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Die Kunsthalle Bremen war Veranstaltungsort des zweiten Kongresstages – Foto: Sophie-Marie Jahn

Kulturmarketing

KI ist im Kultursektor angekommen, doch der Umgang bleibt gespalten

Für viele Akteure in Kommunikation und Marketing gehört der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) inzwischen zum Alltag – auch im Kultursektor. Doch wie können Museen, Theater und andere Kulturinstitutionen KI gezielt nutzen? Mit dieser Frage beschäftigte sich das 14. Hans Diers Marketing Symposium, das von der Kunsthalle Bremen, dem Bremer Kunstverein, dem Hamburger Institut Markt.Forschung.Kultur, der Hochschule Bremen und der WFB Wirtschaftsförderung Bremen organisiert wird. Am 20. und 21. April 2026 kamen Entscheidungsträger:innen und Kulturverantwortliche aus ganz Deutschland in Bremen zusammen, um Potenziale und Grenzen von KI zu diskutieren und Impulse für ihre eigene Arbeit mitzunehmen.

Zum Auftakt des Symposiums wurden die Teilnehmenden im Rahmen eines Workshops selbst aktiv. Gemeinsam mit Julia Meyners, User-Experience-Designerin und Gründerin von VXD Studio, experimentierten sie mit KI-Technologien für ihr eigenes Kulturmarketing. Am zweiten Tag standen dann die Vorträge im Mittelpunkt. Nach einer kurzen Begrüßung durch Andrea Hagemann, Geschäftsführerin der Kunsthalle Bremen, und Dr. Peter Schmidt, Professor für Volkswirtschaftslehre und Statistik an der Hochschule Bremen und am Institut Markt.Forschung.Kultur, zeigte Jens Polomski, Gründer von SnipKI, die vielfältigen Möglichkeiten auf, die KI bietet – von eigenen Assistenten über ganze KI-Teams bis hin zum Programmieren mit KI.

Die anschließende Diskussion über Datensouveränität und Datennutzung bot einen passenden Übergang zum nächsten Impulsvortrag. Rechtsanwältin Ina Ruhoff klärte darin über rechtliche Rahmenbedingungen auf, wie die Kennzeichnung von KI-Inhalten und Urheberrechtsfragen bei KI-generierten Inhalten. Wird KI als Werkzeug eingesetzt, greift laut Ruhoff das Urheberrecht. Entscheidend sei dabei die Art der Interaktion mit dem jeweiligen Tool. Um dies nachvollziehen zu können, empfiehlt sie, die Prompthistorie zu speichern.

Learnings aus der Praxis

Marketing-Coach Martin Juhls von der Initiative Kulturkommunikation motivierte in seinem Vortrag mit mehreren Impulsen zur Nutzung von KI. Sein Appell: Akteure sollten auf die KI-Welle aufspringen und sich die Technologie zu eigen machen.

Nach eher theoretischen Vorträgen folgte dann der Blick in die Praxis: Dr. Christian Gries, Leiter der Abteilung Digitale Museumspraxis & IT am Landesmuseum Württemberg, und Maik Romberg, Mitgeschäftsführer und Transformationsmanager für Nachhaltige Kultur bei den Münchner Kammerspielen, gaben Einblicke in ihren jeweiligen Umgang mit KI. Während das Landesmuseum Württemberg die Technologie im Rahmen seiner Jubiläumsausstellung zum Bauernkrieg eingesetzt hat, haben die Münchner Kammerspiele damit begonnen, ihre Prozesse mithilfe von KI zu automatisieren.

Den Abschluss der Vortragsreihe bildete Markus Neckar, Chief AI Officer und Executive Creative Director bei der Werbeagentur palmerhargreaves. Auch er warb für den Einsatz von KI und erläuterte, warum selbst Karl Marx ein "Fan von KI" gewesen wäre, denn die Technologie würde Produktionsprozesse demokratisieren. In diesem Zusammenhang macht Neckar ebenfalls deutlich: Wer die Maschinen kontrolliert, kontrolliert auch, was produziert wird.

 

Zentrale Erkenntnisse vom Symposium

  1. Individuelle KI-Lösungen sind der Schlüssel zum Erfolg.

Vortragsübergreifend wurde deutlich, dass es wenig ratsam ist, komplette KI-Systeme einfach zu übernehmen. Erfolgversprechender ist es, eigene KI-Anwendungen zu entwickeln, sei es in Form von Chatbots oder automatisierten Prozessen, die auf die individuellen Rahmenbedingungen und Bedürfnisse zugeschnitten sind. Voraussetzung dafür sind jedoch klare und feste Strukturen.

 

  1. GEO wird das neue SEO.

Mit Chatbots wie ChatGPT, Google Gemini oder Claude verändert sich das Such- und Informationsverhalten der Menschen grundlegend. Marketer und Kommunikationsverantwortliche müssen diese Entwicklung hin zu einer Generative Engine Optimization mitdenken und neu justieren, wo ihre Botschaften platziert werden. Künftig wird entscheidend sein, welche Marken und Institutionen ein Chatbot zuerst nennt.

 

  1. Trotz wachsender KI-Nutzung bleibt die Skepsis.

Obwohl die Mehrheit der Teilnehmenden KI bereits in ihrem Alltag verwendet, bestehen weiterhin Bedenken – sowohl auf rechtlicher Ebene als auch in moralischer und ökologischer Hinsicht. Gerade rund um die Datennutzung und -verwertung herrscht noch viel Unsicherheit darüber, was rechtlich zulässig ist. Für Institutionen bedeutet das, die KI-Kompetenz ihrer Mitarbeitenden gezielt zu stärken, unter anderem durch Leitfäden, Schulungen und Workshops.

 

  1. KI ist kein Allzweckmittel.

Trotz der rasanten Entwicklung von immer neuen KI-Tools und Möglichkeiten darf nicht vergessen werden: Nicht alles muss mit KI generiert werden. An welchen Schnittstellen der Einsatz von KI sinnvoll ist – und an welchen nicht – muss anhand der eigenen Ziele und Strategien individuell entschieden werden. Wer beispielsweise die direkte Interaktion mit seiner Zielgruppe als wichtig erachtet, sollte das Community Management eher nicht der KI überlassen.

 

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