Hochschulleitungen beklagen organisatorische Spannungen
Hochschulpräsidenten und Rektoren charakterisieren Hochschulen als besonders spannungsreiche Organisationen: Die für gute Wissenschaft unabdingbare Autonomie der Hochschulmitglieder müsse gewahrt bleiben und gleichzeitig die Strategiefähigkeit im Interesse der Gesamtorganisation gewährleistet sein. Intensives Kommunizieren und das Einbeziehen von Hochschulmitgliedern statt autoritärem "Durchregieren" sei aus Sicht der Führungskräfte entscheidend. Dies zeigt die aktuelle Studie "Führung in Hochschulen aus der Perspektive von Hochschulleitungen" des CHE Centrum für Hochschulentwicklung, Gütersloh. Hochschulleitungen wurden zu ihrem Verständnis von Führung, zu den wichtigen Bereichen des Hochschulmanagements und zu externen Herausforderungen befragt.
"Selbst nach der Stärkung der Position der Hochschulleitungen in den letzten Jahren kann von einer Hinwendung zu einem 'Durchregieren' nicht die Rede sein", sagt Vitus Püttmann, Autor der Studie. "Autoritäre Formen des Führens werden von den Befragten als nicht angemessen angesehen. Vielmehr zeigt die Auswertung, dass weitgehend partizipative Führungsstile dominieren."
Partizipation ist gefragt
Die Herausforderung, zwischen strategischer Steuerung, wie sie als typisch für Unternehmen angesehen wird, und den Spezifika der Organisation Hochschule vermitteln zu müssen, wird von über der Hälfte der Befragten angesprochen. Gefragt sind entsprechend kommunikative und soziale Kompetenzen bei Hochschulpräsidenten und Rektoren.
Trotz der grundlegend partizipativen Ausrichtung finden sich jedoch auch autoritäre Elemente im Führungshandeln, dies umso stärker, wenn es darum geht, Maßnahmen in den Hochschulen konkret umzusetzen. Von außen kommende Hochschulleitungen haben dabei keineswegs ein autoritäreres Führungsverständnis als intern gewählte; im Gegenteil finden sich bei ihnen eher mehr Merkmale partizipativer Führung. Klischees wie der "externe Macher" und der "kollegiale Interne" finden somit keine Bestätigung. Es zeigen sich aber Hinweise darauf, dass die partizipative Ausrichtung des Führungshandelns zunimmt, je größer die Hochschule ist oder je länger die Führungskraft im Amt ist.
"Führung von Hochschulen wird von den Befragten als ein vielschichtiger Prozess beschrieben. Dabei bedarf es offenbar sowohl der persönlichen Durchsetzungsfähigkeit als auch der professionellen Gestaltung von Prozessen und Strukturen", resümiert Püttmann.
Rebekka Hans 25.10.2013









