damit mehr als bei den älteren Generationen. Die Jungen gaben auch an, auf der Arbeit ihr Bestes geben zu wollen. Allerdings fühlt sich ein Drittel von ihnen regelmäßig ausgebrannt aufgrund von Stress, hohen Erwartungen und mangelnder Wertschätzung. Für ihre Leistungen erwarten junge Menschen laut Schnetzer eine gute Arbeitsatmosphäre, Work-Life-Balance und Sicherheit. Davon würde auch die mentale Gesundheit profitieren, denn jeder vierte junge Mensch sieht Behandlungsbedarf bei der eigenen psychischen Verfassung. Die Hälfte von ihnen berichtet von Stress (49 %), ein Drittel von Erschöpfung (34 %), Selbstzweifeln (32 %) und Antriebslosigkeit (30 %). Die Studienautoren sehen insbesondere in den sozialen Medien einen Katalysator für den mentalen Zustand der jungen Generation. Hurrelmann erklärt: "Digitale Medien, Social Media und Künstliche Intelligenz prägen das Leben junger Menschen – mit Licht- und Schattenseiten. Die Studie zeigt klare Zusammenhänge zwischen digitalem Nutzungsverhalten und psychischer Belastung. Es braucht eine umfassende digitale Bildungsoffensive, die Resilienz, kritisches Denken und Medienkompetenz stärkt." Kraft ziehen junge Menschen vorwiegend aus der Familie, Partnerschaft oder Lebenszielen. Glaube oder Natur spielen dabei eine untergeordnete Rolle.

Auch das Thema Politik hat die Studie unter die Lupe genommen. Den Verantwortlichen zufolge ist der Glaube junger Menschen an das politische System erschüttert. Sie fühlen sich von der Politik nicht repräsentiert, und ihre Lebensrealität spielt bei Entscheidungen kaum eine Rolle. Dies würde wiederum dazu führen, dass sich radikaleren Kräften zuwenden. Die Autoren formulieren daher Erwartungen an die neue Bundesregierung im Umgang mit jungen Menschen. Die Regierung soll nicht nur verwalten und von jungen Menschen fordern, sondern ihnen eine lebenswerte Zukunft ermöglichen. Die wirtschaftliche und soziale Lage muss sich spürbar verbessern. Dazu gehören bezahlbarer Wohnraum, gerechte Bildungschancen, ein stabiles Rentensystem, politische Teilhabe sowie Kompetenzen für eine lebenswerte Zukunft. Schnetzer betont: "Zukunft entsteht nicht durch Appelle zur Resilienz, sondern durch gerechte Rahmenbedingungen. Die junge Generation will nicht nur funktionieren, sie will gestalten – und erwartet von der neuen politischen Führung, dass sie diesen Gestaltungswillen ernst nimmt."

Für die achte Ausgabe der Trendstudie "Jugend in Deutschland" wurden von Januar bis Februar 2025 mehr als 6.000 Personen befragt. Neben 2.000 jungen Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren gehörten auch 4.000 Personen zwischen 30 und 69 Jahren zu den Befragten, um die verschiedenen Generationen miteinander zu vergleichen.
 

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