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Von September bis November 2026 macht die Unabhängige Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs auf sexualisierte Gewalt gegen Menschen mit Behinderung aufmerksam – Foto: RYSM

Awareness

Bundesweite Kampagne klärt über sexuelle Gewalt an jungen Menschen mit Behinderung auf

Die Unabhängige Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs ruft Betroffene sexueller Gewalt mit Behinderung dazu auf, sich bei ihr zu melden. Im Rahmen der bundesweiten Kampagne „Offen für deine Geschichte” bietet die Kommission in Zusammenarbeit mit der Agentur RYSM Betroffenen eine Plattform, um ihre Geschichte mit der Öffentlichkeit zu teilen. Denn laut den Verantwortlichen geschieht sexualisierte Gewalt oft hinter verschlossenen Türen – und selbst wenn Betroffene über ihre Erlebnisse sprechen, werden sie oft nicht gehört.

Die verschlossene Tür wird dabei zum zentralen Symbol der Kampagne. Sie verdeutlicht den Schritt der Betroffenen, mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit zu treten, und wird so Teil ihrer Befreiung. Prof. Dr. Julia Gebrande, die Vorsitzende der Aufarbeitungskommission des Bundes, betont: „Kinder und Jugendliche mit Behinderungen sind besonders gefährdet für sexuellen Missbrauch. Sie sind oft auf Unterstützung angewiesen. Daraus entsteht ein ungleiches Machtverhältnis, das von Tätern leicht ausgenutzt werden kann. Gleichzeitig gibt es zu wenig konkrete Maßnahmen, um sie zu schützen oder ihnen zu helfen, wenn sie Gewalt erlebt haben. Das wollen wir ändern.“

Die zuständige Agentur RYSM setzte dabei bewusst auf eine reduzierte, visuelle Inszenierung. „Wir wollten bei der Umsetzung bewusst für die Orte und Momente des Geschehens sensibilisieren, aber niemanden triggern. Ein abstraktes, reduziertes Bühnenbild gibt den Geschichten ihren eigenen Raum“, erklärt Maud Radke, Creative Director Art bei RYSM. Unterstützt wurde die Agentur dabei von Expertinnen und Experten mit Behinderung.

Insgesamt wurden sechs Spots und Motive entwickelt, die Missbrauchsgeschichten aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählen. Die Spots sind in Zusammenarbeit mit der Berliner Videoproduktion Gretchen GmbH und unter der Regie von Juliane Taudt entstanden. Die Kampagnenmotive wurden von Darius Ramazani fotografiert. Das erste Motiv ist bereits auf dem Instagram-Kanal der Kommission zu sehen. Die anderen Motive werden bis November schrittweise veröffentlicht. Sie sind auf der Internetseite der Kommission, in Tageszeitungen sowie im öffentlichen Raum zu sehen. Zusätzlich werden Flyer, Postkarten und ein Plakat in Leichter Sprache an Einrichtungen für Menschen mit Behinderung versandt.

Die Kampagne richtet sich zunächst gezielt an Menschen mit Behinderung, die in ihrer Kindheit oder Jugend sexualisierte Gewalt erlebt haben. Doch auch Zeuginnen und Zeugen von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche – beispielsweise Mitarbeitende in Einrichtungen der Eingliederungshilfe – sind dazu aufgerufen, sich bei der Aufarbeitungskommission zu melden. Mit der Kampagne verfolgt die Kommission das Ziel, den Kinderschutz weiter zu stärken. So wollen die Verantwortlichen künftig mehr Menschen mit Behinderung erreichen. Gleichzeitig will die Kommission untersuchen, welche Bedingungen den Missbrauch ermöglicht haben und welche Strukturen dazu beitragen, dass Gewalt verschwiegen und Aufklärung verhindert wird.
 

 
 

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