"Das mobile Internet wird im Handel der Zukunft eine herausragende Rolle spielen"
Die Zukunft des stationären Handels liegt im Internet - vorausgesetzt, die Händler werden den Nutzungsgewohnheiten und Erwartungen der Konsumenten gerecht. Statt sich im Laden beraten zu lassen und dann online zu shoppen, sucht die Mehrheit der Verbraucher gezielt Informationen im Netz, um anschließend beim stationären Händler zu kaufen. Vor allem standortbezogene Dienste (Location-based Services, LBS) haben das Potenzial, das Einkaufsverhalten von Konsumenten zu beeinflussen und lokale Händler zu stärken. Zu diesen Erkenntnissen kommt eine Studie zu Zukunft und Potenzialen von standort-bezogenen Diensten für den stationären Handel.
Veröffentlicht wurde die Studie jetzt vom eWeb Research Center der Hochschule Niederrhein zusammen mit dem Handelsverband Deutschland HDE und kaufDA (ein Online-Netzwerk, das standortbezogen digitalisierte Einkaufsprospekte im Internet publiziert). Für die bundesweit repräsentative Untersuchung hat das Marktforschungsunternehmen Innofact AG insgesamt 2.016 Personen ab 14 Jahren befragt. Ziel der Studie war es, die Hypothese "Mobiles Internet fördert die Wiederbelebung des stationären Handels" zu prüfen sowie einen Zeitreihenvergleich zu den Studienergebnissen aus dem Vorjahr 2013 zu realisieren.
Smartphone als lokale Einkaufshelfer
Die Studie zeigt, dass die Penetration von Smartphones und Tablet-PCs innerhalb von einem Jahr um 51 Prozent angestiegen ist, 2013 hatten 44 Prozent der Befragten ein solches Gerät, 2014 sind es 69 Prozent. Nahezu alle unter 30-Jährigen besitzen aktuell ein Smartphone (94%). Das mobile Internet wird vor allem unterwegs genutzt. Das geben 92 Prozent der Befragten an. Dabei verwenden rund zwei Drittel von ihnen ihr Gerät dort, wo Produkte verkauft werden, also am Point of Sale. Demgegenüber werden Tablet-PCs (90%) ebenso wie PCs und Laptops (98%) zur Informationssuche überwiegend zu Hause genutzt. Bei der mobilen Informationsbeschaffung spielen laut der Untersuchung LBS eine wichtige Rolle: Smartphone- bzw. Tablet-PC-User nutzen zu 81 Prozent (79% im Jahr 2013) eine App, die ihren aktuellen Standort verwendet (z.B. Wetter-Apps und Kartendienste). Mehr als die Hälfte der Befragten (ungewichtet 56% gegenüber 51,3% im Jahr 2013) greifen auf Apps zurück, um Informationen über Preis- und Warenangebote von bestimmten Händlern in der Nähe anzuzeigen. Für 79 Prozent ist es wichtig, die Verfügbarkeit von Produkten mobil abzufragen zu können (2013 waren es 73%).
Online recherchieren, offline einkaufen
In Hinblick auf das Informations- und Kaufverhalten bestätigen die Befragungsergebnisse von 2014 die Zubringerfunktion des Internets für den stationären Handel. Während im Jahr 2013 noch die meisten Befragten (35%) angaben, über den Laptop/PC nach Informationen zu suchen, um dann auch online zu kaufen, zeigt sich 2014 eine überraschende Veränderung: Auf Platz eins liegt mit 39 Prozent die Online-Recherche mit anschließendem Kauf im Geschäft ("ROPO" - Research online, purchase offline). Die Nutzung von Smartphones und/oder Tablet-PCs als Informationsmedium vor dem Kauf in einem Geschäft ist im Vergleich zum Vorjahr um 150 Prozent gestiegen. So verdeutlichen die diesjährigen Ergebnisse das vorhandene Potenzial des mobilen Internet für den stationären Handel. Location-based Services (LBS) können dabei eine wichtige Rolle spielen - vorausgesetzt, sie erfüllen die Erwartungshaltung der Kunden, die mit zunehmender Smartphone-Nutzung steigt. So erwarten Konsumenten von LBS mit 82 Prozent (2013 waren es 73%) in erster Linie Infos über Ladenöffnungszeiten. Knapp dahinter liegt mit 78 Prozent bereits die Verfügbarkeitsabfrage (2013: 70%). An dritter Stelle folgt der Lieferservice mit 67 Prozent.
"Das mobile Internet wird im Handel der Zukunft eine herausragende Rolle spielen", sagt Stephan Tromp, stellvertretender Hauptgeschäftsführer vom Handelsverband Deutschland (HDE), Berlin. "Eine enorm wachsende Zahl an Kunden erwartet, auf dem Smartphone Informationen über ihre stationären Händler abrufen und den Besuch von Geschäften damit vorbereiten zu können. Insofern sind Location-based Services eine große Chance für stationäre Händler, den sich ändernden Kundenerwartungen Rechnung zu tragen und den digitalen Trend für ihr Geschäft nutzen zu können."
Prof. Dr. Gerrit Heinemann vom eWeb Research Center, wissenschaftlicher Leiter der Studie, ergänzt: "Derzeit ist im Handel wie in kaum einem anderen Wirtschaftssektor eine extreme Dynamik zu beobachten, die zu enormen Veränderungen der Handelsstrukturen führt. Insbesondere die Digitalisierung des Handels und die Entwicklung des mobilen Internets sind Treiber dieser Entwicklung. Die Studie macht deutlich, dass vor allem die Smartphone-Nutzung und standortbezogene Dienste enorme Chancen für den stationären Handel mit sich bringen."
Yvonne Wodzak 23.09.2014










