
Die Offensive "cocaine insights" macht die Zusammenhänge zwischen Koka-Anbau, Kokainhandel und -konsum und deren gesundheitlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Folgen deutlich – Foto: BMI
Aufklärung
Das BMI macht sichtbar, was Kokainkonsum kostet
In Europa und Deutschland steigt der Kokainkonsum. Insbesondere unter jungen Menschen gewinnt die Droge an Bedeutung, wie die Drogenaffinitätsstudie 2025 des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit, zeigt. Demnach konsumieren 4,1 Prozent der 18- bis 25-Jährigen Kokain. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag der Wert noch bei 1,2 Prozent. Zudem berichten 19 Prozent, bereits Erfahrungen mit Kokain gemacht zu haben.
Als Reaktion auf diese Entwicklung hat das Bundesministerium des Innern (BMI) die Aufklärungskampagne "cocaine insights" gestartet. Diese thematisiert gesundheitlichen Folgen des Konsums sowie die weitreichenden Auswirkungen auf Gesellschaft und Herkunftsländer. Denn der Anbau und der illegale Handel sind eng mit organisierter Kriminalität verknüpft – von Geldwäsche über Korruption bis hin zur Unterwanderung legaler Wirtschaftsstrukturen. Des Weiteren destabilisiert der Kokainhandel demokratische Strukturen in den lateinamerikanischen Herkunftsländern. Auch die ökologischen Folgen sind erheblich: Der Koka-Anbau zerstört Landschaften sowie Regenwaldgebiete und vertreibt indigene Völker.
Auf diese Zusammenhänge macht seit Juli 2026 der Instagram-Account @koks_erzaehlt aufmerksam, der als zentraler Bestandteil der Kampagne fungiert. In den kommenden vier Monaten werden auf dem Kanal Beiträge zu den drei Themenbereichen Anbau, Herkunft und Herstellung, Transit sowie Vertrieb und Auswirkungen veröffentlicht. Der Account zeigt den Weg des Kokains von Lateinamerika bis nach Deutschland und dessen Auswirkungen vor Ort auf. Ziel ist es, einen neuen Blickwinkel auf den Kokainkonsum zu ermöglichen und dazu anzuregen, das eigene Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen.
Zum Weltdrogentag im Juni warnte auch Prof. Dr. Hendrik Streeck, der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, vor dem steigenden Kokain-Konsum – gerade bei jungen Menschen: "Kokain gilt vielen noch immer und wieder mehr als Party- oder Leistungsdroge. Das ist eine gefährliche Täuschung. Aus ärztlicher Sicht ist eindeutig: Kokain kann schnell abhängig machen und schwere Schäden an Herz, Gehirn und Psyche verursachen. Kokain zerstört aber auch weit über den einzelnen Konsum hinaus. Jede Linie finanziert kriminelle Netzwerke, die von Gewalt, Menschenhandel und Korruption leben. Wir brauchen deshalb eine ehrliche Prävention, die junge Menschen früher und auf Augenhöhe erreicht, auch im digitalen Raum. Und wir brauchen verlässliche Beratung und Hilfe. Gerade in schwierigen Haushaltszeiten entscheidet sich, ob wir Sucht verhindern oder ihre Folgen später teuer bezahlen."
Im Juli haben Deutschland und Frankreich gemeinsam eine europäische Initiative gegen Kokain- und Crackabhängigkeit ins Leben gerufen. Im Fokus stehen die Erforschung und Entwicklung wirksamer Behandlungsmethoden. Zu diesem Zweck sollen bestehende Forschungsprojekte besser gebündelt, gemeinsame Prioritäten festgelegt und Studien besser koordiniert werden. Darüber hinaus sollen wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Versorgung von Patient:innen einfließen.
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Sophie-Marie Jahn 10.08.2026









