
Ost und West schauen optimistisch in die Zukunft
Die Ostdeutschen sind so optimistisch wie noch nie seit der Wiedervereinigung. 25 Jahre nach dem Mauerfall rücken sie in ihren Werten und Lebenszielen mit ihren Nachbarn im Westen immer näher zusammen. Das ist das Fazit der neuen Studie "Wertewandel Ost", die das Institut für Demoskopie Allensbach mit Sitz in Allensbach am Bodensee durchgeführt hat.
Zufriedenheit im Osten und im Westen
Demnach sieht sich jeder zweite Ostdeutsche als Gewinner der Wiedervereinigung – nur 23 Prozent als Verlierer. Die persönliche Einordnung steht dabei im engen Zusammenhang mit der gegenwärtigen materiellen Situation. Ebenfalls jeder Zweite gibt an, optimistisch in die Zukunft zu schauen – das ist der höchste Wert seit der Wiedervereinigung und der anschließenden Euphorie in den 1990er Jahren. Die Skeptiker, die hier eher mit Befürchtungen in die nächsten Jahre gehen, sind mit 15 Prozent klar in der Minderheit. Auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten die Bundesbürger im Osten ihre Zufriedenheit inzwischen mit 7, wobei 10 "völlig zufrieden" bedeutet. Das ist die höchste Nennung seit der erstmaligen Allensbach-Messung im Jahr 1993. Der Wert liegt damit nahezu gleichauf mit dem Westen (7,3 Punkte).
Soziale Beziehungen am wichtigsten
In ihren Lebensentwürfen lassen sich 25 Jahre nach dem Mauerfall kaum noch Unterschiede zwischen den beiden ehemals getrennten Teilen Deutschlands ausmachen. Soziale Beziehungen sind im Osten am wichtigsten; im Westen ebenso: Gute Freunde und eine enge Beziehung zu anderen Menschen finden 84 Prozent der befragten Ostdeutschen besonders erstrebenswert. Von den Westdeutschen führen dies 85 Prozent an. Gleich dahinter werden Familie (Ost: 82 Prozent, West: 78 Prozent) und glückliche Partnerschaften (jeweils 76 Prozent) genannt. Materielle Werte wie etwa ein hohes Einkommen folgen erst mit deutlichem Abstand.
Mögliche Pflegebedürftigkeit ängstigt Ost und West
Dieser gemeinsame Wertekanon spiegelt sich auch in den Antworten auf Fragen wie "Was gibt mir Sicherheit?" bzw. "Was bereitet mir Sorgen?" wider: In Ost- und Westdeutschland gilt ein ausreichendes Finanzpolster als beste Maßnahme, um beruhigt zu leben – noch vor der Sicherheit, die das eigene soziale Umfeld (Familie / Freunde) bietet. Im Gegenzug ängstigt die Bundesbürger in Ost und West gleichermaßen die mögliche eigene Pflegebedürftigkeit (jeweils 61 Prozent). Auch die Zunahme von Gewalt und Kriminalität, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich sowie die unsicheren Renten gehören zu den größten Sorgen der Menschen im Osten und Westen der Bundesrepublik. Deutliche Unterschiede ergeben sich hinsichtlich struktureller Probleme in der eigenen Region: Drohender Ärztemangel, Wegzug junger Menschen und immer weniger Arbeitsplätze beschäftigen die Ostdeutschen weitaus mehr.
Wirtschaftliche Situation wird positiv bewertet
Im Verlauf der letzten 20 Jahre haben sich die Unterschiede in der Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Lage in Ost- und Westdeutschland immer weiter verringert. Aktuell bewerten die Ostdeutschen die eigene wirtschaftliche Situation genauso positiv wie die westdeutsche Bevölkerung und so gut wie noch nie seit der Wiedervereinigung: 52 Prozent (Ost) bzw. 54 Prozent (West) bezeichnen sie als (sehr) gut. Entsprechend machen sich immer weniger Berufstätige Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Als wesentliche Herausforderung, so zeigt die Studie, kristallisiert sich für die Zukunft das Schaffen wirtschaftlicher Perspektiven für junge Leute in der Region heraus: 61 Prozent sehen die Chancen junger Menschen in der eigenen Region einen geeigneten Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden, als weniger gut oder gar nicht gut an.
Über die Studie:
Die Studie "Wertewandel Ost" wurde im Auftrag von zebra | consult, der Strategie-Beratungsgesellschaft der zebra I group, durchgeführt. Das das Institut für Demoskopie Allensbach befragte dazu rund 1.500 Ostdeutsche ab 16 Jahren sowie rund 1.100 Westdeutsche zu ihren Einstellungen, Lebenssituationen und Zukunftserwartungen.

Yvonne Wodzak 02.10.2014









